Gipfel-Marathon in Durban Klima-Unterhändler geben sich noch nicht geschlagen

Die Klimakonferenz in Durban wird zur Marathon-Veranstaltung. Am späten Nachmittag wurde immer noch hinter verschlossenen Türen verhandelt. Laut Umweltminister Röttgen ist weder ein Ende noch ein Erfolg absehbar - aber es hat sich eine neue vielversprechende Allianz formiert.

Endspurt im Gipfel-Marathon: "Es wird immer noch gerungen, auch um Grundsätzliches"
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Endspurt im Gipfel-Marathon: "Es wird immer noch gerungen, auch um Grundsätzliches"

Aus Durban berichtet


Es war eine gespenstische Szene, die einen kurzen Einblick in die Stimmung unter den Unterhändlern bei der Uno-Klimakonferenz in Durban gab. Seit geraumer Zeit lauerten Dutzende Pressevertreter vor dem Raum, in dem die Minister seit Stunden um Details ringen. Zwischendurch öffnete sich die Tür, und US-Unterhändler Todd Stern trat heraus. Unter den Journalisten wurde es still. Mit finsterer Miene stapfte Stern auf die Menge zu, die sich teilte, ohne eine einzige Frage zu stellen. Stern verschwand wortlos auf der Toilette.

Später kam Bundesumweltminister Norbert Röttgen heraus und gab sich deutlich auskunftsfreudiger. Was er allerdings sagte, klang wenig hoffnungsvoll. Man sei "extrem spät" dran, sagte der CDU-Politiker. Ob es noch am Samstag zu einem Ergebnis kommen werde, "ist seriöserweise nicht zu sagen", so Röttgen. "Es wird immer noch gerungen, auch um durchaus Grundsätzliches. Es bleibt in der Sache ein harter Kampf."

Seit Tagen verhandeln die Umweltminister der Staaten über eine mögliche Fortsetzung des Kyoto-Protokolls und Finanzhilfen an Entwicklungsländer, um diese im Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen zu unterstützen. Ob der Gipfel einen Überraschungserfolg erzielt oder aber ein Fehlschlag wird, ist nach wie vor offen. Am Samstagabend haben die südafrikanischen Gastgeber einen neuen Entwurf für einen Durban-Beschluss präsentiert. Er wird derzeit von den Delegierten im Plenumssaal beraten.

Viele technische Fragen seien bereits geklärt, hatte Röttgen am Samstagnachmittag gesagt. Es seien aber "die großen Fragen", die noch für Probleme sorgten - etwa die der rechtlichen Verbindlichkeit eines künftigen Abkommens oder ob man die Klimaschutzmaßnahmen beschleunigen müsse. Denn es werde Jahre brauchen, ein neues rechtliches Instrument zu verhandeln und es danach in nationale Gesetzgebung umzusetzen.

"Aber wir können es uns nicht leisten, bis dahin untätig zu sein", erklärte Röttgen. Deshalb müsse man parallel verhandeln und handeln.

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Klimakonferenz: Kompromiss verzweifelt gesucht
EU, Afrika und Inselstaaten bilden eine neue Allianz

Man müsse in Durban nicht nur ein neues rechtliches Instrument zum Klimaschutz beschließen, sondern auch "ein internationales Arbeits- und Handlungsprogramm". Auch verhandle man über "eine Agenda, um jedes Jahr das Anspruchsniveau zu steigern". In den laufenden Verhandlungen habe er im Sinn der EU und ihrer neuen Verbündeten interveniert - ein Vorstoß, der mit Staaten wie Grenada, El Salvador, Gambia und Kolumbien abgestimmt gewesen sei, sagte Röttgen.

"Wir arbeiten gut zusammen, die europäische Strategie funktioniert. Ob sie zum Ergebnis führt, kann man jetzt nicht sagen."

Es gebe den politischen Willen, "etwas hinzubekommen, das sich daran misst, dass wir die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen müssen", so Röttgen weiter. "Wir reden erstmalig darüber, dass sich alle Staaten einem Regelungsinstrument unterwerfen. Es wäre völlig neu, wenn das gelingen würde."

Zudem hob er das neue Verhandlungsbündnis zwischen der EU, der Gruppe der afrikanischen Länder, der Allianz kleiner Inselstaaten (Aosis) und der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) hervor. "Das ist eine neue Allianz, die hier entstanden ist und die über diese Konferenz hinaus politisches Gewicht entfalten wird", so Röttgen. "Das ist für sich genommen ein großer Erfolg."

