Gezähmt und beerdigt Wie Wildkatzen zu Stubentigern wurden

Bereits vor 10.000 Jahren haben Menschen angefangen, einst wilde Katzen zu sich ins Dorf zu holen und für ihre Zwecke einzusetzen. Es entwickelte sich eine offensichtlich innige Beziehung - bis hinein ins Grab.


Afrikanische Wildkatze: Bereits vor 10.000 Jahren domestiziert?
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Afrikanische Wildkatze: Bereits vor 10.000 Jahren domestiziert?

Es ist eine ganz spezielle Freundschaft, und sie ist offensichtlich deutlich älter als zuvor gedacht: In einem rund 9500 Jahre alten Grab auf der Mittelmeerinsel Zypern haben Archäologen die gemeinsam bestatteten Überreste eines Menschen und einer Katze entdeckt - der älteste bekannte Hinweis auf die besondere Beziehung zwischen dem Menschen und einem seiner liebsten Haustiere.

Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass die Katze in Ägypten domestiziert worden war: Vor mindestens 4000 Jahren, so die bisherigen Funde, haben die Ägyptern damit begonnen, eine neue Katzenart zu züchten: die "Hauskatze".

Doch schon deutlich früher dürften die Menschen erstmals Wildkatzen für ihre Zwecke eingesetzt haben, wie ein Team französischer Naturhistoriker nun im Fachmagazin "Science" schreibt. Demnach zog es bereits vor gut 10.000 Jahren, die Menschen entdeckten nach und nach den Ackerbau, immer mehr Wildkatzen in die Dörfer. "Ich glaube, die Menschen erkannten schnell, dass sie mit Hilfe der Katzen die Zahl der Mäuse reduzieren konnten", schreibt der Autor der Studie, Jean-Denis Vigne vom Nationalen Naturhistorischen Museum in Paris.

Katzengrab auf Zypern: 40 Zentimeter neben einem Menschen beerdigt
K. Debue

Katzengrab auf Zypern: 40 Zentimeter neben einem Menschen beerdigt

Darauf jedenfalls deuten die neuesten Funde hin: Im zypriotischen Grab entdeckten die Forscher nicht nur jede Menge polierte Steine, Werkzeuge und Schmuckstücke, sondern in etwa 40 Zentimetern Entfernung von der Leiche auch eine kleine Vertiefung. Darin lag das offenbar eilig zugeschüttete Katzenskelett.

Die Knochen des Tieres zeigten keinerlei Gewalteinwirkung - ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um ein Haustier oder ein Tier mit einer speziellen Bindung an den Verstorbenen gehandelt haben könnte. Zudem waren sowohl die menschliche als auch die tierische Leiche mit dem Gesicht nach Westen ausgerichtet.

"Ich weiß nicht, ob diese einheitliche Orientierung eine Aussagekraft hat", räumt Vigne ein. "Falls doch, sollte diese erstaunliche Nähe zwischen den beiden toten Körpern ein weiterer Hinweis auf eine enge Beziehung im Leben sein."

Wie die Wildkatze, die noch deutlich größer als unsere heutige Hauskatze war, umgekommen ist, bleibt indes rätselhaft. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun genauer klären, in welcher Beziehung Menschen und Katzen vor 10.000 Jahren standen.



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