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Golfstrom: Europas Meeresheizung trotzt dem Klimawandel

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Der Klimawandel könnte den Golfstrom zum Erliegen bringen und Nordeuropa drastisch abkühlen - dieses Szenario hatten Forscher lange befürchtet. Eine neue Studie aber zeigt jetzt: Der Golfstrom ist keineswegs schwächer geworden - im Gegenteil.

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IFM-GEOMAR

Europas Fernheizung: Der Golfstrom transportiert warmes Wasser Richtung Norden

Mehrfach hatten Forscher Alarm geschlagen: Europas Meeresheizung, der Golfstrom, schwäche sich ab. Auch Klimavorhersagen verhießen nichts Gutes: Eine Klimaerwärmung würde den Golfstrom und seinen nördlichen Ausläufer, den Nordatlantikstrom, Computerberechnungen zufolge abschwächen.

Bislang jedoch gebe es keine Anzeichen für ein Stocken der Strömung, berichtet nun Josh Willis vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Seit 1993 habe der Golfstrom eine konstante Menge Wasser nach Norden geführt, schreibt der Ozeanograf im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Vielmehr habe sich die Strömung sogar ein wenig verstärkt - trotz der Klimaerwärmung.

Die Studie von Willis liefert die bislang längste Datenreihe des Golfstroms. Bislang mussten sich Forscher zumeist auf punktuelle Schiffsmessungen stützen. Willis konnte jedoch auf Satellitendaten und Bojenmessungen zurückgreifen: Satelliten messen den Meeresspiegel. Daraus lassen sich Strömungen ableiten, weil sie sich an unterschiedlichen Meereshöhen ablesen lassen. Zudem treibt seit einigen Jahren eine Armada von 3000 Roboterbojen in den Weltmeeren. Die sogenannten Argo-Bojen liefern kontinuierlich Daten aus allen Meeresregionen aus bis zu 2000 Meter Wasserstiefe.

Seit 1993 strömt mehr warmes Wasser Richtung Europa

Willis konzentrierte seine Beobachtungen auf eine Linie, die sich von Nordportugal bis New York quer durch den Atlantik zieht. Über diese Linie transportiert der Golfstrom 75-mal mehr Wasser nach Norden, als der Amazonas ins Meer spült. Die Bojendaten zeigten, dass sich die transportierte Wassermenge von 2002 bis 2009 nicht verändert habe, berichtet Willis. Die Satellitendaten reichten bis 1993 zurück. Ihnen zufolge habe sich der Golfstrom gar um 20 Prozent verstärkt.

Der Golfstrom und seine nördlichen Ausläufer bestimmen das europäische Klima: Ohne die Wärmeenergie des Meeres mit der Leistung einer halben Million großer Kernkraftwerke herrschten hierzulande wohl sibirische Temperaturen. Europas Fernheizung entspringt im Golf von Mexiko. Dort heizt sich das Meer auf, gelenkt von Winden und der Erddrehung strömt das warme Wasser nach Norden. Währenddessen kühlt es ab und gewinnt dabei an Dichte. Schließlich sinkt es irgendwo im Nordmeer oder Nordatlantik in die Tiefe und fließt zurück nach Süden - so jedenfalls die Theorie.

Die ozeanische Fernheizung gilt als sensibel. Sie könnte ins Stocken geraten, sofern im Norden weniger Wasser absinke, weil sich die Dichte des Wassers verringert. Das könne geschehen, wenn sich das Meer erwärmt, hatten Forscher befürchtet. Vor allem aber Schmelzwasser von Grönlands Gletschern oder Niederschläge könnten die Strömung auf fatale Weise verdünnen. Ein vollständiger Abbruch der Golfstromausläufer würde in Europa vermutlich zu einer deutlichen Abkühlung führen. Der Kinofilm "The Day After Tomorrow" hat das auf dramatische Weise beschworen.

Zwei Warnungen in zwei Jahren

2005 schien sich die Katastrophe anzukündigen. Der Golfstrom spüle ein Drittel weniger Wasser nach Norden, warnten britische Forscher im renommierten Wissenschaftsblatt "Nature". Daten von fünf Schiffsexpeditionen zwischen 1957 und 2004 hätten die Abnahme der Strömung gezeigt.

Der Alarm geriet zwar bald in die Kritik. Dennoch verkündeten Ozeanforscher zwei Jahre später erneut ein Stocken des Golfstroms. Seit acht Jahren sei im Nordmeer kaum noch Wasser abgesunken, erklärten sie - ein bedeutender Antrieb der warmen Nordströmung liege lahm. Die Forscher stützten sich auf indirekte Messungen: Temperaturen und Salzgehalte in unterschiedlichen Wassertiefen hatten sich angeglichen, somit sei ein Absinken nicht mehr möglich.

