Golf von Mexiko Ölpest mit Unmengen giftiger Chemikalien bekämpft

Welches Risiko gehen BP und die US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest ein? Ein Abgeordneter hat jetzt Brisantes herausgefunden: Trotz eines weitreichenden Verbots der Umweltbehörden wurde giftige Chemie auf hoher See versprüht - die Küstenwache erlaubte es mit Ausnahmegenehmigungen.

AP

New Orleans - Eigentlich hat die US-Umweltbehörde Epa den großflächigen Einsatz von Anti-Öl-Chemikalien im Golf von Mexiko verboten. Zu groß schien die Gefahr durch die giftigen Substanzen. Doch jetzt kommt heraus: Das Verbot war offenbar weitgehend wirkungslos - weil der Konzern BP zuhauf Ausnahmegenehmigungen bekam.

In den vergangenen Wochen seien Hunderttausende Liter giftiger Chemikalien zur Bekämpfung der Ölpest eingesetzt worden, sagte Edward Markey, Chef des Unterausschusses für Energie und Umwelt im US-Abgeordnetenhaus. Die US-Küstenwache habe das über Sondergenehmigungen zugelassen - obwohl das Epa-Verbot vom 26. Mai nur wenige Ausnahmen vorsah.

Die Küstenwache habe BP innerhalb von 48 Tagen nach Erlass des Verbots den Einsatz der umstrittenen Substanzen insgesamt 74-mal erlaubt. BP habe an vielen Tagen 20.000 bis 40.000 Liter davon versprüht, sagte der Demokrat Markey nach Prüfung von Unterlagen des Unternehmens. Das Verbot sei dadurch faktisch bedeutungslos geworden. In einem Brief an den US-Krisenkoordinator der US-Regierung, Thad Allen, beklagt Markey ein "Flächenbombardement des Ozeans mit diesen Chemikalien".

Insgesamt sind seit Beginn der Ölpest am 20. April gut 6,8 Millionen Liter Chemikalien eingesetzt worden - etwa 3 Millionen davon nahe dem Leck am Meeresboden. Umweltexperten befürchten ökologische Langzeitschäden insbesondere wegen der Verwendung unter Wasser, daher hatte die Epa die Einschränkungen verfügt.

Die Stoffe lösen das Öl nicht auf, sondern verwandeln es nur in eine Menge kleinerer Tröpfchen, die dann vom Wasser umschlossen werden. Ein Prinzip, das man zu Hause beim Abwaschen mit Spülmittel kennt. Neben den direkten Umweltauswirkungen der Substanzen sorgt das auch dafür, dass sich das Öl über einen größeren Bereich der Wassersäule verteilt.

Einleitung von Schlamm und Zement ab Dienstag geplant

Inzwischen arbeitet BP an den letzten Vorbereitungen zur Versiegelung des lecken Bohrlochs. Seismische und akustische Tests in der Nähe des lecken Bohrlochs sollten "die Intaktheit des Bohrlochs" sicherstellen und mögliche Unregelmäßigkeiten in dem Gebiet aufspüren, erklärte die Firma. Der steigende Druck im Bohrloch spreche dafür, dass das Öl sich nicht an anderen Stellen seinen Weg ins Meer bahne.

BP will am Dienstag mit der Versiegelung des Bohrlochs mit Bohrschlamm und Zement anfangen. Bei der static kill genannten Methode soll das Füllmaterial durch die Verschlusskappe in das Bohrloch eingefüllt werden, mit der das Bohrloch Mitte Juli vorerst verschlossen worden war. Die Versiegelungsarbeiten verzögerten sich nach Angaben von Krisenkoordinator Allen, weil rund um das Bohrloch die Folgen des Tropensturms "Bonnie" beseitigt werden mussten.

BP-Vizechef Kent Wells sagte, es habe seit der Anbringung der Verschlusskappe vor zwei Wochen keine Anzeichen für weitere Lecks gegeben. Das stimme ihn zuversichtlich für die Versiegelung. Außerdem wolle BP zusätzlich zu static kill noch eine zweite Versiegelungsmethode namens bottom kill anwenden. Dabei soll auch ein Entlastungsbohrloch mit Schlamm und Zement verfüllt werden. Das Entlastungsbohrloch soll laut Wells in acht bis zehn Tagen bis zu dem ursprünglichen Bohrloch reichen, Ende August könne dann seine Versiegelung beginnen.

Die Ölpest hatte sich nach der Explosion der BP-Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April ausgebreitet. Seitdem traten Schätzungen zufolge 3 bis 5,3 Millionen Barrel Öl aus. Krisenkoordinator Allen will demnächst eine genauere Aufstellung des ausgelaufenen und des aufgefangenen Öls vorlegen.

