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Gletscherfotos: Hier wird der Klimawandel sichtbar

Gletscher Shepard: Vergleichsfotos von 1913 und 2005 Zur Großansicht
USGS/ W. C. Alden

Gletscher Shepard: Vergleichsfotos von 1913 und 2005

In Paris verhandeln die Staats- und Regierungschefs über die Rettung des Klimas. Wie weit die Erderwärmung bereits vorangeschritten ist, zeigt der Vergleich historischer Gletscherfotos mit aktuellen Aufnahmen.

Die Welt blickt in diesen Tagen nach Paris: Mehr als 130 Staats- und Regierungschefs verhandeln beim Uno-Klimagipfel darüber, wie die Erderwärmung begrenzt werden kann. Es geht um den Ausstoß von CO2, um Richtwerte, Grenzwerte, Absichtserklärungen und bindende Verträge. Für viele klingt das abstrakt, doch die Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar.

Seit Anfang dieses Jahrhunderts schmelzen die Gletscher der Erde mit Rekordgeschwindigkeit. "Die Eisdicke nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert", sagte Michael Zemp vom World Glacier Monitoring Service in Zürich.

Wie stark sich Gletscher in den vergangenen hundert Jahren verändert haben, zeigt der Vergleich aktueller Fotos mit historischen Aufnahmen. Der United States Geological Survey (USGS) hat das Schwinden der Eisriesen in den Rocky Mountains in seinem Projekt "Repeat Photography" dokumentiert. Die Wissenschaftler haben historische Aufnahmen der Gletscher als Vorlage genommen, um heute von möglichst exakt der gleichen Position ein neues Foto zu schießen. Die Aufnahmen stammen aus dem Glacier-Nationalpark nahe der Grenze zu Kanada. "Der Verlust der Gletscher geht weiter", schreiben die Forscher. Bis zum Jahr 2030 könnten die Eismassen komplett verschwunden sein.

Sie können den Slider hin und herschieben, um alte und neue Aufnahmen zu vergleichen.

Shepard 1913 und 2005
Die Schmelze betrifft aber nicht nur ein Dutzend Gletscher in den Rocky Mountains, sondern Tausende weltweit. Inzwischen stehen Forschern Daten von über 2300 Gletschern zur Verfügung.

Himalaya: Im höchsten Gebirge der Welt schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher - noch zumindest. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt Samjwal Bajracharya vom International Center for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Jedes Jahr verliere Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.

Chaney Notch 1911 und 2005
Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. Direkt oder indirekt werde die Gletscherschmelze auch einen Einfluss auf die Stromgewinnung durch Wasserkraft, auf die Bewässerung in der Landwirtschaft und andere wirtschaftliche Faktoren des Landes haben, meint Bajracharya.

Anden: Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in Peru, wo es 2679 Gletscher gibt. Das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den letzten 40 Jahren um 43 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht. Über 50 der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.

Sperry 1930 und 2009
Die 9000 Einwohner von Carhuaz, zum Beispiel, hätten nur eine halbe Stunde Zeit, um die Stadt zu evakuieren, wenn die Lagune 513 am Vulkan Hualcán über die Ufern tritt. An dieser Lagune begann 2011 - nach einer 28 Meter hohen Flutwelle im Vorjahr - der Aufbau eines Frühwarnsystems, das heute auf alle Lagunen ausgeweitet wird.

Blackfoot 1914 und 2009
Alpen: Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist in der Rekordhitze des vergangenen Sommers im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich stärker geschwunden. Doch der Glaziologe Wilfried Hagg von der Ludwig-Maximilians-Universität München will die insgesamt drei Zugspitz-Gletscher noch nicht aufgeben. Bei der aktuellen Schmelzrate werde vermutlich auch noch zur Jahrhundertmitte Gletschereis auf Deutschlands höchstem Berg zu finden sein. Neben drei Zugspitzgletschern gibt es in den deutschen Alpen noch den Watzmanngletscher und den Blaueis. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen.

