Gipfeltreffen Klimapolitiker feiern Cancún-Kompromiss

In letzter Minute haben sich die Delegierten beim Klimagipfel in Cancún auf einen Kompromiss verständigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer "historischen Einigung".

AFP

Aus Cancún berichtet


Hamburg - Am Ende war der Gipfel erfolgreicher als vorab erwartet. Nach dem Scheitern der Klimakonferenz von Kopenhagen 2009 war das Treffen im mexikanischen Cancún mit Skepsis erwartet worden. Nach zwei zähen Wochen aber verständigten sich die Delegierten auf einen Kompromiss und verschiedene Einzelschritte im Kampf gegen die Erderwärmung.

Unter anderem wurden ein Hilfsfonds für arme Länder und ein besserer Schutz tropischer Wälder beschlossen. Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll wurden vertagt.

Nach der Einigung weicht die Skepsis nun der Euphorie. Die Chefin des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, Christiana Figueres, sprach von einer "historischen Einigung". Die Regierungen hätten sich zum ersten Mal auf viele Maßnahmen verständigt, um besonders Entwicklungsländern zu helfen.

Umweltverbände kritisieren die mangelnde Verbindlichkeit der Einigung. Das Ringen von Cancún hat auch gezeigt, wie zäh die Kompromissfindung ist. "Wider allen Erwartungen hat die Vernunft gesiegt", sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Jetzt ist die EU gefragt, ihr CO2-Minderungsziel bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent zu erhöhen."

"Ein viel zu kleiner Schritt angesichts der Nöte des Planeten"

Die Einigung von Cancún wird auch als Sieg der internationalen Zusammenarbeit gefeiert. "Das ist ein wichtiger Schritt für die Stärkung des Multilateralismus und des internationalen Klimaschutzes", sagte Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umweltschutzorganisation Germanwatch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Und setzte nach: "Es ist aber auch ein viel zu kleiner Schritt angesichts der Nöte des Planeten."

"Vorreiterkoalitionen und nationale Klimaschutzprogramme sind nun entscheidend, um die Lücke zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels zu schließen", so Bals. Nach einer aktuellen Berechnung der Webseite "Climate Action Tracker" dürfte sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Jahr 2100 nach den Beschlüssen von Cancún um 3,2 Grad erhöhen. Umweltschützer halten 1,5 bis 2 Grad für die maximal tolerable Marke.

Die EU bescheinigt sich selbst eine Vorreiterrolle in Cancún, sie sieht sich als treibende Kraft hinter der Einigung. Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimaschutz, lobte den Einsatz: "Die EU ist nach Cancún gereist mit der Absicht, ein fundiertes Paket handlungsorientierter Entscheidungen auf den Weg zu bringen, und die internationalen Klimaschutzgespräche in Gang zu halten."

"Zentrale Fragen sind wieder einmal vertagt worden"

Hedegaard zeigte sich erleichtert. "Wir sind glücklich, dass der Uno-Prozess gerettet wurde", sagte die Dänin zu SPIEGEL ONLINE. "Wir dürfen aber auch nicht übersehen, wie schwierig der weitere Weg ist."

Greenpeace kritisiert indes das Verhalten der Europäischen Union. Europa habe in Cancún ein schlechtes Bild abgegeben, sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser. "Die EU war wenig ambitioniert. Kein mutiges Reduktionsziel, Uneinigkeit in wichtigen Beschlüssen - so verkommt die europäische Union in der Klimapolitik zur Bedeutungslosigkeit." Das Papier von Cancún sei das Maximum, was aus der Staatengemeinschaft herauszuholen sei. Greenpeace fordert von der EU, sich Anfang 2011 darauf zu einigen, die Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent zu senken.

"Zentrale Fragen für einen ambitionierten, gerechten und rechtlich verbindlichen Klimaschutzvertrag sind wieder einmal vertagt worden", so Kaiser. "Die Mineralöl-, Kohle- und Holzindustrie hat ein weiteres Jahr, um unkontrolliert die Atmosphäre mit Kohlendioxid zu verschmutzen."

"Deutschland bremst den Klimaschutz aus"

Dennoch sei das Ergebnis besser, als viele zeitweise befürchtet hätten. "Trotzdem - es ist erst der Anfang. Jetzt muss die Arbeit richtig losgehen." Cancún habe bisher nur den Prozess zur Erarbeitung eines Klimaschutzvertrages gerettet, aber noch nicht das Klima selbst. Deutschland bescheinigte Greenpeace einen "glanzlosen" Auftritt.

"Die Rede von Umweltminister Norbert Röttgen war unengagiert", so Kaiser. Bei EU-Verhandlungen wie z.B. bei der Verkehrs- oder Energiepolitik bremst Deutschland Klimaschutz aus."

Röttgen selbst lobte die Vereinbarungen von Cancún als wichtiges Fundament auf dem Weg zu einem Klimaabkommen. "Cancun hat die Erwartungen erfüllt. Die Staatengemeinschaft hat sich als handlungsfähig erwiesen", erklärte der CDU-Politiker am Samstag. "Ich glaube, dass das ein wirklich großer Erfolg ist", sagte der CDU-Politiker zu SPIEGEL ONLINE. "Es ist ein bedeutender Schritt zur Wiederbelebung des internationalen Klimaprozesses." Die EU solle sich für ihn "weiter verantwortlich fühlen".

Erstmals sei offiziell anerkannt worden, dass die Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen soll. Die beschlossenen Maßnahmen seien aber noch unzureichend.

Röttgen forderte von Europa, die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent zu verringern. Das könne Deutschland allerdings nicht alleine schultern, auch die anderen 26 Staaten müssten ihren Beitrag leisten.

Mitarbeit: Barbara Hans, mit Material von Reuters und dapd

insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
freeagent 11.12.2010
1.
Zitat von sysopIn letzter Minute haben*sich die Delegierten*beim*Klimagipfel*in*Cancún auf einen Kompromiss geeinigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer "historischen Einigung". http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734136,00.html
Ob sich auch die Sonne an diese Wünsche hält?
-Scheherazade- 11.12.2010
2. China?
Zitat von sysopIn letzter Minute haben*sich die Delegierten*beim*Klimagipfel*in*Cancún auf einen Kompromiss geeinigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer "historischen Einigung". http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734136,00.html
Ach wie süss, mir kommen fast die Tränen. Evtl. hab ich es ja überlesen, aber welchen Beitrag leistet China als die wohl wirtschaftsstärkste Nation dieser Erde auf dem Altar der Klimakirche? Oder geht es nur darum die westlichen Nationen weiter auszuplündern? Fragen über Fragen ...
kojak2010 11.12.2010
3. ..
Zitat von sysopIn letzter Minute haben*sich die Delegierten*beim*Klimagipfel*in*Cancún auf einen Kompromiss geeinigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer "historischen Einigung". http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734136,00.html
>>>Unter anderem wurden ein Hilfsfonds für arme Länder und ein besserer Schutz tropischer Wälder beschlossen. Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll wurden vertagt.
weißer_rabe 11.12.2010
4. Abwarten und Tee trinken
Zitat von sysopIn letzter Minute haben*sich die Delegierten*beim*Klimagipfel*in*Cancún auf einen Kompromiss geeinigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer "historischen Einigung". http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734136,00.html
Das Resultat wird bei der Wäsche herauskommen :D
nitram1 11.12.2010
5. Ich habe da etwas für den wirklich interessierten Leser!
http://www.kopp-online.com/hintergruende/enthuellungen/f-william-engdahl/-global-warming-schwindel-vor-dem-aus-.html
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