Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Golf von Mexiko: BP-Desaster wird zur bisher größten Ölpest

780 Millionen Liter Rohöl sind nach Angaben des US-Krisenstabs aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko geströmt - es wäre damit die schlimmste Ölpest im Ozean der Geschichte. Bei der Abdichtung gibt es jetzt neue Probleme.

New Orleans/Washington - Die Menge ist kaum vorstellbar: Rund 780 Millionen Liter Rohöl sind bei der Ölpest im Golf von Mexiko innerhalb von drei Monaten ins Meer geströmt. Das entspricht 4,9 Millionen Barrel bzw. 670.000 Tonnen. Davon seien 127 Millionen Liter (800.000 Barrel oder 110.000 Tonnen) abgefangen worden, teilte der Krisenstab aus Vertretern der US-Regierung und des Erdölkonzerns BP am Montag unter Berufung auf Wissenschaftler mit.

Es handele sich um die bisher genauesten Schätzungen mit einer möglichen Abweichung von plus-minus zehn Prozent, teilte die Regierung mit. Bisherige Prognosen waren von drei bis 5,3 Millionen Barrel ausgegangen. Der ausgetretenen Ölmenge kommt große Bedeutung zu, weil davon die endgültigen Kosten für den Konzern abhängen könnten.

Die Explosion der BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April hatte die Katastrophe ausgelöst. Sollten die aktuellen Schätzungen stimmen, wäre der Untergang die schlimmste Ölpest der Geschichte. Zuvor galt der Bohrinsel-Unfall der "Ixtoc" 1979 als die schwerste Ölpest zur See. Damals flossen geschätzte 525 Millionen Liter Öl (3,3 Millionen Barrel oder 452.000 Tonnen) ebenfalls in den Golf von Mexiko. Bei der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor der Küste Alaskas sollen es knapp 41 Millionen Liter (260.000 Barrel oder 36.000 Tonnen) gewesen sein. "Einen derartigen Ölausfluss in den Ozean hat es zuvor nie gegeben", sagte der Meeresforscher Ian MacDonald" der "New York Times" mit Blick auf das "Deepwater"-Desaster.

Allein ein Unglück, das sich am 14. März 1910 an Land ereignete, übersteigt die Ölmengen am Golf von Mexiko: Bei den Ölfeldern am Lakeview Gusher im US-Staat Kalifornien traten bei einem Blowout etwa 1,4 Milliarden Liter (9 Millionen Barrel oder 1,2 Millionen Tonnen) Öl aus.

Verzögerungen beim Ölstopp

Die für Montag geplanten letzten Tests vor der endgültigen Versiegelung des Bohrlochs im Golf von Mexiko haben sich gleichzeitig verzögert. Bei den Vorbereitungen für den Einspritztest sei ein kleines hydraulisches Leck am Kontrollsystem der Verschlusskappe entdeckt worden, teilte BP mit.

Fotostrecke

15  Bilder
Ölpest: Geschundener Golf
Der für Dienstag geplante Beginn der Versiegelung werde sich dadurch vermutlich kaum verzögern, der Einspritztest könne aber erst vorgenommen werden, wenn die undichte Stelle repariert sei. "Es ist vorgesehen, dass der Einspritztest und möglicherweise auch der 'Static Kill' am Dienstag stattfinden", erklärte BP.

Bei der "Static Kill" genannten Methode werden schwerer Bohrschlamm und Zement durch die Mitte Juli aufgesetzte Verschlusskappe in das Bohrloch eingefüllt, um dieses endgültig zu verschließen. Bei der Operation könnten zeitweise geringe Mengen Öl ins Meer fließen, warnte Einsatzleiter Thad Allen.

Der finale Akt zur Versiegelung steht etwa eine Woche später an. Dann wollen die Ingenieure auch das Öl-Reservoir in der Tiefe versiegeln. Bei dieser Operation "Bottom Kill" sollen in 5,4 Kilometer unter dem Meeresboden ebenfalls Schlamm und Zement in die Steigleitung gepumpt werden.

Sollte das Verfahren gelingen kann das defekte Bohrloch möglicherweise auch ohne die beiden Entlastungsbohrungen verschlossen werden, die der Ölkonzern BP zurzeit vorantreibt. Das Unternehmen gab am Montag bekannt, dass es schon ausreichen könnte, das Loch von oben zu verschließen. Beide Bohrungen, die bis zu 100 Millionen Dollar pro Stück kosten, würden aber fortgesetzt. Sie könnten dazu benutzt werden zu überprüfen, ob das Bohrloch tatsächlich abgedichtet worden sei, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells.

