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Globale Erwärmung: Uno-Experten sagen Horror-Klima voraus

Monster-Wirbelstürme, ein dramatischer Anstieg des Meeresspiegels und lange Dürreperioden: Im neuen Uno-Bericht werden die Experten ein Horror-Bild über das zukünftige Klima zeichnen. Deutlich wie nie zuvor geben sie dem Menschen die Verantwortung für die globale Erwärmung.

Paris - Erst am heutigen Vormittag veröffentlicht der Weltklimarat der Vereinten Nationen seinen Bericht zum Stand der Klimaforschung offiziell. Mehrere bekannt gewordene Arbeitsfassungen zeigen aber, wie das Endergebnis ausfallen wird.

Die beobachteten Veränderungen in der Atmosphäre und den Weltmeeren sowie der Verlust von Packeis seien ohne äußere Einwirkung nicht zu erklären, wird das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) heute in Paris erklären. Diese Entwicklung sei nicht allein auf natürliche Ursachen zurückzuführen, sondern durch den Menschen verursacht worden - hauptsächlich durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl. Das gehe aus einer Vorab-Fassung hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

Die mehr als 500 Autoren der Studie äußerten sich damit schärfer als noch 2001. Damals erklärten sie lediglich, es sei wahrscheinlich, dass der Mensch die Verantwortung für die Erderwärmung trage. Weiter hieß es in dem 20-seitigen Bericht, die Erderwärmung werde noch Hunderte Jahre weitergehen, selbst wenn die Konzentration der Treibhausgase stabilisiert werden könnte.

IPCC - der Klimarat der Vereinten Nationen
Ziele
ESA 2004
Der Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der World Meteorological Organization (WMO) gegründet, die ebenfalls zur Uno gehört. Der Inder Rajendra Kumar Pachauri ist seit Mai 2002 Vorsitzender des IPCC.

Der auch als Weltklimarat bezeichnete IPCC soll umfassend, objektiv und ergebnisoffen die wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen über den von Menschen verursachten Klimawandel bewerten. Das Gremium, dem Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt zuarbeiten, soll die Folgen und Risiken der Klimaveränderung abschätzen und ausloten, wie man sie abschwächen oder sich an sie anpassen kann.

Der IPCC führt keine eigenen Forschungsprojekte durch, sondern analysiert die Ergebnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die dem Peer-Review-Verfahren - der Prüfung von Fachartikeln durch unabhängige Gutachter - gefolgt sind. Mehr auf der Themenseite...
Arbeitsgruppen
Der IPCC hat bisher 1990, 1995, 2001 und 2007 Berichte über den Stand der Klimaforschung abgegeben. An dem Bericht sind drei Arbeitsgruppen beteiligt: Arbeitsgruppe I stellt den Stand der Klimaforschung dar, fasst Daten und Computersimulationen zusammen und trifft Aussagen über die künftige Entwicklung. Arbeitsgruppe II berichtet über die möglichen Folgen der Erwärmung für Mensch und Umwelt, Arbeitsgruppe III über mögliche Gegenmaßnahmen.
Ergebnisse bisher
Im ersten Klimareport des IPCC von 1990 war noch von einem natürlichen Treibhauseffekt die Rede, der von Emissionen des Menschen verstärkt werde. Der Bericht von 2007 aber gab die Verantwortung eindeutig dem Menschen - und sorgte so weltweit für Schlagzeilen.

Der Report basiert auf Hunderten Modellrechnungen, ausgefeilten Computermodellen, zahllosen Studien und Messreihen. 450 Hauptautoren liefern die bisher genaueste Beschreibung dessen, was die Temperatur der Atmosphäre etwa seit dem Jahr 1800 in die Höhe treibt. Am letzten Bericht des IPCC haben 2500 Experten sechs Jahre lang gearbeitet.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass in der Abschlussfassung der Zusammenfassung des viele Hundert Seiten dicken Berichts das kleine Wörtchen "very" vorkommen wird, "sehr". Forscher und Klimadiplomaten haben lange um die Formulierung gerungen, nach der menschliche Aktivitäten "sehr wahrscheinlich" für den Großteil der in den letzten 50 Jahren beobachteten Erwärmung verantwortlich sind.

Die Wissenschaftler gingen nach AP-Angaben von einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur zwischen 1,1 und 6,4 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 aus. Das wäre eine größere Spanne als im letzten Bericht. Die Meeresspiegel könnten bis zum Ende des Jahrhunderts nach Einschätzung der Experten um 18 bis 59 Zentimeter ansteigen. Weitere zehn bis 20 Zentimeter seien möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreite. Die Folge der Erwärmung seien auch zunehmende Dürreperioden sowie Wirbelstürme bisher unbekannten Ausmaßes. Bereits seit Mai vergangenen Jahres kursieren einzelne Ergebnisse aus dem IPCC-Bericht.

Bei der Konferenz, die seit Montag in Paris stattfindet, haben Forscher und Klimadiplomaten um jede Formulierung des politisch wichtigen Dokuments gerungen. Viele Details waren hart umkämpft, weil sie große Bedeutung für künftige internationale Klimaschutzabkommen haben.

Die Autoren der Studie setzen darauf, dass ihr Weckruf den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft, aber auch den Verbrauchern einen heilsamen Schock versetzen wird. Gestern Abend machten Umweltaktivisten in Frankreich mit einem spektakulären fünfminütigen Stromboykott auf die Energieverschwendung und den Klimawandel aufmerksam. Auch die 20.000 Lichter des Eiffelturms erloschen zwischen 19.55 und 20 Uhr.

als/stx/AP/rtr

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