Gipfel-Erfolg Uno-Klimakonferenz beschließt Bali-Abkommen

Dramatik pur beim Schlussakt der Klimakonferenz auf Bali: Erst nahm die EU unter dem Jubel der Delegierten eine Last-Minute-Initiative Indiens an. Dann lehnten die USA den Kompromiss ab - um nach heftigen Angriffen anderer Staaten doch noch zuzustimmen.


Nusa Dua - Die Uno-Konferenz auf Bali hat in einer dramatischen Schlusssitzung das Verhandlungsmandat für ein neues Klimaschutzabkommen beschlossen. Zuvor hatte es am Samstag im Plenum der Konferenz einen harten Schlagabtausch mit wechselseitigen Einspruchsdrohungen der USA einerseits und verschiedener Schwellen- und Entwicklungsländer andererseits gegeben. Der Text wurde allerdings hinsichtlich der Pflichten der Entwicklungsländer abgeschwächt.

Erleichterung: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon (l.) und Sitzungsleiter Rachmat Witoelar (r.) applaudieren Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono
REUTERS

Erleichterung: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon (l.) und Sitzungsleiter Rachmat Witoelar (r.) applaudieren Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono

Entgegen dem Wunsch der EU und vieler Entwicklungsländer enthält das Mandat selbst keinerlei Zahlenangaben zur Verringerung von CO2-Emissionen. Die Teilnehmerstaaten erkennen lediglich an, "dass starke Verringerungen der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen erforderlich sind", um das gesetzte Ziel einer Bekämpfung des Klimawandels zu erreichen. Der Text verweist aber auf die Empfehlungen im Bericht des Weltklimarats (IPCC), der solche Reduktionsziele vorsieht.

Die Initiative Indiens, unterstützt von China, hatte die Delegierten beim Weltklimagipfel auf Bali auf dem falschen Fuß erwischt. Alles hatte mit einer Obstruktionstaktik der Russen gerechnet - doch dann meldeten die Inder überraschend einen bedeutenden Änderungswunsch an dem Entwurf einer Bali-Abschlusserklärung an, an der die Delegationen zuvor bis zum frühen Samstagmorgen (Ortszeit) gefeilt hatten.

Die Änderung lief darauf hinaus, dass die Industriestaaten sich zu "messbaren, meldepflichtigen und überprüfbaren" Technologie- und Finanzhilfen für die Entwicklungsländer verpflichten sollten. Zugleich sollten die drei Begriffe an einer Stelle getilgt werden, wo sie sich auf die Treibhausgas-Senkungen der Entwicklungsländer bezogen hätten.

Buhrufe für die US-Delegation

"Völlig inakzeptabel", sagte die niederländische Umweltministerin Jacqueline Cramer. Ein Scheitern der Konferenz schien plötzlich wieder denkbar. Doch die EU schluckte die Kröte: Unter dem Jubel der anderen Delegierten stimmte die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft dem Vorschlag Indiens zu. Die Ernüchterung folgte nur wenig später: "Wir können diesem Vorschlag nicht zustimmen", sagte Paula Dobriansky, Leiterin der US-Delegation. Buhrufe waren die Antwort.

In den kommenden Minuten mussten die Amerikaner eine Reihe teils heftiger Angriffe über sich ergehen lassen. "Unwillkommen und ohne jede Basis" nannte etwa der Vertreter Südafrikas die Anschuldigungen der USA an die Entwicklungsländer. "Sie sind nicht in der Lage, die Führung zu übernehmen. Gehen Sie aus dem Weg", griff der Vertreter Papua-Neuguineas die USA direkt an. Offenbar wurde der Druck auf die US-Delegation zu groß. Angesichts der massiven Angriffe knickten die Amerikaner ein und nahmen die sogenannte "Bali-Roadmap" an. "Wir treten dem Konsens bei", sagte Dobriansky. Diesmal gab es teils stehende Ovationen der Delegierten. Während der Beratungen erlitt der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, einen Zusammenbruch und musste den Saal vorübergehend verlassen

Zuvor hatte sich der indonesische Konferenzpräsident Rachmat Witoelar für seine Verhandlungsführung entschuldigt. "Sie war nicht ohne Fehler", sagte Witoelar. Hinter vorgehaltener Hand hatten Delegierte die teils chaotische Vorgehensweise der Konferenzleitung kritisiert - und die Schuld an zwischenzeitlichen Eskalationen auch Witoelar gegeben.