Die zehn größten Öl-Unfälle auf dem Meer
Datum Bezeichnung Eigner Unglücksort Freigesetzte Ölmenge (Tonnen) Ursache
April 2010 Deepwater Horizon BP Golf von Mexiko 670.000 (Stand 2. August 2010) Unglück auf Bohrinsel Deepwater Horizon. Blowout.
Juni 1979 Ixtoc I Pemex Golf von Mexiko 450.000 bis 480.000 Unglück auf einer Ölplattform. Blow-out.
Juli 1979 Atlantic Empress griechisches Schiff, in Liberia registriert vor Tobago, Karibische Inseln 287.000 Tankerunglück. Kollision mit dem Tanker "Aegean Captain".
Februar 1983 Nowruz-Ölfeld ? Persischer Golf 260.000 Kollision Tanker mit Bohrinsel, Kriegsfolgen des ersten Golfkriegs.
August 1983 Castillo De Bellver ? Saldanha Bay, Südafrika 252.000 Tankerunglück. Brand.
März 1978 Amoco Cadiz BP (GB) / Amoco (USA) vor der bretonischen Küste 223.000 Tankerunglück. Ruderausfall mit anschließendem Felsenauflauf.
Mai 1991 ABT Summer ? 1000 km vor Angola 49.000 bis 255.000 Tankerunglück.
April 1991 Haven Amoco (USA) Golf von Genua, Italien 144.000 Tankerunglück. Brand.
November 1988 Odyssey ? Kanada 132.000 Tankerunglück. Brand.
März 1967 Torrey Canyon Unocal (USA), gechartert von BP (GB) vor der Küste Südenglands 119.000 Tankerunglück. Kollision mit Riff.
Quelle: Wikipedia

