Trotz Protest Regierung erlaubt Kohlehafen am Great Barrier Reef

In der Nähe des Great Barrier Reefs soll in großem Maßstab Kohle verschifft werden. Trotz Protesten hat die Regierung abgesegnet, dafür einen Hafen auszubauen. Australiens Umweltminister schwärmt sogar von einem positiven Klimaeffekt.


Die australische Regierung hat grünes Licht für den umstrittenen Ausbau eines Kohlehafens vor dem Great Barrier Reef gegeben. Das Projekt Abbot Point sei unter 30 Auflagen genehmigt worden, teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums mit. 1,1 Millionen Kubikmeter Schlamm müssen für das Projekt ausgehoben und an Land deponiert werden.

Die indische Firma Adani baut im Staat Queensland eine der größten Kohleminen der Welt. Um diese Kohle zu verschiffen, soll der Hafen von Abbot Point ausgebaut werden. Ursprünglichen Plänen zufolge sollten dafür sogar drei Millionen Kubikmeter Schlamm ausgehoben und in der Nähe des Great Barrier Reef versenkt werden. Diese Pläne wurden nach Protest von Umweltschützern geändert.

"Der gesamte Aushub wird an Land auf existierendem Industriegebiet deponiert", sagte die Sprecherin des Umweltministeriums. Nichts davon werde im Weltnaturerbe-Gebiet um das Great Barrier Reef landen. Der Hafen sei mindestens 20 Kilometer von dem berühmten Korallenriff entfernt; das Riff werde nicht beschädigt.

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Streit in Australien: Kohle und Korallen
"Gute australische Kohle"

Umweltminister Greg Hunt sagte dem Radiosender ABC, es sei ein gutes Gefühl, dass künftig gute australische Kohle zur indischen Stromerzeugung dienen werde, und nicht Kohle minderer Qualität. Wenn Indien keine australische Kohle verbrennen würde, sondern andere, "dann würden die Emissionen hochgehen, nicht runter". Der Klimaeffekt sei also positiv.

Die Betreiberfirma Adani aus Indien äußerte sich erfreut. Sie will 16,5 Milliarden australische Dollar (knapp 11,1 Milliarden Euro) investieren. Die Mine soll jährlich 60 Millionen Tonnen Kohle abwerfen. Damit wäre sie nach Regierungsangaben die größte in Australien und eine der größten weltweit. Adani wies darauf hin, dass der Abbau der Kohle in Queensland für 10.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze sorge und dem Bundesstaat Milliarden an Steuern und Gebühren einbringen werde.

"Unverantwortlich, unlogisch und unnötig"

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Entscheidung als "unverantwortlich, unlogisch und unnötig". Adani habe die 16 Milliarden Dollar gar nicht, niemand werde dem Unternehmen diese Summe leihen, und der Preis für Kohle gehe sowieso baden. Sogar die Internationale Energieagentur stelle das Projekt infrage.

Die Naturschutzorganisation WWF erinnerte daran, dass die Gewässer rund um Abbot Point Lebensraum für Seekühe, Meeresschildkröten und den Stupsfinnendelfin seien. Es sei enttäuschend, dass der Umweltminister das Projekt trotz der zu erwartenden Schäden genehmigt habe.

wbr/jme/AFP



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insgesamt 38 Beiträge
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unbekanntgeblieben 22.12.2015
1. Das Problem mit Politikern ...
Auf der einen Seite: Geld, Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, Rendite, ... Auf der anderen: Umweltverschmutzung, Ressourcenproblem und viele andere langfristige Schäden, die kaum abschätzbar sind. Befeuert von unserem Wirtschafts- und Finanzsystem, dem Hamsterrad für uns Menschen, die gemeinhin glauben, so wie es ist, ist es richtig ... Warum sind alle denn so dämlich? Das erstere ist ein Konstrukt, ein Model, eine Hilfe reale Prozesse abzubilden! Mit unübersehbaren Fehlern (längerer Transportweg, mehr Ressourcenaufwand, aber geringerer Preis; Geld das sich vermehrt) Das andere sehr reale Probleme. Man argumentiert doch immer wieder, dass der Umwelt- und Klimaschutz bloß nicht die Wirtschaft hemmen darf... Vielleicht sollte man denen alle mal Feuer und Öl zum Löschen geben ... die Intelligenz dahinter ist die selbe, nur mit geringeren Kollaterlaschäden.
spiegkom 22.12.2015
2. Dieselbe Organisation findet es toll
Unverantwortlich, unlogisch und unnötig" Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Entscheidung als "unverantwortlich, unlogisch und unnötig". Dieselbe Organisation findet es toll, wenn in D Windparks in FFH-Gebiete gebaut werden.
bobrecht 22.12.2015
3. Deratige Entscheidungen werden mit Schmiergeld bezahlt.
Es ist nicht zu fassen, welchen Blödsinn die Menschen weltweit durchsetzen. CO2-Reduktion und den Einsatz von nachhaltiger Energie ist in aller Munde, aber den Australiern geht das am A.... vorbei. Die ist umso erstaunlicher, als das Australien stets von extremen Trockenperioden betroffen ist. Zugleich zeigt dieses Beispiel die beschränkte Lernfähigkeit von Menschen, wenn es um "Kohle" geht.
windpillow 22.12.2015
4. Positiver Klima-Effekt?
Selbst die Aberkennung des Great Barrier Reefs als Weltkulturerbe wird Australien wenig beeindrucken. Auch als Dresden das Weltkulturerbe aberkannt wurde -wegen der mitten in die Landschaft gepflanzten Waldschlößchenbrücke, hat das die Verantwortlichen nicht im Mindesten gejuckt.
thanks-top-info 22.12.2015
5. LNG, liquified natural gas, statt Kohle
derzeit ist die neue Technik LNG, auf -160 Grad gekühlt und somit um 600 Fach geschrumpft, weltweit für Export auf dem Vormarsch. Ich verstehe nicht wie man bei den Emissionswerten noch auf Kohle setzen kann. Der LNG Preis ist an den des Öls geknüpft und somit ebenfalls im Keller. Dies hat bei den Hersteller Konzernen zu Folge, das sie über-produzieren müssen, um ihre Auslagen für die neuen Verflüssigungsanlagen zu decken. Man erwartet den Konkurs einiger dieser großen Konzerne
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