Globale Statistik Anstieg der CO2-Emissionen leicht gebremst

Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, sollte die Menschheit eigentlich weniger CO2 ausstoßen - das klappt allerdings nach wie vor nicht. Ein neuer Bericht belegt aber, dass zumindest der Anstieg bei den Emissionen zuletzt geringer ausgefallen ist.

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Stahlwerk im chinesischen Dalian (im Juli 2012): CO2-Emissionen steigen langsamer
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Stahlwerk im chinesischen Dalian (im Juli 2012): CO2-Emissionen steigen langsamer


Einmal im Jahr wird zusammengezählt. Dann legen die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission und die niederländische Umweltbehörde PBL ihre aktuellen CO2-Statistiken vor. Und beinahe jedes Mal muss man sich vorher die Frage stellen, wie stark der Ausstoß an Treibhausgasen nun wieder gestiegen ist. Denn bis auf eine kurze Verschnaufpause wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise kennen die Werte nur eine Richtung: Sie streben aufwärts.

Die aktuelle Ausgabe des Berichts bestätigt diese Tendenz: Die CO2-Emissionen der Menschheit sind auch 2012 merklich gestiegen. Die Frage ist, ob man berücksichtigt, dass 2012 als Schaltjahr einen Tag mehr hatte oder nicht. Absolut lag das Emissionsplus bei 1,4 Prozent, zieht man den Extra-Tag ab, bleiben noch 1,1 übrig. Und im Vergleich mit dem Durchschnitt der Vorjahre ist das durchaus bemerkenswert, lag der Wert doch im vergangenen Jahrzehnt im Schnitt bei 2,9 Prozent.

Verantwortlich sind laut einer PBL-Pressemitteilung mehrere Faktoren:

  • In den USA wird klimaschädliche Stromerzeugung aus Kohle immer stärker ersetzt durch die Nutzung von Erdgas und -öl aus unkonventionellen Quellen. Die Gewinnung der Rohstoffe durch das sogenannte Fracking ist nicht ohne Probleme - doch die Klimabilanz sieht auf den ersten Blick besser aus. Für die USA steht ein Minus von vier Prozent bei den CO2-Emissionen in den Statistiken. Das dürfte das Land bei der nächsten Klimakonferenz im November in Warschau einigermaßen selbstsicher auftreten lassen.

  • China nutzt verstärkt Wasserkraft. Der Report berichtet von einem Anstieg der nutzbaren Leistung in diesem Bereich um beeindruckende 23 Prozent. Das Land bleibt absolut gesehen trotzdem weltgrößter CO2-Produzent vor den USA. Im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts stiegen die Emissionen jedes Jahr um rund zehn Prozent; 2012 dagegen lediglich um drei Prozent. Das liegt nach Ansicht der Studienautoren auch am Auslaufen eines staatlichen Wachstumspakets für die chinesische Wirtschaft. China will sich in den internationalen Klimaverhandlungen bisher nicht auf Emissionsminderungsziele verpflichten lassen - hat aber versprochen, dass der CO2-Ausstoß nicht so schnell wächst wie die Wirtschaft.

  • Insgesamt haben sich CO2-Emissionen und das Wirtschaftswachstum offenbar ein Stück weit entkoppelt. Einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent stand ein weit geringeres Plus beim Treibhausgasausstoß gegenüber. Laut Bericht beruht das auf einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien, der Einsparung von fossilen Rohstoffen sowie verbesserter Energieeffizienz.

Die USA, China und die Europäische Union stoßen zusammengerechnet etwa 55 Prozent des weltweit produzierten Kohlendioxids aus. Und in Deutschland steigen die Emissionen aktuell sogar wieder - weil alte und umweltschädliche Kohlekraftwerke aktuell zu niedrigen Preisen produzieren können. Schuld daran ist vor allem der EU-Emissionshandel, bei dem die CO2-Preise weiterhin extrem niedrig liegen, weil viele Gratiszertifikate im Markt sind. Bei den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD sieht es nicht danach aus, als würde sich die neue deutsche Regierung übermäßig für den Klimaschutz engagieren.

Die Forscher sehen in dem aktuellen CO2-Bericht dennoch durchaus Positives. Weltweit gesehen könnte es sich, so erklären sie, um ein erstes Anzeichen für ein dauerhafteres Sinken des CO2-Wachstums handeln. Doch gibt es diesen beginnenden Trend tatsächlich? "Das ist schwierig zu sagen", erklärt Co-Autorin Greet Maenhout im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Aber um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, reicht, was wir sehen, noch nicht aus. Wir könnten noch viel mehr tun."

Im Klartext: Um die Erderwärmung zu begrenzen, muss die Menschheit nicht nur etwas weniger schnell weiteres CO2 ausstoßen. Vielmehr müssten die Emissionen in den kommenden Jahrzehnten sinken. Und zwar massiv. Davon sind wir noch immer weit entfernt - zumal einmal ausgestoßenes CO2 um die hundert Jahre in der Atmosphäre bleibt.

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