"Wir werden für Jahre hierbleiben"

Der designierte BP-Chef Bob Dudley sicherte bei einem Besuch in dem von der Ölpest betroffenen Bundesstaat Mississippi zu, dass sich sein Unternehmen langfristig an der Bewältigung der Umweltkatastrophe beteiligen werde. "Wir werden für Jahre hierbleiben", sagte er. Für Arbeitslose an der Golfküste schaffe BP einen 100-Millionen-Dollar-Fonds.

Das Entfernen von Schutzbarrieren im Meer und der Einsatz von weniger Reinigungsteams an den Stränden seien "absolut kein Rückzug", versicherte Dudley, der im Oktober die Konzernführung von dem in die Kritik geratenen Tony Hayward übernehmen soll.

Louisiana hat inzwischen einen Teil seiner Fischgründe wieder freigegeben. Der kommerzielle Fang von Fischen und Garnelen in den Gewässern östlich der Mündung des Mississippi sei wieder möglich, teilten die Fischereibehörde des Bundestaates und die US-Lebensmittelbehörde FDA mit. Wegen der Ölkatastrophe hatten die US-Behörden für mehr als ein Drittel ihrer Gewässer im Golf von Mexiko ein Fischfangverbot erlassen.

Als Konsequenz aus der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko will das US-Repräsentantenhaus die Regeln für die Ölförderung verschärfen. Der am Freitagabend verabschiedete Gesetzentwurf sieht strengere Sicherheitsstandards für Tiefseebohrungen vor, außerdem sollen die verantwortlichen Unternehmen in Zukunft unbeschränkt für Schaden haften. Die Zustimmung des Senats steht allerdings noch aus.

chs/afp/apn

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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TommIT, 01.08.2010
1. Oh das Öl wird durch die Natur schneller aufgelöst
Ja ihr Dumm Öko Freaks habt euch mal wieder an der Nase rumführen lassen. Und glaubte die entsorgen das ganze Corexit der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten. Wer die Streams gesehen hat und gelesen hat: Dispersant Ops der konnte sich denken was da passiert. Oben darf man nicht mehr, deshalb macht man es in 1500 Meter Tiefe dann ist auch die Durchmischung besser... Umweltidioten vereinigt euch.
meinung3000 01.08.2010
2. schade, traurig und eigentlich unverständlich...
... dass die Menschen sich selbst, andere Lebewesen auf dieser Erde und den gesamten Planeten in unvorstellbarer Eile zerstören müssen.
mark anton, 01.08.2010
3. Unbegreiflich, was sich da im Golf abgespeilt hat
BP will aus Imagegruenden den Oelschlick vom Meer und an Kuesten unsichtbar machen, dazu hat es tausende Tonnen von hochgiftigen Chemikalien ins Meer gedumpt, nun kommt der Skandal und die USA Behoerden haben zugeschaut und gewaehren lassen. Viele Experten glauben, dass damit ein viel groesserer, langfristiger Schaden angerichtet wurde, als ohne. Unbegreiflich, die Menschen lernen nicht dazu, bringen sich weltweit selbst mit verschiedensten Aktionen nichtwiedergutmachendem Schaden zu.
Arthi, 01.08.2010
4. .
Zitat von sysopWelches Risiko gehen BP und die US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest ein? Ein Abgeordneter hat jetzt Brisantes herausgefunden: Trotz eines weitreichenden Verbots der Umweltbehörden wurde giftige Chemie auf hoher See versprüht -*die Küstenwache erlaubte es mit Ausnahmegenehmigungen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,709541,00.html
Dafür bekommt die Küstenwache bestimmt etwas schönes von BP zu Weihnachten. Auch für die schöne Sperrung der Strände und somit der Verhinderung der freien Berichterstattung.
Lottofreak 01.08.2010
5. Also was sollen diese Wiederholungen ?
Das war doch schon vor 2 Monaten klar daß BP tonnenweise dieses Gift einsetzt - bloss hat der so umweltbewusste Obama bis heute nicht überprüfen lassen wie giftig das Zeugs wirklich ist und wieviele Tonnen BP schon verwendet hat - der lässt sich vorführen wie ein Schuljunge oder er stellt sich dumm- niemand weiss was das für Auswirkungen hat- ich denke mit Sicherheit keine guten- und wenn der Vorposter von Ökofreaks schreibt - ja bitte - gehen sie doch baden im Golf und essen jeden Tag Fisch- wenn sie dann noch posten können wäre ich für ihre Erfahrungen recht dankbar
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