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Großes Dino-Sterben: Asteroiden-Einschlag kühlte Meere um sieben Grad

Einschlag des Asteroiden (Illustration): Der Steinbrocken verursachte einen globalen Winter, zeigen Geoforscher an Überresten von Kleinlebewesen Zur Großansicht
DPA/ Don Davis

Einschlag des Asteroiden (Illustration): Der Steinbrocken verursachte einen globalen Winter, zeigen Geoforscher an Überresten von Kleinlebewesen

Ein gigantischer Feuerball, Brände, dann eisige Kälte - vor etwa 60 Millionen Jahren löschte ein Asteroid die Hälfte aller Dinosauriergattungen aus. Den globalen Wintereinbruch im Anschluss an den Einschlag haben Forscher nun erstmals direkt nachgewiesen.

Vermutlich löste der Asteroid vor etwa 66 Millionen Jahren ein Massensterben unter den Dinosauriern aus, bei dem etwa die Hälfte der Gattungen verschwand. Der glühende Himmelskörper traf mit einer gewaltigen Energie auf unseren Planeten und jagte eine Feuerwand über die Erde. Doch der Effekt des heißen Gesteinbrockens verkehrte sich schnell ins Gegenteil, berichten niederländische Geoforscher. Der Asteroideneinschlag auf dem Gebiet des heutigen Mexiko habe die Meerestemperatur um bis zu sieben Grad gesenkt. Ihre Ergebnisse seien der erste direkte Beleg für einen globalen Winter nach der Katastrophe, so die Forscher.

Um die Meerestemperatur nach der Katastrophe zu ermitteln, untersuchten Johan Vellekoop von der Universität Utrecht und Kollegen Sedimente am Brazos River in Texas nahe der Stadt Waco. In dem Gebiet, das damals im Meer lag, blieben Ablagerungen ungestört erhalten. Die Wissenschaftler leiteten die Temperaturen mit dem sogenannten TEX86-Paläothermometer ab. Diese Methode stützt sich auf meeresbewohnende Kleinlebewesen, sogenannte Thaumarchaeota. Sie bilden bestimmte Moleküle abhängig von der vorherrschenden Wassertemperatur.

Die Analysen zeigten, dass die Temperatur in der Region an der Meeresoberfläche gegen Ende der Kreidezeit stabil bei gut 30 Grad Celsius lag. Nach der Katastrophe sank sie im Mittel um zwei Grad, zeitweilig sogar um bis zu sieben Grad, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Die Abkühlung soll einige Monate bis Jahrzehnte gedauert haben. Danach stiegen die Temperaturen auf ein bis zwei Grad über den Ausgangswert - vermutlich als Folge vieler Treibhausgase in der Atmosphäre.

Erster direkter Nachweis für globalen Winter

Der Himmelskörper, der am Übergang von Kreidezeit zum Paläogen, die Halbinsel Yucatán traf, hatte einen Durchmesser von schätzungsweise zehn Kilometern. Modellen zufolge löste der Einschlag eine Kette von Katastrophen aus, die auch den Temperaturabfall erklären können.

Während der ersten auch "Feuerball" genannten Phase suchten Erdbeben, Tsunamis und große Brände die Erde heim. Anschließend verminderten aufgewirbelte Partikel und Rußteilchen die Sonneneinstrahlung um bis zu 80 Prozent. Das löste den globalen Winter aus, der die Pflanzenwelt stark beeinträchtigte. Später entfachten Temperaturunterschiede zwischen den warmen Ozeanen und den deutlich kühleren Landmassen Stürme. Die hielten die Partikel - darunter das vom Asteroiden stammende Metall Iridium - in der Atmosphäre und verzögerten ihre Ablagerung.

Die Ergebnisse der Forscher seien der erste direkte Nachweis für einen globalen Winter nach dem Einschlag, betonen die Wissenschaftler in ihrer Arbeit. "Der globale Impaktwinter, gekennzeichnet durch Dunkelheit und eine dramatische Abkühlung des Meeresoberflächenwassers, störte ein relativ stabiles, warmes Klima in der späten Kreidezeit und bildete wahrscheinlich eine große Belastung für das Leben auf der Erde", heißt es weiter. Damit habe er wohl als Schlüsselfaktor zu dem Artensterben beigetragen.

