Globale Erwärmung Studie entschärft extremste Klimaszenarien

Forscher haben die gängigen Computermodelle zum Klimawandel anhand realer Messdaten überprüft. Das Ergebnis: Die Simulationen, die vor einer potentiell katastrophalen Erwärmung gewarnt haben, sind weitgehend korrekt. Vor allem die extremsten Szenarien gelten jetzt als weniger wahrscheinlich.

Fabrikschornsteine: Modelle zur Klimawirkung von Treibhausgasen weitgehend korrekt
REUTERS

Fabrikschornsteine: Modelle zur Klimawirkung von Treibhausgasen weitgehend korrekt


Der Klimawandel macht seit 15 Jahren Pause - das zumindest scheint die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur zu besagen. Das allerdings bedeute keinesfalls, dass die vom Menschen verursachte Erderwärmung deutlich schwächer ist als bisher vermutet oder gar komplett ausfällt.

Auf diesen Sachverhalt haben bereits diverse Untersuchungen hingewiesen - und eine neue Studie, die jetzt im Fachblatt "Nature Geoscience" erschienen ist, macht da keinen Unterschied. Die Forscher um Alexander Otto von der University of Oxford hatten aktuelle globale Temperaturdaten und Messungen zur Wirkung der Sonnenstrahlung auf die Atmosphäre mit den bisherigen Ergebnissen von Computermodellen abgeglichen.

Bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei auf Basis der Beobachtungen der vergangenen Jahre mit einem Temperaturanstieg von 1,2 bis 3,9 Grad zu rechnen. Bisherige Computersimulationen seien auf 2,2 bis 4,7 Grad gekommen. Da die Wahrscheinlichkeit für einen Wert um die Mitte dieser Spannen am größten ist, sind im Endergebnis vermutlich keine große Änderung zu erwarten. "Die Reaktion des Klimasystems auf steigende Treibhausgas-Konzentrationen stimmen mit den herkömmlichen Schätzungen der langfristigen Klimaempfindlichkeit überein", heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Das gelte ausdrücklich trotz der Erwärmungspause im vergangenen Jahrzehnt. "Angesichts der Unwägbarkeiten im Klima- und Temperatursystem bräuchte man eine viel längere Pause, um den Schluss zu ziehen, dass die globale Erwärmung nicht stattfindet", sagte Otto dem britischen "Guardian".

Potentiell verheerende Folgen des Klimawandels

Diverse Medien, darunter SPIEGEL ONLINE, hatten in ersten Meldungen den Eindruck erweckt, die neue Studie korrigiere die bisherigen Berechnungen zur Erderwärmung generell nach unten. Das ist jedoch nicht der Fall: Otto und seine Kollegen haben lediglich festgestellt, dass die extremsten der bisherigen Temperaturszenarien mit geringerer Wahrscheinlichkeit eintreffen. Die wirklich wichtigen Vorhersagen aber - jene, welche die Temperaturen der kommenden 50 bis 100 Jahre betreffen - "liegen im Bereich der aktuellen Klimamodelle", betonen die Forscher.

Und das bedeutet für weite Teile der Erde nach wie vor potentiell verheerende Folgen des Klimawandels. Selbst wenn die wirklichen Temperaturen am unteren Rand der Schätzungen blieben, sei die Situation weiterhin bedrohlich, sagte Reto Knutti von der ETH Zürich, einer der Autoren der Studie: "Dann bekommen wir immer noch eine Erwärmung von deutlich über zwei Grad, sollten die aktuellen Emissionstrends anhalten."

Eine Erwärmung von zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten ist das erklärte Ziel der Vereinten Nationen. Die Folgen eines solchen Temperaturanstiegs gelten gemeinhin als gerade noch beherrschbar. Manche Experten halten das für übertrieben, andere fordern dagegen gar ein Limit von 1,5 Grad.

Bisher aber deutet nichts darauf hin, dass sich am Treibhausgasausstoß der Menschheit allzu viel ändern wird. Im Gegenteil: Die Emissionen eilen von Rekord zu Rekord und liegen teils deutlich oberhalb dessen, was Wissenschaftler noch vor einigen Jahren erwartet haben. Sollte keine Wende gelingen, könnte die Erwärmung am Ende dieses Jahrhunderts bei bis zu vier Grad liegen. Manche Studien warnten zuletzt sogar vor einer noch stärkeren Erwärmung.

mbe

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