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panzerknacker51, 10.12.2011
1. Arroganz und Krönung der Schöpfung
Zitat von sysopDie Klimakonferenz in Durban wird zur Marathon-Veranstaltung. Am späten Nachmittag wurde immer noch hinter verschlossenen Türen verhandelt. Laut Umweltminister Röttgen sind weder ein Ende noch ein Erfolg absehbar - aber es hat sich eine neue vielversprechende Allianz formiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802968,00.html
Bezeichnend ist bei dem Thema nur eins: Klimaveränderungen gab es in der Erdgeschichte ständig. Immer haben sich die aktuellen Lebewesen angepaßt oder sind ausgestorben. Nur der Mensch ist so arrogant anzunehmen, er könne ein durch seine Masse vielleicht begünstigtes Phänomen in irgendeiner Weise steuern. Das Ganze wirkt ähnlich skurril, wie die Ankündigung des Genossen Chrustschov in den 60ern, er wolle mit einer Rakete den Mond verschieben und so die sibierischen Temperaturen nach Nordamerika verpflanzen. Wir sind wahrlich die Krönung der Schöpfung...
heuwender 10.12.2011
2. ohje
Zitat von sysopDie Klimakonferenz in Durban wird zur Marathon-Veranstaltung. Am späten Nachmittag wurde immer noch hinter verschlossenen Türen verhandelt. Laut Umweltminister Röttgen sind weder ein Ende noch ein Erfolg absehbar - aber es hat sich eine neue vielversprechende Allianz formiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802968,00.html
wer das glaubt wird seelig,oder glauben heist nichts wissen. In Durban wurde wieder einmal leeres Stroh gedroschen wie immer,ergo es kommt nichts dabei heraus.Frohes Fest!!!
Kompetenzzentrum 10.12.2011
3.
Zitat von panzerknacker51Bezeichnend ist bei dem Thema nur eins: Klimaveränderungen gab es in der Erdgeschichte ständig. Immer haben sich die aktuellen Lebewesen angepaßt oder sind ausgestorben. Nur der Mensch ist so arrogant anzunehmen, er könne ein durch seine Masse vielleicht begünstigtes Phänomen in irgendeiner Weise steuern. Das Ganze wirkt ähnlich skurril, wie die Ankündigung des Genossen Chrustschov in den 60ern, er wolle mit einer Rakete den Mond verschieben und so die sibierischen Temperaturen nach Nordamerika verpflanzen. Wir sind wahrlich die Krönung der Schöpfung...
Klimaänderungen gab schon immer, da haben sie recht . Aber das Abkühlen bzw. Aufwärmen der Temperaturen um z.B. 1,5 °C dauerte zehntausende Jahre, und nicht etwa 100 Jahre für knapp 0,9 °C. Ich bezweifle stark, dass die Menschheit so rapide Umgebungsveränderungen und ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna so ohne weiteres im evolutionären Kontext verkraftet. Zumindest nicht, ohne selber Schaden zu nehmen.
serafino 10.12.2011
4.
Zitat von panzerknacker51Bezeichnend ist bei dem Thema nur eins: Klimaveränderungen gab es in der Erdgeschichte ständig. Immer haben sich die aktuellen Lebewesen angepaßt oder sind ausgestorben. Nur der Mensch ist so arrogant anzunehmen, er könne ein durch seine Masse vielleicht begünstigtes Phänomen in irgendeiner Weise steuern. Das Ganze wirkt ähnlich skurril, wie die Ankündigung des Genossen Chrustschov in den 60ern, er wolle mit einer Rakete den Mond verschieben und so die sibierischen Temperaturen nach Nordamerika verpflanzen. Wir sind wahrlich die Krönung der Schöpfung...
Genau, der arrogante Mensch ist doch auch nur ein Tier! Er verändert die Erde ja auch nicht. Strassen bauen ja nur Ameisen, Häuser ja nur Termiten. Und Massentierhaltung passiert genauso von alleine wie Agrarmonokulturen. Natürlich verändert der Mensch die Welt, ständig. Es gibt auch genügend Hinweise darauf, dass die Klimaerwärmung mit dem menschgemachten CO2-Ausstoss zusammenhängt. Also warum soll dann eine Begrenzung des Ausstosses nicht die Folgen abmildern?
seltensogelacht 10.12.2011
5. Realitätsverweigerung
Zitat von panzerknacker51Bezeichnend ist bei dem Thema nur eins: Klimaveränderungen gab es in der Erdgeschichte ständig. Immer haben sich die aktuellen Lebewesen angepaßt oder sind ausgestorben. Nur der Mensch ist so arrogant anzunehmen, er könne ein durch seine Masse vielleicht begünstigtes Phänomen in irgendeiner Weise steuern. Das Ganze wirkt ähnlich skurril, wie die Ankündigung des Genossen Chrustschov in den 60ern, er wolle mit einer Rakete den Mond verschieben und so die sibierischen Temperaturen nach Nordamerika verpflanzen. Wir sind wahrlich die Krönung der Schöpfung...
Aber doch nicht in diesem enormen Tempo ! Die Treibhauswirkung des CO2 ist unbestreitbar, ebenso die dramatische Erhöhung seiner Konzentration in der Luft aufgrund des Verbrennens energiereicher Kohlenwasserstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas in den letzten 200 Jahren. Natürlich geht davon die Welt nicht unter, passen wir uns halt daran an... ...oder besser sollen sich doch die Folgegenerationen anpassen, Hauptsache ich kann mir meinen faulen fetten Arsch weiter im SUV breitdrücken und mit Vollgas durch die Pampa heizen, schliesslich kann ich's mir leisten...
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