kpg/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Schöne Theorie
darthmax 13.05.2014
Warum aber ausgerechnet Vögel-Saurier, Krokodile und Haie nebst anderen Carnivoren überlebt haben, diese Frage wird nie beantwortet. Waren ausgerechnet Kaltblütler imun gegen die Eiseskälte, waren Vögel dem Feuertot nicht am nächsten ? Die Abkühlung hat einige Monate bis Jahrzehnte gedauert, na ja, warum nicht noch ungenauer denn das eine Abkühlung stattfand ist gewiss, führte sie aber zum Artensterben ?
2. Naja
Layer_8 13.05.2014
Zitat von darthmaxWarum aber ausgerechnet Vögel-Saurier, Krokodile und Haie nebst anderen Carnivoren überlebt haben, diese Frage wird nie beantwortet. Waren ausgerechnet Kaltblütler imun gegen die Eiseskälte, waren Vögel dem Feuertot nicht am nächsten ? Die Abkühlung hat einige Monate bis Jahrzehnte gedauert, na ja, warum nicht noch ungenauer denn das eine Abkühlung stattfand ist gewiss, führte sie aber zum Artensterben ?
Von allen Arten werden jeweils schon ein paar Exemplare überlebt haben. Die einen konnten sich allerdings an die neue Situation anpassen und sich wieder erholen und die anderen konnten das nicht mehr und starben endgültig aus.
3. reaktionskette
starbugs 13.05.2014
Nach so einem Mega-Einschlag gibts eine ganze Kette an lebenserschwerenden Reaktionen in der Natur. Die Temperatur gehört da sicher dazu - wie man liest, hat das aber ne Weile gedauert. Vorher schon wird aber die Atemluft weniger genießbar und es wird dunkler. Dem sind alle Lebensformen ausgesetzt, also auch Pflanzen. Je nachdem, wie anpassbar (Stoffwechsel) und beweglich sie sind, konnten Arten mit der Veränderung Schritt halten oder gingen ein, wobei sie Nachfolger in der Nahrungskette damit beeinflussten. Die Dinos waren entweder zu groß oder zu sensibel, vielleicht zu sehr gewöhnt ans tropische Paradies. @darthmax: Vögel und Fische konnten sich wahrscheinlich schneller und ungehinderter bewegen als Landtiere u Krokodile sind hart im Nehmen.
4.
Hermes75 13.05.2014
Zitat von darthmaxWarum aber ausgerechnet Vögel-Saurier, Krokodile und Haie nebst anderen Carnivoren überlebt haben, diese Frage wird nie beantwortet. Waren ausgerechnet Kaltblütler imun gegen die Eiseskälte, waren Vögel dem Feuertot nicht am nächsten ? Die Abkühlung hat einige Monate bis Jahrzehnte gedauert, na ja, warum nicht noch ungenauer denn das eine Abkühlung stattfand ist gewiss, führte sie aber zum Artensterben ?
Abkühlung bedeutet ja nicht gleich Eiseskälte. Der Bericht beschreibt doch, dass an der untersuchten Stelle die Meerestemperatur vor dem Einschlag bei 30°C lag und danach um maximal 7° sank. Auch bei 23°C können Kaltblüter sicher noch gut zurecht kommen. Das Hauptproblem dürfte wohl eher der Nahrungsmangel gewesen sein. Durch die Dunkelheit war die Nahrungskette für längere Zeit unterbrochen. In so einer Situation sind solche Lebewesen im Vorteil die mit wenig Energie auskommen oder sich schnell anpassen können. Große Wesen mit hohem Energieverbrauch raft es zuerst hin. Krokodile und Schlangen sind z.B. bekannt dafür, dass sie sehr energiesparend leben und über Monate ohne Nahrung auskommen können. Haie leben im Meer als Räuber und sind damit zuletzt von den Auswirkungen eines solchen Ereignisses betroffen. Vögel sind verhältnismäßig klein und mobil und können Lebensräume erreichen die für bodenlebende Wesen nicht erreichbar sind. Die Effekte werden sicher auch nicht weltweit gleich gewesen sein. So dürfte das Gebiet in der Nähe der Einschlagsstelle stärker betroffen gewesen sein, als auf der Gegenseite. Die Nordhalbkugel stärker als die Südhalbkugel, weil Luftmassen z.B. nicht so einfach den Äquator überschreiten. Die Tropen trennen in gewisser Weise die nördlichen und die südlichen Windsysteme.
5. Art Mensch
lalito 13.05.2014
Art und Aussterben ist ein alternativloser Zusammenhang . . . Unter gewissen Gesichtspunkten ein beruhigender Aspekt.
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