Globale Statistik Reiche Staaten schieben CO2-Ausstoß ab

Wer in Deutschland Kleidung made in China kauft, sorgt dafür, dass dort die CO2-Emissionen steigen. Internationale Auflagen zum Treibhausgasausstoß gibt es für Schwellenländer aber nicht. Eine neue Statistik zeigt, warum das problematisch ist.

Kraftwerk in Peking (2007): "Die Fertigung verbraucht nun einmal Energie."
AFP

Kraftwerk in Peking (2007): "Die Fertigung verbraucht nun einmal Energie."


Berlin - Welchen Beitrag sollen die Entwicklungs- und Schwellenländer für den Klimaschutz leisten? Um diese Frage wird bei den internationalen Klimagesprächen seit Jahren gerungen. Die reichen Staaten fordern konkrete Klimaziele zumindest von aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien, Indien oder China. Diese Länder verweisen dagegen auf eine Art historische CO2-Schuld der Industriestaaten - und darauf, dass die reichen Länder des Nordens ihre Klimabilanzen auf Kosten der ärmeren Staaten schönen.

Eine neue Studie, veröffentlicht im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", belegt nun eindrücklich, wie sehr die Industrieländer tatsächlich ihren CO2-Ausstoß an Entwicklungsländer ausgelagert haben. Laut der Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams, zu dem auch Forscher der Technischen Universität Berlin und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung gehörten, ließ die wachsende Nachfrage der Industriestaaten nach Waren aus ärmeren Ländern deren CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2008 massiv steigen.

Zeitgleiche CO2-Einsparungen etwa in Europa seien dadurch insgesamt wieder zunichte gemacht worden. Und nicht nur das: Nach den Berechnungen entstand durch die Produktion von Konsumgütern in Entwicklungsländern bis 2008 fünfmal mehr CO2, als in den Industrieländern durch Klimaschutzprogramme bis dahin eingespart wurde. "Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht", so Mitautor Jan Christoph Minx von der Technischen Universität Berlin

Kritik an Konstruktionsschwächen im Kyoto-Protokoll

Wenn Industrieländer ihren Konsum von Gütern etwa aus China oder Bangladesch steigerten, erhöhten sie ihren CO2-Ausstoß - auch wenn dieser dabei nicht im eigenen Land anfalle. "Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele", erläuterte Minx.

Das Kyoto-Protokoll zur Begrenzung des Temperaturanstiegs in der Atmosphäre sieht keine Vorgaben für ärmere Länder vor, um deren Entwicklungsmöglichkeiten nicht einzuschränken. Unabhängig davon aber hat die Globalisierung in den vergangenen Jahren zur Produktionsverlagerung in die Entwicklungsländer geführt, von wo die Waren anschließend in die Industriestaaten exportiert werden. Als Folge wanderten CO2-Emissionen, die eigentlich den Bewohnern reicher Länder zuzuordnen sind, hinterher.

Die deutschen Forscher und ihre internationalen Kollegen haben diesen Trend nach eigenen Angaben nun erstmals umfassend dargestellt, indem sie für ihre Studie die Emissionsverlagerung in 95 Staaten und 57 Wirtschaftsbranchen für 19 Jahre nachzeichneten. Bislang habe es derartige Untersuchungen nur für einzelne Jahre gegeben, erklärten die Wissenschaftler.

Ziel der Experten ist nach eigenen Angaben, auf Konstruktionsschwächen im globalen Vertragswerk zur CO2-Reduktion hinzuweisen. Die im Kyoto-Protokoll festgelegte Regel, wonach Emissionen dem Land zugeordnet werden, in dem sie entstehen, müsse angesichts des globalisierten Handels- und Wirtschaftssystems ergänzt werden. Die Industrieländer müssten auch den CO2-Ausstoß erwähnen, der durch ihre Importe aus anderen Ländern entstehe, empfehlen die Klimaforscher. Nationale oder regionale Klimaschutzziele, etwa in der EU, ergeben sonst keinen Sinn.

