Graubruststrandläufer Vögel fliegen Vögeln zum Vögeln hinterher

Fortpflanzung, das ist das oberste Ziel männlicher Graubruststrandläufer. Um möglichst viele Weibchen zu begatten, legt manches Männchen Tausende Kilometer Flugstrecke zurück.

Kapetanopoulos/ Max Planck Insti

Erstaunliche Leistung: Auf der Suche nach Weibchen fliegen männliche Graubruststrandläufer während der Brutsaison Tausende Kilometer durch die Arktis. Das berichten Bart Kempenaers und Mihai Valcu vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen im Fachblatt "Nature".

Die Erkenntnis sei umso erstaunlicher, weil die Vögel bereits zuvor bei ihrer Rückkehr aus den Winterquartieren auf der Südhalbkugel bis zu 14.000 Kilometer zurücklegen. Die zu den Schnepfenvögeln zählenden Graubruststrandläufer (Calidris melanotos) fliegen jedes Jahr von Südamerika zu ihren Brutgebieten entlang der russischen und nordamerikanischen Arktisküste - und zurück.

Flug in bislang unbekannte Brutgebiete

Kempenaers und Valcu verfolgten nun mithilfe von Sendern die Routen von insgesamt 120 Männchen, die in den Sommern 2012 und 2014 in Barrow im nördlichen Alaska eintrafen. Die Männchen - so viel war bereits bekannt - sind polygyn und beteiligen sich nicht an der Brutfürsorge.

Nur sehr wenige der eintreffenden Männchen blieben an dem Nistplatz in Barrow. Die weitaus meisten zogen nach kurzer Zeit weiter und besuchten in der Regel mehrere andere Gebiete auch in der russischen und kanadischen Arktis. Im Mittel legten die etwa 100 Gramm schweren Vögel in der vierwöchigen Brutsaison mehr als 3000 Kilometer zurück und besuchten dabei acht Gebiete.

Manche suchten bis zu 24 Brutkolonien auf, der Rekordhalter flog mehr als 13.000 Kilometer weit, wie die Auswertung der Daten ergab. Dabei steuerten die Nomaden auch Regionen an, die als Brutgebiete noch nicht bekannt waren.

Paarungserfolg ist nicht entscheidend für den Weiterzug

"Mit unserer Studie konnten wir die bisher bekannten Grenzen des großen Verbreitungsgebiets während der Brutzeit sogar noch erweitern", wird Kempenaers in einer Mitteilung des Instituts zitiert. Zehntausende Kilometer seien für den ungefähr 100 Gramm schweren Vogel offenbar keine große Leistung. "Wir denken, dass Fliegen für diese Tiere nicht sonderlich kräftezehrend ist."

Ob und wie schnell die Männchen ein Brutgebiet verlassen, hängt demnach von der Zahl der fruchtbaren Weibchen dort ab. Dabei spielte es jedoch offenbar keine Rolle, ob die Männchen in einer Kolonie bei Weibchen zum Zug kam oder nicht. "Die Männchen der Graubruststrandläufer wandern durch das gesamte Brutgebiet, um die Chancen zu erhöhen, sich in einer Brutsaison mehrmals fortzupflanzen", glaubt Co-Autor Valcu.

Die geografisch ausgedehnte Partnersuche hat allerdings Folgen für die Art: Wegen der großen Reichweite der Männchen gibt es innerhalb der Gesamtpopulation kaum genetische Unterschiede. Das verhindere die Entstehung von Subspezies, die ansonsten bei monogamen Schnepfenvögeln sehr verbreitet seien.

jme/dpa



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