Studie zu Naturbränden Grasfeuer - eine wichtige Verjüngungskur wird seltener

Feuer in den großen Graslandschaften der Erde hinterlassen Tod und Verwüstung. Doch die Brände sind ein Lebenselixier der afrikanischen Savanne oder der Pampa in Südamerika. Und ein bedrohtes Phänomen, warnen Forscher.

Feuerwalze zerstört Graslandschaft
DPA/ Federal University of Tocantins

Feuerwalze zerstört Graslandschaft


Wenn in der Natur Feuer große Flächen vernichtet, ist das ein Akt großer Zerstörung. Vor allem Waldbrände werden in vielen Regionen der Welt mehr und mehr zum Problem. Teils wird der Klimawandel dafür verantwortlich gemacht, wenn auch nicht immer berechtigt.

Doch es gibt auch gegenläufige Trends: In offenen Graslandschaften werden die Feuer immer seltener - aus einem ganz anderen Grund und mit üblen Folgen.

"Satellitenbilder zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem rapiden Rückgang der Brände in Grasland-Ökosystemen, menschlichen Aktivitäten und Veränderungen der Pflanzendecke", sagt Niels Andela von der University of California in Irvine (UCI).

Ursache des Wandels sei vor allem die Ausbreitung der Landwirtschaft, berichten Forscher im Fachmagazin "Science". "Eineinhalb Milliarden Menschen sind auf dem Planeten in den vergangenen 20 Jahren hinzugekommen, der Viehbestand hat sich an vielen Orten verdoppelt und Graslandschaften, die einst von Feuern offen gehalten wurden, werden nun bewirtschaftet", sagt Mitautor James Randerson, ebenfalls UCI-Forscher. "Unsere Branddaten sind ein sensibler Indikator für den immensen Druck, den die Menschen auf diese wichtigen Ökosysteme ausüben."

Im Video: Satellitenbilder von den Flächenbränden weltweit (2000-2015)

NASAS' Scientific Visualization Studio

Das Team um Andela hatte Aufnahmen von Satelliten der US-Raumfahrtagentur Nasa aus den Jahren 1998 bis 2015 ausgewertet. In diesen 18 Jahren schrumpfte die von Wald- und Flächenbränden erfasste Fläche in der Summe um 1,2 Millionen Quadratkilometer - ein Rückgang um etwa ein Viertel. Am stärksten war der Effekt in Südamerika, in der eurasischen Steppe und den Savannenlandschaften Nordafrikas - wo viele Arten wie Löwe und Nashorn leben, deren Bestände rasant schwinden.

Der rasante Zuwachs der Viehbestände, die Umwandlung in Ackerland und der Bau neuer Häuser und Straßen hätten die Graslandschaften fragmentiert und den Anteil leicht entflammbarer trockener Gräser erheblich vermindert, erläutern die Wissenschaftler. Landbesitzer versuchten gezielt, Feuersbrünste zu verhindern. "Die Menschen unterbrechen den uralten natürlichen Zyklus von Bränden und Erholungsphasen in diesen Gebieten", sagt Randerson. Anders als bei der Abholzung der Regenwälder gebe es kaum Bemühungen, die Graslandschaften zu erhalten.

Zwar habe das verringerte Ausmaß der Brände auch Vorteile - im Grasland bleibe mehr Kohlendioxid gebunden und es gebe weniger gesundheitsschädliche Rauchwolken. Weniger Rauch in der Atmosphäre bedeute aber auch, dass mehr Sonnenlicht bis zur Erde gelange, was den Klimawandel beschleunige. Schwänden mit Zahl und Ausmaß der Feuer die ursprünglichen Graslandschaften, habe das zudem negative Folgen für nur dort lebende - sogenannte endemische - Arten sowie die Bestände der letzten großen Säugetiere der Erde, warnen die Forscher.

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Fotoprojekt zu Graspflanzen: Unterschätzte Schönheit

Graslandschaften breiteten sich vor rund sechs bis acht Millionen Jahren stark aus und prägen heute weite Teile Afrikas, Amerikas und Asiens. Etwa ein Fünftel des Festlands ist damit bedeckt. Von Blitzen verursachte Feuersbrünste erneuern die Savannen und Steppen und halten sie offen. Gräser erholen sich weitaus schneller von Flächenbränden als Bäume und Sträucher. Alte, verfilzte Gräserhorste verschwinden und machen Platz für frisches, junges Grün. Nährstoffe aus toten Pflanzenteilen gehen wieder in den Kreislauf zurück.

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joe/dpa

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