chs/AFP

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Prekarianer 27.04.2011
1. re
Zitat von sysopWer in Deutschland Kleidung*made in China kauft, sorgt dafür, dass dort die CO2-Emissionen steigen. Internationale Auflagen zum Treibhausgasausstoß gibt es für Schwellenländer aber nicht. Eine neue Statistik zeigt, warum das problematisch ist. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,759196,00.html
da haben wir wieder die neuseeländischen äpfel die der bürger eingefordert hat und nicht der handel
founder 27.04.2011
2. Ein recht drastischer Vergleich
Ein US Bürger kauft 2002 ein US Auto und fährt damit 10 Jahre lang. Macht 68 Tonnen auf der US CO2 Statistik 2012 kauft dieser US Bürger ein Elektroauto BYD e6 und 3 kW Photovoltaik aus China. Genug PV um in der südlichen USA das Auto mit Solarstrom voll zu bekommen (http://politik.pege.org/2010-cancun/). Macht 0 Tonnen auf der US CO2 Statistik Die US CO2 Statistik wird dadurch um 68 Tonnen geringer Macht 17 Tonnen auf der chinesischen CO2 Statistik Die Chinesische CO2 Statistik wird dadurch 17 Tonnen höher
fritz_64 27.04.2011
3. das sind halt..
die folgen der globalisierung wenn ich mich nicht täusche..wäre für die umwelt sicher besser gewesen wenn das produzierende gewerbe in deutschland geblieben wäre (höhere umweltstandards), aber eben nicht für den geldbeutel der bürger...hmm...aber wenn ich es genau bedenke...so ein anzug von z.b. .oss, der kostet in deutschland so irgendwo zwischen 700 und 1000 euro, genäht und produziert wird er aber in vietnam (sicher austauschbar), warum also so teuer? tja, wem nutzt hier die globalisierung?
nemaxmutant 27.04.2011
4. Hier muss man aber auch noch gegenrechnen
Zitat von founderEin US Bürger kauft 2002 ein US Auto und fährt damit 10 Jahre lang. Macht 68 Tonnen auf der US CO2 Statistik 2012 kauft dieser US Bürger ein Elektroauto BYD e6 und 3 kW Photovoltaik aus China. Genug PV um in der südlichen USA das Auto mit Solarstrom voll zu bekommen (http://politik.pege.org/2010-cancun/). Macht 0 Tonnen auf der US CO2 Statistik Die US CO2 Statistik wird dadurch um 68 Tonnen geringer Macht 17 Tonnen auf der chinesischen CO2 Statistik Die Chinesische CO2 Statistik wird dadurch 17 Tonnen höher
ja und? Die Chinesen kaufen doch auch irgendwo ein. Der Chinese sitzt wahrscheinlich abends an einem Rechner auf dem Windows läuft. Den Strom den die Entwickler verbraucht haben, soll dann aber bitteschön auch in der CO2-Bilanz von China erscheinen und nicht in den USA. Kann doch nicht sein, dass die Importe drauf gerechnet werden und die Exporte nicht abgezogen werden.
Quagmyre 27.04.2011
5. Klima
Zitat von sysopWer in Deutschland Kleidung*made in China kauft, sorgt dafür, dass dort die CO2-Emissionen steigen. Internationale Auflagen zum Treibhausgasausstoß gibt es für Schwellenländer aber nicht. Eine neue Statistik zeigt, warum das problematisch ist. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,759196,00.html
Die "menschgemachte Klimaerwärmung durch CO2" ist ein ideologisch und politisch motiviertes Dogma, und mir graust es zu sehen, wie sehr dieser Unfug ernst genommen wird. Jetzt führt es dazu, dass billig in Ländern wie China und Vietnam produziert wird, was dann unter Verwendung wirklich umweltschädigender Methoden und menschenverachtenden Bedingungen geschieht.
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