Auch in Österreich und der Schweiz hat der Sommer 2015 den Gletschern in den Hochalpen stark zugesetzt. Nach zwei relativ kühlen, gletscherfreundlichen Jahren seien die Abschmelzraten in diesem Jahr wieder extrem, sagt Andrea Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. "Der Massenverlust kommt in die Nähe des Rekordjahres 2003." In der Schweiz deutet sich ein ähnlicher Trend an. Andreas Bauder, Glaziologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich sagte, vor allem kleinere Gletscher bis unter 3000 Metern Seehöhe seien "komplett ausgeapert" - sie haben ihre Altschneeschicht verloren und sind der Sonne ungeschützt ausgesetzt.

Afrika: Der Kilimandscharo in Tansania - der höchste Berg Afrikas - wird je nach Expertenangaben in 10 bis 30 Jahren fast komplett eisfrei sein. Im Jahr 1912 habe es noch rund zwölf Quadratkilometer Eis in Gipfelnähe gegeben, aktuell seien nur noch rund 1,5 Quadratkilometer übrig, sagte der Glaziologe Georg Kaser von der Universität Innsbruck. Zum Eisrückgang gibt es verschiedene Meinungen.

Grinnel Terminus 1926 und 2008
Für den US-Gletscherforscher Lonnie Thompson ist eindeutig der Klimawandel dafür verantwortlich. Kaser meint dagegen, das Eis auf dem Kilimandscharo gebe es nur wegen außergewöhnlicher Feuchtphasen, die in der Vergangenheit zum Aufbau der Gletscher geführt hätten. Eigentlich sei das Klima, das in der Region seit rund 10.000 Jahren vorherrsche, bis auf wenige kurze Ausnahmen nicht für Eisbildung geeignet. "Der Kilimandscharo ist einer der wenigen Berge, bei dem dieser Rückgang nichts mit dem Klimawandel zu tun hat", sagte Kaser. Die Gletscher von anderen Bergen in der Region, wie zum Beispiel dem Mount Kenya, würden jedoch stark unter dem Klimawandel leiden.

Boulder Ice Cave 1932 und 1988
Boulder 1932 und 2005

Jackson 1911 und 2009

hda/dpa

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insgesamt 263 Beiträge
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1. Schade, dass es vor 20000 Jahren
lupenreinerdemokrat 30.11.2015
noch keine Fotoapparate gab. Da wären die Vergleichsbilder noch viel viel aufrüttelnder ausgefallen.... ;-)
2. Ein noch besserer
brutus_beefcake 30.11.2015
Beitrag ist der Film "Chasing Ice" von James Balog. Hier kann man im Zeitraffer dem Sterben der Gletsche zuschauen.
3. Beweist gar nix
remoheinrich 30.11.2015
Solche Fotos sind keinerlei Indiz für eine menschengemachte Erderwärmung. Vor 2000 Jahren war der Meeresspiegel wesentlich höher als heute und mit den Gletschern sah es ähnlich aus...
4. Wie hat denn nun der Ötzi auf den Klimawandel reagiert?
NoTarget 30.11.2015
Welche Schlussfolgerungen lassen solche Aufnahmen denn zu? Vor allem dann wenn man die beachtlichen Dimensionen von Baumstämmen betrachtet die aus abschmelzenden Gletschern austreten. So muss es etwa im Bereich der Pasterze in den Hohen Tauern mal erheblich wärmer gewesen sein. - Aktuell wächst in dieser Höhe nämlich gar kein Baum. Ob der Ötzi und seine Nachfahren da wohl vorsätzlich CO2 emittiert haben, um das Gletscherwachstum zu stoppen? http://www.krone.at/Wissen/Pasterze_gibt_eine_6.000_Jahre_alte_Zirbe_frei-8_Meter_langer_Baum-Story-459655
5.
realplayer 30.11.2015
Die eine Aufnahme ist im Winter aufgenommen, die andere im Sommer - ganz einfach.
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Kommentar Uno-Klimakonferenz

