Hundertfüßer gegen Maus K.o. nach 30 Sekunden

Hundertfüßer wiegen nur drei Gramm. Doch ihr Gift lähmt Mäuse in kurzer Zeit. Forscher haben nun entdeckt, wie das Toxin wirkt.

Hundertfüßer attackiert Maus
Chinese Academy of Sciences

Hundertfüßer attackiert Maus


Sie erreichen beachtliche Größen von bis zu 25 Zentimetern und können blitzartig zuschlagen: Doch Hundertfüßer sind vor allem wegen ihres potenten Giftes gefürchtet.

Wie schnell das bei selbst deutlich größeren Gegnern wirkt, konnten nun Forscher aus China feststellen. Für ihre Studie hatten sie beobachtet, wie die Krabbeltiere Mäuse angreifen. Dabei hatten die Nager selbst bei einem Gewicht von 45 Gramm keine Chance gegen einen etwa drei Gramm schweren Hundertfüßer.

Dank seines starken Giftes brauchte der Hundertfüßer nur etwa eine halbe Minute, um seine deutlich größere Beute niederzuringen. Das berichten Wissenschaftler des Zoologischen Instituts der südchinesischen Stadt Kunming in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

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In der Studie hatten die Forscher untersucht, wie das Gift genau wirkt. Dabei entdeckten sie ein bisher nicht bekanntes toxisches Peptid. Die Substanz namens Ssm Spooky Toxin (SsTx) führte bei den Mäusen etwa zu einer Verminderung der Atemfrequenz, zu stark ansteigendem Blutdruck und zu einer Verengung der Blutgefäße sowie einer Unterversorgung des Herzmuskels.

Das Gift wirkt sowohl auf das Herz-Kreislauf-System, das Atmungssystem und auch das Nervensystem. Pro Biss wurden etwa 30 Mikroliter Gift injiziert - das entspricht 30 Tausendstel eines Milliliters. Weil die Substanz sehr toxisch wirkt, kann die untersuchte Hundertfüßer-Art Scolopendra subspinipes mutilans auch deutlich größere Tiere töten als sie selbst.

Hundertfüßer kommen weltweit vor, sie besiedeln eine Vielzahl verschiedener Lebensräume vom Regenwald bis zur Wüste. Die Tiere, die zur Gruppe der Tausendfüßer gehören, verfügen am Kopf über Giftklauen. Vergiftungen durch Hundertfüßer treten nach Angaben der Forscher gelegentlich auf. In Hawaii waren demnach von 2007 bis 2011 Hundertfüßer-Bisse für elf Prozent der bekannten Vergiftungen durch Tiere verantwortlich.

In seltenen Fällen führen ihre Bisse beim Menschen zu Atemproblemen, Herzrhythmusstörungen oder zum Tod - für gesunde Erwachsene sind sie aber nicht lebensbedrohlich. Dokumentiert ist aber der tödliche Fall eines kleinen Mädchens, das direkt am Kopf gebissen wurde. In einem anderen Fall starb ein 39-jähriger Thailänder, der das Tier gegessen hatte, nachdem es ihn in den Finger gebissen hatte.

Glücklicherweise fanden die Forscher heraus, dass es ein Mittel gegen das Gift gibt: Ein Wirkstoff namens Retigabin, der ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurde, kann die Folgen lindern.

Korrektur: Der Wirkstoff Retigabin wird inzwischen nicht mehr zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, der Hersteller hat ihn vom Markt genommen.

joe/dpa



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