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GPS-Messungen: Chile-Beben hat Kontinent verrückt

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Das Erdbeben in Chile hat gigantische Kräfte freigesetzt - und weite Teile Südamerikas verschoben. Um drei Meter wurden manche Ortschaften versetzt. Die Bewegung hält an: Südamerikas Landschaften werden nun jahrelang auf Wanderschaft bleiben.

Bewegte Landmassen: Erdbeben verpasst Südamerika einen Drall nach Westen Fotos
University of Hawaii / James Foster / Ben Brooks

Das Erdbeben vor Chile richtete verheerende Zerstörungen an. Hunderte von Menschen kamen zu Tode, Zehntausende wurden verletzt oder obdachlos. Auch geologisch hatte das Beben immense Auswirkungen. Es verpasste der Erde nicht nur einen Drall und verschob die Erdachse - Die Erschütterung hat zudem Großteile des südamerikanischen Kontinents verrückt.

Die Stadt Concepción etwa hat sich dem Deutschen Geodätischen Institut (DGFI) zufolge knapp drei Meter nach Westen verschoben. Andere Ortschaften verrückten ebenfalls nach Westen. Chiles Hauptstadt Santiago habe sich um fast 30 Zentimeter verschoben, berichten Experten der Ohio University. Auch das auf der anderen Seite des Kontinents gelegene Buenos Aires liege nun weiter westlich als zuvor - um zweieinhalb Zentimeter. Selbst die Falklandinseln im Atlantik und brasilianische Küstenstädte hätten sich bewegt.

Eigentlich schiebt sich Südamerika mit anderthalb Zentimetern pro Jahr nach Norden. Doch nun rückten weite Teile des Kontinents in eine andere Richtung als die Erdplatte, auf der sie liegen. Zähflüssiges Gestein im Erdinneren fungiert als Förderband der Erdplatten, die sich üblicherweise über Jahrmillionen in dieselbe Richtung bewegen. Unterbrochen wird ihre langsame stete Wanderung lediglich durch regelrechte Sprints von Teilen der Erdkruste nach Starkbeben wie nun in Chile.

Stakkato aus starken Nachbeben

Das Erdbeben der Stärke 8,8 am 27. Februar war das fünftstärkste, das je gemessen wurde. Es ereignete sich an der gefährlichsten Erdplattengrenze des Planeten: Vor der Westküste Südamerikas schiebt sich der Boden des Pazifiks unter den südamerikanischen Kontinent, wobei sich immense Spannungen aufbauen, die sich regelmäßig bei Beben entladen.

Bei dem Beben vor elf Tagen brach der Meeresboden vor der Küste Chiles auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern; ein Stakkato starker Nachbeben folgte. Die Erschütterungen bauten Spannung ab, die sich über Jahrhunderte angestaut hatte. Als Folge der Entspannung bewegen sich jetzt die Landmassen.

Die Ortschaften werden ihre ungewöhnliche Richtung nun vermutlich jahrelang beibehalten. Vergleichbar mit zusammengeknülltem Papier, das noch eine Weile knistert, wird die erschütterte Erdkruste Chiles nicht zur Ruhe kommen. Das zeigen die Auswirkungen früherer Starkbeben.

Das Tsunami-Beben von 2004 im Indischen Ozean beispielsweise hält zahlreiche Landmassen Südostasiens bis heute in Bewegung: Inseln heben und senken sich, teils um mehrere Meter. Häfen und Mangrovenwälder fielen trocken, andere Landstriche versanken im Meer. Die unmerklichen Verschiebungen setzten insgesamt sogar mehr Energie frei als das ursächliche Starkbeben am 26. Dezember 2004.