hen/dpa/Reuters/AFP/apn

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. zwei Bohrlöcher?
arkor 03.08.2010
Zitat von sysop780 Millionen Liter Rohöl sind nach Angaben des US-Krisenstabes aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko geströmt - es wäre damit die wohl schlimmste Ölpest der Geschichte. Bei der Abdichtung gibt es jetzt neue Probleme. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,709817,00.html
Das sollte man sich anschauen. Möglicherweise handelt es sich hier um zwei Löcher und die Öffentlichkeit wurde wiedermal in einem unfassbaren Ausmaß belogen. Im übrgigen tritt nur ein kleiner Teil des Erdöls an die Oberfläche und der weitaus größte Teil bildet einen unterirdischen Strom.. Auf der folgenden Seite sind Dokumente über die Koordinaten der Bohrlöcher, sowie die passenden Aussagen der Bohrinsel der DeepWater zu finden.. http://www.infokriegernews.de/wordpress/2010/08/02/bp-es-sind-zwei-bohrloecher-wir-werden-belogen/#more-5972 Hierzu noch Erläuterungen in Deutsch http://www.youtube.com/watch?v=OrD1sT_U4HA&feature=player_embedded#!
2. Diese Nachricht ist nicht neu, es interessieren...
Sapientia 03.08.2010
Zitat von sysop780 Millionen Liter Rohöl sind nach Angaben des US-Krisenstabes aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko geströmt - es wäre damit die wohl schlimmste Ölpest der Geschichte. Bei der Abdichtung gibt es jetzt neue Probleme. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,709817,00.html
letztlich nur Tote, nicht einmal die Anzahl von Pakistan ist mehr ausreichend. Die ausgetretene Menge entspricht in etwa der vollen Kapazität von 3 Supertankern (VLCC); inmteressant ist, was für ein öffentlicher Aufriss entstnanden wäre, wären 3 Supertanker dort gleichzeitig auseinander gebrochen - aus welchen Gründen, sei hier mal nebensächlich - wie nämlich dann nach Doppelhülle und Schiffssicherheit und Kontrolle und Qualifikation von Besatzungen geschrien würde - ein purer Entsetzen. Hier hingegen - hervorgerufen durch einen offenbar fahrlässig handelnden Ölmulti - sickert die öffentliche Wahrnehmung ein, die eigentliche Nachricht ist zu alt, BP versucht das Problem zu personifizieren durch Austausch des chairman - und der Oil-Spill läuft und läuft und läuft. Ziemlich erstaunlich, wenn man sich vor Augen führt, welchen Aufriss ein Staat abgabebewährt gegenüber dem Steuerbürger veranstaltet mit dem hohen Gut Umwelt. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, daß die die Erde immer wieder anbohrende Ölindustrie keinerlei wirksames technisches equipment zu Verfügung hat oder aber nutzt, um die Gefahr eines worst case frühzeitig zu erkennen oder aber zu bekämpfen - und das steht nicht im gesunden Einklang mit der staatlichen Erziehung des zahlenden Bürgers.
3. Katastrophenhandhabung
prophet46 03.08.2010
Zitat von sysop780 Millionen Liter Rohöl sind nach Angaben des US-Krisenstabes aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko geströmt - es wäre damit die wohl schlimmste Ölpest der Geschichte. Bei der Abdichtung gibt es jetzt neue Probleme. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,709817,00.html
Wieder einmal unnötigerweise die typische Sensationsaufmache von Spon. Wieviel Öl letztlich ins Meer floss, weiß kein Mensch genau. Die Aufräumarbeiten gehen jedenfalls so gut voran, dass die zu Hunderten auslaufenden Boote kaum noch Öl finden. Der größte Teil der Strände ist gereinigt. Über viele 100 Meilen gab es gar keine Verschmutzung. Die meisten betroffenen Tiere (Schildkröten usw. ) konnte gerettet werden. Das Meer hat offenbar hohe Selbstreinigungskräfte. Natürliche Bakterien sollen nach Meinung von Experten das Öl schneller zersetzen als erwartet. Die Beseitigung der Tragödie schreitet also gut voran. Wie immer bei Unglücksfällen haben sich bereits hunderte Advokaten in Stellung gebracht, um Entschädigungszahlungen von BP einzufordern. Mancher versucht das Geschäft seines Lebens mit der Katastrophe zu machen. Das Verhalten von BP bei der Bewältigung der Krise war trotz oder wegen des enormen Medien Bushings bisher vorbildlich. Die amerikanischen Behörden waren dagegen nicht immer hilfreich. Admiral Allen hat durch übervorsichtiges Taktieren die Schließung des Lecks um 2 Tage verzögert. In den nächsten Tagen und Wochen wird die Quelle für immer versiegelt. Der Schaden dürfte sich letztlich für BP bei ca. 30 Mrd. $ bewegen. Viel Geld. Trotzdem wird sich die BP Aktie weiter erholen. Man wird aus der Katastrophe lernen. Kein anderes Ölunternehmen wird ohne geeignete Vorkehrungen nochmals solch ein Risiko eingehen. Die Tiefseebohrungen gehen aber weiter. Die Gier nach Öl ist zu groß, auch und vor allem in Amerika. http://www.bp.com/extendedsectiongenericarticle.do?categoryId=9034427&contentId=7063885
4. @prophet46
marchofer 03.08.2010
wow....da bleibt mir ja fast die Spucke weg. Ich hoffe ich habe in Ihrem Beitrag den Sarkasmus einfach nicht mit bekommen (falls das der Fall ist, dann den Rest ignorieren). Wo und wie genau hat sich denn BP vorbildlich verhalten ? Das einzige "vorbildliche" Verhalten, welches ich bei BP sehen konnte, war ein enorme Lobby-Maschinerie, die sich da in den ersten Wochen nach der (medialen) Verbreitung der Katastrophe in Bewegung gesetzt hat. Da wurde der Zugang zu sonst oeffentlichen Arealen mit Hilfe von offiziellen Gesetzeshuetern verhindert, informationen verbogen bis einem Schwindlig wurde und man hatte das Gefuehl, dass BP eigentlich lieber das ganze einfach mal langsam angehen wollte. Also vorbildlich sieht fuer mich anders aus. Und wie schon gesagt, das Ding mit dem Oel...mmmhhh...mal sehen was da noch fuer Folgeschaeden entstehen und wohin das ganze Oel eigentlich verschwunden ist. Bakterien die das Oel in einer solchen Rekordzeit zersetzen!?!? Das ist jetzt aber kein Ernsthafter Beitrag, oder !?
5. armselig
kev1n 03.08.2010
Zitat von Sapientialetztlich nur Tote, nicht einmal die Anzahl von Pakistan ist mehr ausreichend. Die ausgetretene Menge entspricht in etwa der vollen Kapazität von 3 Supertankern (VLCC); inmteressant ist, was für ein öffentlicher Aufriss entstnanden wäre, wären 3 Supertanker dort gleichzeitig auseinander gebrochen - aus welchen Gründen, sei hier mal nebensächlich - wie nämlich dann nach Doppelhülle und Schiffssicherheit und Kontrolle und Qualifikation von Besatzungen geschrien würde - ein purer Entsetzen. Hier hingegen - hervorgerufen durch einen offenbar fahrlässig handelnden Ölmulti - sickert die öffentliche Wahrnehmung ein, die eigentliche Nachricht ist zu alt, BP versucht das Problem zu personifizieren durch Austausch des chairman - und der Oil-Spill läuft und läuft und läuft. Ziemlich erstaunlich, wenn man sich vor Augen führt, welchen Aufriss ein Staat abgabebewährt gegenüber dem Steuerbürger veranstaltet mit dem hohen Gut Umwelt. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, daß die die Erde immer wieder anbohrende Ölindustrie keinerlei wirksames technisches equipment zu Verfügung hat oder aber nutzt, um die Gefahr eines worst case frühzeitig zu erkennen oder aber zu bekämpfen - und das steht nicht im gesunden Einklang mit der staatlichen Erziehung des zahlenden Bürgers.
leider nur zu wahr, die superlativierung der superlative ist das einzige mittel dem durch die medien scheinbar völlig abgestumpften konsumenten noch irgendwelches mitleid bzw (vermeintliches) urteilsvermögen einzuhauchen. Ist eine ölpest nicht die schlimmste ölpest aller zeiten (sogar der zukunft!), lässt sich von niemandem mehr als ein müdes gähnen herauslocken. Ist eine Flutkatastrophe eine Flutkatastrophe, und nicht ein Jahrtausendunwetter der größtmöglichsten endgültigsten superlativ schlimmstschrecklichsten Katastrophe kümmert es keinen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Golf von Mexiko: Katastrophe ohne Beispiel


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: