Wasser für Namibia: Forscher finden gigantischen See unter der Wüste

Im Norden Namibias haben deutsche Forscher ein gigantisches Süßwasserreservoir entdeckt - Hunderte Meter unter dem meist verdorrten Boden. Das Wasser von Ohangwena II ist zehntausend Jahre alt und könnte fast die Hälfte des Landes für 400 Jahre versorgen.

Versickerndes Wasser in der Nabib: Satellitenaufnahme der extrem trockenen Sandwüste Zur Großansicht
Getty Images/USGS

Versickerndes Wasser in der Nabib: Satellitenaufnahme der extrem trockenen Sandwüste

Windhoek/Hamburg - Forscher des Projekts Grundwassererkundung im Etoscha-Cuvelai-Becken haben im Norden Namibias ein gigantisches Süßwasserreservoir entdeckt. In Tiefen bis zu 350 Metern sollen rund fünf bis acht Milliarden Kubikmeter Trinkwasser darauf warten, gefördert zu werden.

Laut Projektleiter Martin Quinger von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) würde das reichen, um rund 40 Prozent der namibischen Bevölkerung mindestens 400 Jahre mit Trinkwasser zu versorgen. Wenn genügend Bohrungen gesetzt werden - und wenn alles gut geht, denn die Bohrungen sind nicht ohne Risiko: In weiten Teilen des Areals liegen oberhalb der süßwasserführenden Schicht, die in einem extrem langsamen Prozess durch nachsickerndes Regenwasser aus den Bergen Angolas aufgefüllt wird, weitere, kleinere Wasserreservoirs - und die sind oft salzig.

Wilde Bohrungen wären darum mit dem Risiko verbunden, dass die wertvolle Ressource kontaminiert und weitgehend unbrauchbar gemacht werden könnte. Im südlichen Teil des Reservoirs ist es offenbar schon zu Versalzungen gekommen - ob auf natürlichem Wege oder durch menschlichen Einfluss, ist nicht bekannt. Das unterirdische Wasserreservoir weist eine leichte Strömung auf, die von Nord-Nordost nach Süd-Südwest verläuft. Es könnte sich also auch um eine natürliche Salzanreicherung handeln.

Das Wasser kommt dem Menschen entgegen

Das Gros des Wassers aber ist nutzbar und von bester Qualität. Aufgrund des sehr langsamen Versickerungszyklus stammt der größte Teil aus einer Zeit vor rund 10.000 Jahren - und ist damit ungewöhnlich frei von den heute üblichen Kontaminationen, wie Quinger der BBC erklärte.

Auf der positiven Seite verbuchen die Forscher auch, dass sachgerechte Brunnenbohrungen zu teuer nicht werden dürften. Das Wasser in dem fast hermetisch abgeschlossenen Tiefenreservoir steht laut Quinger unter erheblichem Druck. Daher brauche man nach einer erfolgreichen Bohrung die nötigen Pumpen auch nur auf eine Tiefe von 30 Metern bringen - die bis zu 320 übrigen Meter steigt das Wasser allein schon wegen des erheblichen Tiefendrucks.

Um die nötigen Wassermengen zu fördern, müssten etwa 50 Brunnen angelegt werden. Die Kosten dafür schätzen die BGR-Forscher auf rund 2,5 Millionen Euro. Die Gesamtförderung des Projekts durch den Bund betrug für den Zeitraum von 2007 bis 2013, wenn das Projekt ausläuft, rund 2,1 Millionen Euro.

Gegenüber der namibischen "Allgemeinen Zeitung", die als erste bereits am 10. Juli über das Thema berichtete, bezeichnete Quinger den finanziellen Aufwand als preiswert im Vergleich zu herkömmlichen Wasserversorgungsmethoden. Der Norden Namibias ist in den trockenen Jahreszeiten auf eine oberirdische Wasserversorgung aus den Bergen Angolas angewiesen. Dabei gingen typischerweise rund 80 Prozent des Wassers durch "Verdunstung, Versickerung und illegale Entnahme" verloren.

Die Nordhälfte Namibias leidet unter einer saisonal unsteten Wasserversorgung, die sich zwischen den Extremen Dürre und Überschwemmung bewegt. Unter dem Strich gilt Namibia als die trinkwasserärmste Region des subsaharischen Afrika. Ausgedehnte Landstriche sind Wüste, einige davon gehören, wie die Namib, zu den trockensten Regionen der Welt. Entsprechend freudig wurde die Nachricht in Namibia aufgenommen. Die Nachrichtenseite "Inamibia" titelte: "Wasser, Wasser überall ... für 400 Jahre!".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von fünf bis acht Billionen Kubikmeter Trinkwasser die Rede. Tatsächlich handelt es sich um fünf bis acht Milliarden. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

pat

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insgesamt 40 Beiträge
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1.
Persiflist 21.07.2012
Zitat von sysopDas Gros des Wassers aber ist nutzbar und von bester Qualität. Aufgrund des sehr langsamen Versickerungszyklus stammt der größte Teil aus einer Zeit vor rund 10.000 Jahren - und ist damit ungewöhnlich frei von den heute üblichen Kontaminationen.
Deswegen wird man das Wasser auch nicht den Einheimischen überlassen, sondern auf Flaschen ziehen, um es für 8€ den Liter an Leistungsträger zu verkaufen...
2. Rauspumpen und mittels Bankern von der Deutschen Bank
Sachsenimker 21.07.2012
vermarkten. Erst um den halben Erdball verschiffen und dann teuer an die Afrikaner in Tetra-Packs verkaufen. So wird Profit. Mutti würde sagen: Es ist alternativlos. Ich zweifle nicht, dass es so werden wird.
3. Ein Unglück für die Bevölkerung
vantast64 21.07.2012
Öl- oder Goldvorkommen sind eine große Katastrophe für die Bevölkerung, weil der Westen ( und nun auch der gelehrige Schüler China) nur an marktwirtschaftlichen Profit denkt und die Umwelt und Menschen rücksichtslos ausbeutet, ruiniert. Hoffen wir, daß es nicht zum Ausbeuten des Wassers kommt.
4. Verantwortungsvoll nutzen
JuliusGrief 21.07.2012
Ich wünsche den Nigerianern von ganzem Herzen, dass sie ihre Wasservorkommen zum Wohle des Volkes verantwortungsvoll nutzen. Da es sich um Wasser- und nicht um andersartige Rohstoffvorkommen handelt, ist eine Ausbeutung durch ausländische Konzerne zu ungunsten der Bevölkerung (wie es z.B. mit den Erz- und Öllagerstätten im Sudan erfolgt) kaum zu befürchten, da die USA, Europa und China das große Glück haben, über ausreichende Mengen Trinkwasser zu verfügen.
5. Alter Hut
xenophan 21.07.2012
1. Dieses Reservoir ist schon lange bekannt, genauso wie das artesische Wasserbecken unter der Kalahari 2. Das Foto ist eine Satellitenaufnahme von "Sossusvlei" und das hat nichts mit dem Cuvelai-Becken zu tun. "Sossusvlei" ist die Sackgasse eines Flußlaufs, der mal im Atlantik mündete und dessen Lauf jetzt durch die Wanderdünen der Namib versperrt wird - liegt ca. 500 km weiter südlich vom Cuvelai-Becken 3. Das Cuvelai-Becken liegt nicht unter einer Sandwüste, sondern in einer Gegend im Norden Namibias, die man allerhöchstens als Halbwüste bezeichnen kann Man wird das Wasser abpumpen um irgendwo im grossen Stil zu bewässern bis es alle ist.
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