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08. Dezember 2016, 10:28 Uhr

Artenschutz

Giraffen sind vom Aussterben bedroht

Dramatisches Tiersterben in Afrika: Heute leben 40 Prozent weniger Giraffen als noch vor 30 Jahren. Wissenschaftler warnen vor dem Verschwinden der Tierart.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Giraffe auf die Rote Liste der vom Aussterben gefährdeten Arten gesetzt. Die Population sei in den vergangenen 30 Jahren um 40 Prozent kleiner geworden, teilten die Umweltschützer am Donnerstag mit.

1985 wurden noch rund 163.000 Exemplare gezählt, 2015 waren es nur noch rund 97.000. Der Rückgang liege vor allem daran, dass die Tiere immer weniger Lebensraum hätten und illegal gejagt würden. Giraffen leben vor allem im Süden und Osten Afrikas.

Ihre aktualisierte Rote Liste präsentierte die IUCN auf der Uno-Artenschutzkonferenz im mexikanischen Cancún. "Wir erleben derzeit das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier - und der Mensch ist die Ursache", sagte der Vorstand der Naturschutzorganisation WWF Deutschland, Eberhard Brandes.

Zehntausende bedrohte Arten

85.604 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der aktualisierten Roten Liste der IUCN, 24.307 davon sind demnach vom Aussterben bedroht. Von rund 740 in jüngster Zeit entdeckten Vogelarten könnten demnach elf Prozent von der Erde verschwinden.

Der Giraffe droht das gleiche Schicksal wie Elefanten und Nashörnern: Die Tiere werden massenweise im Namen des Aberglaubens abgeschlachtet. Wunderheiler versprechen, aus dem Knochenmark der Giraffen Aids-Medizin zu brauen. Die Jagd auf die Stoßzähne der Elefanten und das Horn der Nashörner haben beide Arten an den Rand des Aussterbens gebracht.

Auch um die Afrikanischen Elefanten steht es schlechter als gedacht. Beim ersten fast kontinentweiten Zensus der bedrohten Tiere kamen Forscher nur noch auf 352.271 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten. Bisher wurde der Gesamtbestand auf 400.000 bis 630.000 Exemplare geschätzt. Einst lebten 20 Millionen Elefanten in Afrika.

Das Drama der Löwen

Und auch die Zahl der Löwen schwindet - in Westafrika drohen die Tiere auszusterben, in Indien gibt es nur noch Restbestände. Derzeit wird die Zahl der Löwen in freier Wildbahn insgesamt auf noch gut 20.000 geschätzt.

Jedes Jahr wurden in Afrika Tausende Tiere getötet, um Elfenbein und Hörner vor allem nach Asien zu exportieren. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es nur noch 25.000 Nashörner.

Bei den Giraffen verschärft eine kürzlich gemachte Entdeckung die Bedrohungslage: Der Stammbaum der Giraffen muss neu aufgestellt werden. Bisher gingen Wissenschaftler von einer Giraffenart aus. Doch tatsächlich gibt es vier unterschiedliche Giraffenarten, haben Forscher herausgefunden.

Von der Nord-Giraffe gibt es nur noch etwa 4750 Exemplare in freier Wildbahn. Als eigene Spezies gehört sie damit zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren der Welt.

boj/dpa

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