Es waren offenbar alles Fehlalarme, wie Willis' neue Studie nun nahelegt. Alle entsprechenden Berichte beruhten auf Messungen zu ungünstigen Zeitpunkten, berichtet der Forscher. Die Wassermenge, die nach Norden transportiert wird, könne stark schwanken - sie kann am Ende einer Woche neunmal größer sein als am Beginn der Woche. Kurze Aussetzer des Golfstroms hätten also nichts zu bedeuten. Bedenklich wäre erst ein längeres Ausbleiben der Warmwasserzufuhr.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. im Gegenteil....zu den Computer-Modellen?
paml1983 26.03.2010
Zitat von sysopDer Klimawandel könnte den Golfstrom zum Erliegen bringen und Nordeuropa eisige Temperaturen bringen - dieses Szenario hatten Forscher lange befürchtet. Eine neue Studie aber zeigt jetzt: Der Golfstrom ist keineswegs schwächer geworden - im Gegenteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685821,00.html
------------------------------------- Wiedereinmal scheint sich zu bewahrheiten, daß die "Klima-Katastrophen-Szenarien" eine reine Erfindung für die Quote und für die Erlangung von Forschungsgeldern sind. Oder für die übliche Stimmungsmache? Niemand kann etwas gegen seriöse wissenschaftliche Forschung haben und Niemand kann wirklich etwas gegen Umweltschutz haben, nur was das Beispiel "Golfstrom" zeigt, ist, daß wir in Wahrheit noch lange Zeit benötigen werden, bis wir die Welt in der wir leben wirklich verstehen...! --------------- Dazu kann man nur noch hoffend sagen, daß diese bitte nicht durch die Menschen bis dahin zerstört sein wird und damit meine ich Atom-Waffen und Atom-Kriege, deren Gefahr immer noch nicht gebannt ist, im Gegenteil, immer noch besteht die Gefahr des "Kontrolle-Verlustes"! Der Golfstrom, ja der wird trotzdem fließen....!
2. -
Mulharste, 26.03.2010
Zitat von sysopDer Klimawandel könnte den Golfstrom zum Erliegen bringen und Nordeuropa eisige Temperaturen bringen - dieses Szenario hatten Forscher lange befürchtet. Eine neue Studie aber zeigt jetzt: Der Golfstrom ist keineswegs schwächer geworden - im Gegenteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685821,00.html
sehr eigenartig :D Wird in Europa also wärmerm weil mehr Wasser transportiert wird, und nicht wiel das Klima... groteske Verarsche...:-)=
3. nicht überraschend,
Olaf aus der Hauptstadt 26.03.2010
dass die Klimakirche auch hier daneben liegt. Unverstandene Komplexitäten, blinder Glauben an Computer-Modelle und die feste Überzeugung, dass der Mensch dem Planeten schadet (zumndest, wenn er kein fahrradfahrender Veget-Ariar ist). Etwa 1000 Milliarden Dollar hat das Klimamärchen seit Kyoto gekostet. Wann endet dieses Wirtschaftsverbrechen zu Lasten gerade der Ärmsten (die zum Beispiel von klimabegrpndete Strompreiserhöhungen viel stärker betroffen waren)?
4. Arme Klimawandler
Kontra, 26.03.2010
Zitat von sysopDer Klimawandel könnte den Golfstrom zum Erliegen bringen und Nordeuropa eisige Temperaturen bringen - dieses Szenario hatten Forscher lange befürchtet. Eine neue Studie aber zeigt jetzt: Der Golfstrom ist keineswegs schwächer geworden - im Gegenteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685821,00.html
Die armen Klimawandler, denen sterben die Argumente ja schneller weg als man Blaubeerkuchen sagen kann.
5. ...
Newspeak, 26.03.2010
Studie Nr. 763 die den Tenor besitzt..."uups, so wie wir meinen, ist es doch nicht!" Aber führt dies etwa dazu, daß die Klimaforscher ihre Prognosen ändern? Nein, die Modelle sind richtig, auch wenn sie dutzendfach inzwischen besser verstandene Effekte nicht berücksichtigen oder das Grundproblem, das man das System offensichtlich in seiner ganzen Komplexität noch nicht ansatzweise versteht, leugnen. Sind halt keine Wissenschaftler, sondern Ideologen. SPON wäre gut beraten, wenn es nicht nur regelmäßig über solche Einzelaspekte berichten würde, sondern auch mal wieder das Große Ganze im Auge hätte. Es gab da doch mal einen Titel "Hilfe, die Erde schmilzt"...was ist denn aus dieser berechtigten Kritik geworden? Sitzt man heute wieder mit im Boot, anstatt kritische Berichterstattung über die Lügen der Klimaforscher zu betreiben. Über Climategate wurde seltsamerweise im Ausland erheblich mehr berichtet.
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