Zuvor hatten Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon dramatische Appelle an die Delegierten gerichtet.

mbe/AFP

Forum - Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
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Hawieldt 15.12.2007
1.
zufriedenstellend ist doch nur die Tatsache, das wie immer Niemand am Ende als Buhmann da stehen möchte . Aber das war es auch schon . Die Frage ob Europa über den Tisch gezogen wurde .... kann ich nicht beantworten ,da ich der Ansicht bin , das die Natur Alle über den Tisch zieht . Was nutzt eine Reduzierung des CO2 Ausstosses ,wenn die Natur ihre Methangase aus dem Methaneis frei lässt . Soviel CO2 können Alle nicht reduzieren um den Methangasausstoss der Natur zu kompensieren . Ob das nun auch eine Folge der menschengemachten Erderwärmung ist wage ich als Ganzes zu bezweifeln . Ich denke das natürliche Zyklen auch eine gewichtige Rolle spielen . Für mich steht als Ergebnis der Balikonferenz fest, das sich wir Menschen klar werden müssen ,im Sinne für den Menschen ,nun wirklich gegen die Natur agieren zu müssen .Nur wie ? Beides aber vermögen wir nicht ,wie auch nicht im Einzelnen .
Hador, 15.12.2007
2. Zufriedenstellend?
Wie kann ein Ergebnis bei dem die einzige Zahl zur CO2 Reduzierung in irgendeiner Fußnote des Vorwortes auftaucht zufriedenstellend sein? Die Konferenz war, wie so oft, eine Farce und die Abschlusserklärung macht es nicht besser. Die Herren und Damen Politiker können nun nachhause fahren und jeder kann behaupten er habe bis zum Umfallen für die eigenen Überzeugungen gekämpft. Währenddessen steigen die Emissionen weiter, der Energieverbraucht wächst und die Temperatur gleich mit. Super Sache..... Aber davon abgesehen: Selbst WENN eine feste Zielvorgabe in diesem Dokument enthalten gewesen wäre, sie wäre das Papier nicht wert gewesen auf dem sie steht. Das sieht man sehr schön am Kyoto-Protokoll: Kaum ein Land arbeitet gezielt auf diese Vorgaben hin. Zwar erreichen einige Länder ihre Vorgaben, dies sind jedoch fast nur Länder des ehemaligen Ostblocks in denen ein Großteil der alten Industrie zusammengebrochen ist und die Emissionen deshalb gesunken sind. Deutschland erreicht trotz des Wegfalls ehemaliger DDR Industrieanlagen seine Vorgabe nicht und andere westliche Industrienationen liegen teilweise um mehrere 10% ÜBER den damaligen Emissionswerten. Fazit: Papier ist geduldig, nur ist das Weltklima es auch?
filou11 15.12.2007
3.
Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Hador, 15.12.2007
4.
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
An was denn halten? Es gibt ja, wieder mal, keine Zielvorgabe sondern nur eine Fußnote. Und die Europäer sind auch nur Weltmeister im Reden, schaut man sich aber mal die CO2 Emissions Entwicklung in der EU an, dann steigt auch hier in fast allen Ländern die Emission und sinkt nur dort wo alte Industriezweige kaputt gehen. Von gezieltem Klimaschutz keine Spur. Sieht man ja auch in Deutschland: Merkel tönt erst groß rum mit wer weiss wieviel Reduktion der CO2 Emissionen und dann verwässert sie eigenhändig eine EU Richtlinie, die dazu führen würde, dass die deutschen Autobauer mehr spritsparende Autos bauen müssten. Wenn nicht in den neuen Bundesländern fast die gesamte Industrie zusammengebrochen wäre, dann hätte Deutschland bis heute wohl keinen einzigen Prozentpunkt seiner CO2 Emissionen reduziert.
chirin 15.12.2007
5. Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Antwort: Sie sagen es! Ein Ergebnis gibt es , aber nur hinsichtlich der Verseuchung durch die Flugzeuge mit denen dieser Wanderzirkus unterwegs ist. Überdies ist in Deutschland auch viel zu viel Land "begradigt" und abgeholzt worden, so dass hier ein großer Teil des Landes auch austrocknet, da sich kein Tau mehr bilden kann. Wasser und Bäume sorgen erheblich mehr für gutes Klima, als die albernen Verbote von Kfz. ´in den Innenstädten.
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