Neues aus der Geoforschung Eruption in Zeitlupe, Golfstrom verschoben, Vulkan quetscht Gletscher

Ein Vulkan explodiert, und ein Video hält die entscheidenden Momente in Zeitlupe fest. Außerdem im Überblick zur Geoforschung: Der Golfstrom hat sich 200 Kilometer verschoben, der schwellende Vulkan Mount St. Helens quetscht einen Gletscher zu Tal - und das Wissenschaftsbuch des Monats.

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Santiaguito-Vulkan in Guatemala: Dach weggesprengt
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Santiaguito-Vulkan in Guatemala: Dach weggesprengt

Hamburg - Der Santiaguito im Westen Guatemalas hatte gebebt in den ersten Januartagen 2012. Am 11. Januar ging es los: Eine Aschesäule schoss aus dem Berg, stieg einen Kilometer hoch. Tausend Grad heiße Ascheströme rauschten mit Rennwagengeschwindigkeit die Hänge hinab. Ein Video (siehe unten) zeigt die entscheidenden Momente in 50facher Verlangsamung.

Der Moment des Ausbruchs ist der wohl geheimnisvollste im Dasein eines Vulkans: Warum explodiert ein Berg? Das geochemische Geschehen ist noch immer nicht entschlüsselt. Fest steht, dass mit einem Mal Gas aus dem Magma entweicht. Ähnliches passiert, wenn eine geschüttelte Mineralwasserflasche geöffnet wird - entweichende Gase reißen das Wasser mit aus der Flasche.

Doch viele Fragen sind Gegenstand heißer Debatten: Wie wachsen Blasen im Magma? Wie steigen sie auf? Was genau passiert, wenn sie das Magma zerreißen?

Sekunden vor der Eruption

Das Blasenwachstum im Magma in den Sekunden vor einer Eruption kann offenbar über die Größe des Ausbruchs entscheiden. Das zeigen Laborexperimente mit Magma, deren Ergebnisse nun im Wissenschaftsmagazin "Nature" vorgestellt wurden: Je größer die Blasen wachsen, desto gefährlich wird es demnach.

Meist jedoch zerflössen die Blasen im Magma ineinander, bildeten eine Art Schaum, aus dem kleine Gasblasen entwichen, berichten die Forscher - das Magma verliere somit an Explosivität. Blieben die Blasen jedoch stabil und wüchsen weiter, steige ihre Sprengkraft.

Um das Geheimnis der Vulkanausbrüche zu entschlüsseln, sind Aufnahmen wie jene vom Ausbruch des Santiaguito vom Januar 2012 so wertvoll. Sie zeigen, wie das Gas an vielen Stellen zugleich entweicht. Momente später vereinigen sich die Düsen zur Aschesäule, die immer mehr Energie gewinnt. Schließlich sprengt der Vulkan sein Dach weg - er explodiert.

Für Mobilnutzer: Hier klicken, um das Video zu sehen.

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