Die Bewegungen der Landmassen messen Forscher vor allem mit GPS-Geräten. Ihre Position kann mit Hilfe von Navigationssatelliten bestimmt werden. Die Daten einiger Geräte in Chile seien allerdings aufgrund des Stromausfalls nach Beben nicht abrufbar, berichtet Hermann Drewes vom DGFI. Ein Kollege wolle nun zu den Anlagen fahren und die restlichen Informationen einholen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Uuaah
GunB, 09.03.2010
Zitat von sysopDas Erdbeben in Chile hat gigantische Kräfte freigesetzt - und weite Teile Südamerikas verschoben. Um drei Meter wurden manche Ortschaften versetzt. Die Bewegung hält an: Südamerikas Landschaften werden nun jahrelang auf Wanderschaft bleiben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,682584,00.html
Na und? Logisch oder? Bis sie in Köln ankommen, wird's wohl noch was dauern. Oder soll ich schon das Bier kaltstellen?
2. Gps
Gegengleich 09.03.2010
Daß GPS so genau ist bzw. sein kann, wußte ich nicht. Ich dachte, selbst die militärisch genutzten Geräte hätten eine größere Fehlertoleranz als z.B. die zweieinhalb Zentimeter Buenos Aires. Mein GPS wird es auf jeden Fall nicht bemerken, wenn ich die Stadtgrenze zweieinhalb Zentimeter früher erreiche.
3. Hier könnte Ihre Werbung stehen
Schalke 09.03.2010
Nix besonderes... war schon immer so, ist so, wird immer so bleiben, so lange die Erdkruste auf einem schwabbeligen Kern schwimmt. Oder ist am Ende doch der Mensch schuld!?
4. Haiti?
Zorpheus 09.03.2010
Dass Südamerika verschoben wurde deutet ja darauf hin, dass das alles auch mit dem Beben in Haiti zusammenhängt. Sieht für mich so aus als ob die Plattenbewegung aufgehalten wurde, weil die Südamerika-Platte an 2 Stellen fest hing. Zunächst hat sie sich bei Haiti gelöst, wodurch die Spannung an der anderen Stelle bei Chile noch stärker wurde, bis sie sich dort auch gelöst hat und es erneut zum Beben kam. Ich habe aber noch nichts in der Richtung gelesen, würde mich mal interessieren ob das wirklich so abläuft.
5. ...
bfz 09.03.2010
Zitat von GegengleichDaß GPS so genau ist bzw. sein kann, wußte ich nicht. Ich dachte, selbst die militärisch genutzten Geräte hätten eine größere Fehlertoleranz als z.B. die zweieinhalb Zentimeter Buenos Aires. Mein GPS wird es auf jeden Fall nicht bemerken, wenn ich die Stadtgrenze zweieinhalb Zentimeter früher erreiche.
Das militärische GPS ist genauer als private Systeme. Die Fehlertoleranz ergibt sich nicht aus den Geräten sondern aus der Anzahl an Satelliten. Nach der 1000 Messung würde auch Ihr Gerät, eine Statistische, Veränderung um 2,5 cm bemerken.
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Chile nach dem Beben: Chaos und Gewalt in Concepción

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Erdbeben in Chile: Wenig Retter, viele Plünderer
Chiles Erdbebengebiet: Mehr als 700 Tote befürchtet Zur Großansicht
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Chiles Erdbebengebiet: Mehr als 700 Tote befürchtet


Die stärksten Erdbeben seit 1900
Ort Datum Stärke
Valdivia, Chile 22.05.1960 9,5
Prince William Sound, Alaska 28.03.1964 9,2
Westlich Sumatra 26.12.2004 9,1
Japan, östlich von Honshu 11.03.2011 9,0
Kamtschatka 04.11.1952 9,0
Vor Maule, Chile 27.02.2010 8,8
Vor der Küste Ecuadors 31.01.1906 8,8
Rat Islands, Alaska 04.02.1965 8,7
Nordsumatra 28.03.2005 8,6
Assam 15.08.1950 8,6
Südsumatra 09.03.1957 8,6
Quelle: USGS National Earthquake Information Center

