Knochensplitter

Riesenaffe Gigantopithecus Warum "King Kong" ausstarb

Schätzung: Gigantopithecus blacki im Vergleich zu Homo sapiens
H. Bocherens

Schätzung: Gigantopithecus blacki im Vergleich zu Homo sapiens

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Gigantopithecus war der Riese unter den Menschenaffen: Er könnte bis zu drei Meter groß gewesen sein. Deutsche Forscher haben nun herausgefunden, was diesem größten unserer Verwandten den Garaus machte.

Zu Füßen eines Gigantopithecus hätte wohl auch ein ausgewachsener Gorilla-Silberrücken noch ein schattiges Plätzchen gefunden. Und wenn die gewagtesten Größenschätzungen wahr sein sollten, vielleicht sogar auch zwei: Die Schätzungen variieren zwischen 1,80 und drei Metern, das Gewicht dieses gigantischsten aller Menschenaffen, von denen man bisher Überreste fand, könnte bei 200 bis 500 Kilogramm gelegen haben.

Dass die Schätzungen soweit auseinanderklaffen, liegt vor allem daran, dass bisher nur Zähne und einzelne Knochenfragmente von Gigantopithecus gefunden wurden. Fossilien-Fragmente, die man drei verschiedenen Unterarten zuordnet, stammen aus China und Thailand.

Die ersten davon brauchte der deutsche Paläontologe Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald 1935 noch nicht einmal ausgraben: Er kaufte fossile Zähne in einer chinesischen Apotheke, wo sie als Heilmittel angeboten wurden. Man muss leider davon ausgehen, dass viele Knochen des Riesenaffen in gemahlener Form in Salben und Tinkturen landeten.

Apothekenfund: Backenzahn eines Gigantopithecus
Wolfgang Fuhrmannek

Apothekenfund: Backenzahn eines Gigantopithecus

Was man bisher vorliegen hat, reichte immerhin, sich eine grobe Vorstellung von dem Tier zu machen: Die meisten Forscher sehen Gigantopithecus als engen Verwandten des Orang-Utan. Die letzten Vertreter der Riesenaffen starben vor rund 100.000 Jahren. Damit dürften sowohl unsere Vorfahren als auch ältere Menschenarten noch dem Gigantopithecus begegnet sein: Die Geschichte menschlicher Besiedlung beginnt in China schon vor mehr als 500.000 Jahren.

Beweise auf molekularer Ebene

Da läge der Verdacht nahe, dass wieder einmal wir unsere waffenschwingenden Hände im Spiel gehabt haben könnten beim Untergang der Affen-Giganten. Folgt man jedoch der Studie, die Forscher der Universität Tübingen und des Senckenberg Instituts nun vorgelegt haben, war der Mensch wohl unschuldig: Gigantopithecus wurde demnach Opfer seiner eigenen Unflexibilität.

Ähnlich wie der kleinere Orang-Utan sei Gigantopithecus ein reiner Waldbewohner gewesen - und das, obwohl zumindest die größte Art Gigantopithecus blacki wohl zu massig und schwer gewesen sein dürfte, es hinauf ins Geäst zu schaffen. Das war solange kein Problem, wie der Wald groß und üppig war.

Size matters: Manchmal ist es besser, klein und faul zu sein

Das aber blieb er nicht: "Gigantopithecus", erklärt Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen, "war aufgrund seiner Größe vermutlich auf eine große Menge Nahrung angewiesen. Als die bewaldeten Gebiete sich in der Zeit des Pleistozäns immer mehr zu Savannen-Landschaften entwickelten, war das Nahrungsangebot für den Riesenaffen wohl einfach zu gering."

Das klingt spekulativ. Bisher wusste man schließlich noch nicht einmal sicher, ob Gigantopithecus Fleisch- oder Pflanzenfresser war. Nun aber gibt es biochemische Beweise. Bocherens analysierte mit seinen Kollegen den Zahnschmelz der fossilen Riesenaffen auf stabile Kohlenstoffisotope. Und die können auch nach mehreren Millionen Jahren Auskunft über die Nahrungsgewohnheiten geben: Sie sind wie eine Signatur des Speiseplans.

Der Vergleich mit dem Daumen macht die Größe klar: Friedemann Schrenk mit  Gigantopithecus -Backenzahn
Senckenberg

Der Vergleich mit dem Daumen macht die Größe klar: Friedemann Schrenk mit Gigantopithecus-Backenzahn

Borcherens: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die großen Primaten nur im Wald aufhielten und ihre Nahrung aus diesem Lebensraum bezogen." Gigantopithecus sei ein reiner Vegetarier gewesen, allerdings nicht auf Bambus spezialisiert, wie lange vermutet wurde.

Dass der Orang-Utan die Veränderung seines Lebensraums und die Verknappung des Nahrungsangebots im Gegensatz zu Gigantopithecus überlebte, erklären die Forscher mit der geringeren Köpergröße und dem anderen Lebenswandel: "Orang-Utans haben einen langsamen Stoffwechsel und können mit wenig Nahrung auskommen."



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13 Leserkommentare
micsei 05.01.2016
Cugel 05.01.2016
phboerker 05.01.2016
windpillow 05.01.2016
neanderspezi 05.01.2016
neanderspezi 05.01.2016
tecate 05.01.2016
modernslave 06.01.2016
hirnschlacht 06.01.2016
peschinho 06.01.2016
peschinho 06.01.2016
Kimoya 09.01.2016
peschinho 15.01.2016

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