Selbstversuch zum CO2-Sparen
Wer will was beim Klimagipfel?
China
Der weltweit größte CO2-Emittent hat seinen Kurs geändert. Auf dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen galt China noch als großer Verweigerer. Nun erwarten Beobachter, dass sich das Land für einen erfolgreichen Klimagipfel einsetzen wird. Staatspräsident Xi Jinping und Frankreichs Präsident François Hollande haben Anfang November zugesagt, sich für regelmäßige Kontrollen der in Paris vereinbarten Ziele starkzumachen. Alle fünf Jahre soll eine komplette Überprüfung der erreichten Fortschritte stattfinden. Peking hatte im Juni angekündigt, seine bisherigen Klimaziele für den Gipfel zu erhöhen. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll demnach möglichst vor 2030 den Höhepunkt im Land erreichen. 20 Prozent des Energiebedarfs sollen bis dahin aus nicht fossilen Quellen gedeckt werden. Zudem sollen die Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden. Durch drastisches Einsparen von Kohle hofft China, auch die Smogprobleme in den Großstädten zu lösen. Das Problem: China stößt in der Realität laut neuen Auswertungen offenbar ein Sechstel mehr Treibhausgase aus als bisher bekannt.
USA
US-Präsident Barack Obama hat sich früh zum Klimagipfel in Paris bekannt und zeigt sich zuversichtlich. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat angekündigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Bis 2025 sollen sie um 26 bis 28 Prozent sinken und bis 2050 um 80 Prozent. Gegen teils erbitterten Widerstand der konservativen Republikaner hat Obama zuletzt Zeichen gesetzt. So verbot er den Weiterbau der umstrittenen Keystone-Pipeline, die Ölsand-Abbaugebiete in Kanada mit dem Golf von Mexiko verbinden sollte. Allerdings hatte Außenminister John Kerry in Europa Verärgerung ausgelöst, als er erklärte, eine Vereinbarung auf dem Klimagipfel werde definitiv nicht den Status eines Vertrages haben. Dies wird in den USA als innenpolitische Taktik gewertet - einen rechtlich verbindlichen Vertrag müsste Obama durch den von den Republikanern dominierten Senat boxen.
Europäische Union
Die EU hat sich im internationalen Vergleich vergleichsweise ehrgeizige Ziele gesetzt. So soll sich etwa der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 vermindern. Zudem macht sich der Staatenverbund dafür stark, dass der CO2-Ausstoß bis zum Ende des Jahrhunderts auf null sinkt. In Paris, so die Forderung, muss ein verbindliches Klimaschutzabkommen vereinbart werden. Zudem soll ein Mechanismus vereinbart werden, bei dem die weltweiten Anstrengungen alle fünf Jahre geprüft und falls nötig nachjustiert werden.
Entwicklungsländer (G77)
Diese heterogene Gruppe reicht von Bangladesch und anderen stark durch den Klimawandel gefährdeten Staaten bis Saudi Arabien. Viele der Länder haben zwar auch nationale Klimaschutzpläne vorgelegt, die Erfüllung der Ziele jedoch oftmals von finanzieller oder technischer Unterstützung durch die Industrienationen abhängig gemacht. Diese hatten unter bestimmten Bedingungen Klimahilfen zugesagt, die bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar erreichen sollen. Nun pochen die Entwicklungsländer auf konkrete Vereinbarungen dazu.
Indien
Das aufstrebende Schwellenland will bis 2030 etwa ein Drittel weniger Treibhausgase im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ausstoßen als 2005. Das soll vor allem durch den massiven Ausbau der Solarenergie sowie weniger Subventionen für fossile Brennstoffe und eine Kohlesteuer gelingen. Indiens Formel lautet: 175 Gigawatt aus erneuerbaren Energien schon bis 2022, das ist viermal so viel wie heute. Doch Neu Delhi macht auch klar: Dafür braucht es richtig viel Geld und Technologietransfer. Weil die Industrieländer historisch gesehen den Klimawandel fast allein verantworten, sollten sie nun auch zahlen.

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