Gletscherschwund: Schnee am Kilimandscharo schmilzt immer schneller

Die Gletscher auf Afrikas höchstem Berg verschwinden noch schneller als befürchtet. Neue Untersuchungen am Kilimandscharo haben ergeben, dass das Wahrzeichen Tansanias schon in zehn Jahren eisfrei sein könnte.

Der "Science"-Artikel im Oktober 2002 hatte die Welt aufgeschreckt: 2015, prophezeite Lonnie Thompson von der Ohio State University, spätestens aber 2020 werde der Kilimandscharo eisfrei sei. Der Geowissenschaftler hatte den Gletschern auf dem höchsten Berg Afrikas sechs Eiskerne entnommen. Die Analyse ergab, dass der Gipfel seit fast 12.000 Jahren mit Eis bedeckt ist, das jedoch zu schmelzen droht.

Doch die Lage am 5892 Meter hohen Wahrzeichen Tansanias ist offenbar viel dramatischer, als sie Thompson vor dreieinhalb Jahren beschrieben hat. Die mächtigen Gletscher könnten schon viel früher verschwinden, erklärte der Forscher nun, nachdem er den Berg erneut untersucht hat.

"Die Veränderungen sind dramatisch", sagte Thompson. Man könne dies vor Ort sehen - aber auch auf Luftaufnahmen. "Der Abbau des Eises könnte sich sogar noch beschleunigt haben."

Das schnelle Verschwinden der Gletscher, das auch in den Alpen und in anderen Hochgebirgen weltweit beobachtet wird, führen die meisten Wissenschaftler auf den Klimawandel zurück. Steigende Temperaturen bringen das Eis zum Schmelzen. Zudem fehlt es an Neuschnee, dessen Weiß die Sonnenstrahlung gut reflektiert und so den Gletscher vor dem Aufwärmen schützt.

Seit 1912, als die Gletscher am Kilimandscharo erstmals vermessen und erfasst wurden, sind 82 Prozent der Eisfelder verschwunden. Zwischen 1962 und 2000 schrumpfte die Gletscherhöhe um 17 Meter - das entspricht rund einem halben Meter pro Jahr.

Neue Messungen von Thompsons Team zeigen, dass das nördliche Eisfeld an drei Stellen am Rand seit 2002 fünf Meter Höhe verloren hat. Der sogenannte Furtwängler-Gletscher droht gespalten zu werden, denn in seiner Mitte hat sich ein riesiges Loch gebildet, das bis auf den felsigen Grund reicht. Bereits in sechs Monaten könne die Teilung vollzogen sein, fürchtet Thompson.

Der Furtwängler-Gletscher hat seit dem Jahr 2000 ein Drittel seiner Dicke eingebüßt - damals war er noch neun Meter hoch. Die südlichen Eisfelder haben sogar vier bis fünf Meter verloren. "Das ist ein enormer Eisverlust", erklärte Thompson. "Es gab keine Bildung von neuem Eis an den Gletschern seit dem Jahr 2000."

Mit Hilfe von Luftaufnahmen will der Geoforscher den Schwund des Eisvolumens genauer berechnen. Er befürchtet dramatische Folgen für die Bewohner der Region. Zum einen ist das Tourismusgeschäft bedroht. Zum anderen könnte auch eine wichtige Wasserquelle versiegen.

Thompson will jetzt mit einer Isotopenanalyse herausfinden, wie hoch der Anteil des Schmelzwassers am gesamten Verbrauch der Menschen in der Nähe des Kilimandscharos ist. Noch will er nicht ausschließen, dass das genutzte Wasser überwiegend aus den Regenwäldern des Berges stammt.

hda

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Kilimandscharo: Das Schrumpfen der Gletscher