Tsunami
Erdbebenwelle
Als Tsunami wird eine hauptsächlich durch Seebeben ausgelöste Meereswelle bezeichnet, die auch durch küstennahe oder untermeerische Hangrutschungen, durch Vulkanausbrüche, in ganz seltenen Fällen auch durch Meteoriteneinschlag entsteht.
Ausbreitung
Ein Tsunami breitet sich ringförmig mit bis zu 800 km/h aus. Die Wellenlängen im offenen Ozean betragen 100-300 km, die Wellenhöhe erreicht dort nur 0,5 m. Tsunamis stellen daher im offenen Ozean nur eine geringe Gefahr dar, im Flachwasser steilen sich die Wellen dagegen bis zu 30 m auf und führen zu katastrophalen Überschwemmungen.
Tsunami-Katastrophe 2004
Die bisher folgenschwersten Tsunamis brachen am 26. Dezember 2004 über den nordöstlichen Indischen Ozean herein und forderten in Indonesien, Sri Lanka, Thailand und Indien rund 250 000 Menschenleben. Sie wurden ausgelöst durch ein Seebeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala vor der Küste Sumatras. Ihre Wellen führten zu katastrophalen Verwüstungen im Norden Sumatras mit über 100.000 Toten und richteten sogar an der Ostküste Afrikas (vor allem Somalia, Seychellen) große Schäden an. Mehr auf der Themenseite...
Frühwarnsystem
Im Gegensatz zum Pazifischen Ozean bestand im Indischen Ozean bis zur Tsunami-Katastrophe von 2004 noch kein Frühwarnsystem. 2005 wurde auch für diese Region die Einrichtung eines Frühwarnsystems beschlossen. Am 11. November 2008 wurde das Deutsch-Indonesische Tsunami-Frühwarnsystem eingeweiht, das u. a. vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) entwickelt wurde.
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Chile nach dem Beben: Chaos und Gewalt in Concepción

Politisches System in Chile
Diktatur
Die chilenische Diktatur, die am 11. September 1973 mit dem Putsch der Streitkräfte gegen den gewählten Präsidenten Salvador Allende begann, war eine der brutalsten Lateinamerikas. Innerhalb weniger Tage brachte das Militär das Land unter Kontrolle. Die Gewaltherrschaft unter General Augusto Pinochet sollte 17 Jahre dauern. Die Opposition wurde unterdrückt, Regimegegner wurden gefoltert, fast 3000 Menschen ermordet. Mehr als tausend blieben spurlos verschwunden.
Demokratie
Im September 1989 fanden wieder demokratische Wahlen in Chile statt, im März 1990 trat der Christdemokrat Patricio Aylwin das Präsidentenamt an der Spitze einer breiten Koalition aus Sozialisten, Christdemokraten und kleineren Parteien an.

Pinochets Macht war jedoch erst im Juli 2004 endgültig gebrochen, nachdem entdeckt worden war, dass er illegal Millionenbeträge auf Konten in den USA transferiert und damit Steuerhinterziehung begangen hatte. Nicht nur seine Anhänger in der Bevölkerung und den rechten Parteien sagten sich nun von ihm los, auch die Streitkräfte gingen auf Distanz zu ihrem langjährigen Idol. Ende 2004 bekannte sich der neue Oberbefehlshaber des Heeres, General Juan Emilio Cheyre, öffentlich zur Demokratie und verurteilte die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur.

Staatsoberhaupt
Gemäß der mehrfach revidierten Verfassung von 1981 ist Chile eine präsidiale Republik, in der dem Präsidenten die Rolle des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs zufällt. Er wird für eine vierjährige Amtszeit gewählt, in der Verfassung ist eine Wiederwahl nicht vorgesehen. Im Januar 2010 gewann der konservative Sebastián Piñera die Stichwahl um das Präsidentenamt, er trat den Posten im März an.
Parteien
Die Legislative besteht aus der Abgeordnetenkammer und dem Senat. Die mitte-links Gruppierung Parteienbündnis für Demokratie (Concertación de Partidos por la Democracia, CPPD) war bislang stärkste parlamentarische Kraft.

Ihr gehören neben den Christdemokraten (Partido Demócrata Cristiano, PDC), die gemäßigt linke Partei für die Demokratie (Partido por la Democracia, PPD), die Sozialistische Partei (Partido Socialista, PS) und die Radikal-Sozialdemokratische Partei (Partido Radical Social Demócrata, PRSD) an.

Der mitte-rechts Block Allianz für Chile (Alianza por Chile, APC) besteht aus der liberal-konservativen Nationalen Erneuerung (Renovación Nacional, RN) und der konservativen Unabhängigen Demokratischen Union (Unión Demócrata Independiente, UDI).

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