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Gänsevater für die Forschung: "Fliegen in Formation müssen wir noch trainieren"

Gänseküken in Radolfzell: Abgehoben Fotos
DPA

Wie gelingt es Zugvögeln, Tausende Kilometer in der Luft zurückzulegen? Um das zu untersuchen, hat ein Forscher in Baden-Württemberg fünf Gänse großgezogen. Jetzt bringt er ihnen das Fliegen bei.

Als die Hupe ertönt, bricht Aufregung unter den jungen Graugänsen aus. Schnell watscheln sie zu dem kleinen Ultraleichtflugzeug, das auf der Startbahn auf sie wartet. Der Motor geht an, der Propeller dreht sich - und wenige Sekunden später folgen Nemo, Nils, Gloria, Calimero und Maddin dem Flieger in die Luft.

Der Sinn der Übung: Michael Quetting vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee bringt den Vogelkindern das Fliegen bei. Im Gegenzug sammeln sie über Sensoren fleißig Daten für ihn. "Klappt schon gut", sagt Quetting, als er nach ein paar Minuten mit seiner Gänseschar wieder gelandet ist. "Nur das Fliegen in der Formation müssen wir noch trainieren."

Kuscheln für die Wissenschaft

Quetting kennt Nemo, Nils, Gloria, Calimero und Maddin seit sie im Mai 2015 im Ei heranwuchsen. Damals wurden sie für das Experiment aus zwei Nestern gesammelt und ausgebrütet. Schon vor dem Schlüpfen hat Quetting die Tiere auf sich geprägt. In seinem Blog berichtet er seitdem regelmäßig vom Projekt.

Ein Lautsprecher am Brutkasten spielte jeden Tag eine halbe Stunde lang das Tröten der Hupe, Propellergeräusche des Ultraleichtflugzeugs und Quettings Stimme ab. Er las den Gänsekindern aus "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" vor. Seit dem Schlüpfen ist er ihr Gänsevater - zunächst watschelten sie ihm bloß hinterher, seit den regelmäßigen Übungsflügen folgen sie ihm auch in der Luft.

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Forschungsprojekt: Gans schön niedlich
Flugverhalten erforschen

Quetting ist nicht der Erste, der Vögel auf sich prägt: Der österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903 bis 1989) hatte beispielsweise schon früher eine Gruppe Graugänse nach der Geburt an sich gewöhnt - sodass die Gänse glaubten, er sei das Muttertier.

Auch geflogen wird mit Vögeln schon länger: Immer wieder führen Forscher junge Waldrappe mit Ultraleichtflugzeugen rund tausend Kilometer bis in ihr Winterquartier in der Toskana. Die Reise in den Süden ist Teil eines Projekts des österreichischen Waldrappteams, das den im 17. Jahrhundert in Europa ausgestorbenen Europäischen Ibis (Geronticus eremita) in der Alpenrepublik wieder ansiedelt.

Quettings Ziel ist es, das Flugverhalten der Zugvögel mit sogenannten Biosensoren genauer zu untersuchen. Diese hochauflösenden GPS-Logger, die die Graugänse auf dem Rücken tragen, können in der Sekunde 20 Datensätze erfassen. So lassen sich etwa Frequenz und Schwingungsweite der Flügelschläge ermitteln.

Die Daten werden nach dem Flug ausgewertet. Das ist auch der Grund, weshalb für das Experiment zahme Gänse gebraucht werden. "Bei wilden Vögeln kämen wir nicht an die Daten", sagt Quetting. "Der Akku der Sensoren hält auch nur zwei Stunden."

Den Papa vergessen sie nie

Nemo, Nils, Gloria, Calimero und Maddin sehen nach der Flugstunde etwas müde aus, sie lassen sich ohne große Mühe wieder in den Käfig locken. "Wir fliegen momentan so drei oder vier Kilometer", sagt Quetting. Danach geht es mit ihrem "Papa" wieder zurück in den Auslauf beim Max-Planck-Institut - zum Kuscheln, Schwimmen, Futtern. Gänse-Socialising nennt Quetting das.

Bis Oktober wird er mit den Tieren fliegen - dann sollen die Gänse ausgewildert werden. Und wenn er sie in ein paar Jahren wiedertrifft? Würden sie ihn noch erkennen? "Ja", sagt Quetting. "Sie würden vielleicht nicht mehr ganz so nah an mich rankommen." Ihr "Gänsepapa" bleibt er aber ihr Leben lang - also bis zu 17 Jahre.

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jme/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Keine ganz neue Idee
kioto 17.08.2015
Ev. mal das Making OFF von Amy und die Wildgänse ansehen. mfg W. Barth
2. Angelika Hofer
MannAusBerlin 17.08.2015
Wir wollen auch nicht die Biologin Angelika Hofer vergessen. Sie hatte ebenfalls, bereits Ende er 80er Jahre, Graugänse groß gezogen und wurde von diesen als "Muttertier" akzeptiert. Ebenso unternahm sie, ich glaube mich zu Erinnern auch per Ultraleichtflugzeug, eine Reise nach Südamerika um den Gänsen das Fliegen und Zugverhalten beizubringen. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch veröffentlicht und sie wurde bei ihrer Arbeit von einem Filmteam der ARD begleitet. Beides wurde unter dem Titel "Tagebuch einer Gänsemutter" veröffentlicht. Vielleicht sollte SPON ihr im Nachhinein auch ein paar Zeilen widmen.
3. Gustav & Gundula Gans
cassandros 17.08.2015
Zitat von MannAusBerlinWir wollen auch nicht die Biologin Angelika Hofer vergessen. Sie hatte ebenfalls, bereits Ende er 80er Jahre, Graugänse groß gezogen und wurde von diesen als "Muttertier" akzeptiert. Ebenso unternahm sie, ich glaube mich zu Erinnern auch per Ultraleichtflugzeug, eine Reise nach Südamerika um den Gänsen das Fliegen und Zugverhalten beizubringen. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch veröffentlicht und sie wurde bei ihrer Arbeit von einem Filmteam der ARD begleitet. Beides wurde unter dem Titel "Tagebuch einer Gänsemutter" veröffentlicht. Vielleicht sollte SPON ihr im Nachhinein auch ein paar Zeilen widmen.
Die hat also in den 80er Jahren das nachgemacht, was Konrad Lorenz schon 40 Jahre vorgemacht hatte? - http://www.spiegel.de/einestages/nobelpreis-fuer-konrad-lorenz-gans-gross-gefeiert-a-948747.html - http://www.mdr.de/lexi-tv/tierwelt/artikel21044.html
4. Ja
Augustusrex 17.08.2015
Zitat von cassandrosDie hat also in den 80er Jahren das nachgemacht, was Konrad Lorenz schon 40 Jahre vorgemacht hatte? - http://www.spiegel.de/einestages/nobelpreis-fuer-konrad-lorenz-gans-gross-gefeiert-a-948747.html - http://www.mdr.de/lexi-tv/tierwelt/artikel21044.html
Alles in allem ja. Nur das Lorenz noch nicht mit seinen Gänsen oder Enten fliegen konnte.
5. Graugänse nach der Geburt?
Otziotzi 18.08.2015
Seit wann so umständlich? Früher sind Vogeljunge immer einfach aus Eiern geschlüpft.
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