Great Barrier Reef Ferngesteuerte Kameras erfassen lebende Fossilien

Urzeitliche Haie, riesige Ölfische, Schwärme von Krebstieren: Forscher haben am australischen Great Barrier Reef spektakuläre Aufnahmen von Tiefseelebewesen gemacht. Erst ausgeklügelte Kameras machten die Beobachtungen überhaupt möglich.

AFP/ QBI

Sydney - Die Bilder zeigen prähistorische Fischarten und andere seltene Tiere in einer von Klimawandel und Ölpest bedrohten Lebenswelt, sagte Justin Marshall von der University of Queensland. Er ist Chef des Forscherteams, das die Tiere am sogenannten Osprey Reef auf ganz simple Art und Weise angelockt hatte - mit einem Thunfischkopf.

Ausgefeilt waren hingegen die ferngesteuerten Kameras der Forscher, die in 1400 Metern Wassertiefe Aufnahmen ohne künstliches Licht ermöglichten. So wurden die Fische nicht verschreckt. Nach Angaben der Wissenschaftler schwammen vor den Kameras einige uralte Fischarten, darunter eine Art Katzenhai mit einer - wie Marshall sagte - "ziemlich seltsamen Rückenflosse". Auch ein Nautilus zeigte sich. Der zur Familie der Perlboote gehörende Kopffüßer gilt als lebendes Fossil.

Bislang sei schlicht nicht bekannt gewesen, welche Lebensformen in dem Gebiet existierten, erklärte Marshall. "Jetzt sind die Kameras in der Lage, das Verhalten und das Leben in der größten Biosphäre Australiens, der Tiefsee, aufzunehmen." Innerhalb von zehn Beobachtungstagen im Juni habe man vermutlich zahlreiche neue Arten entdeckt. Es werde aber Jahre dauern, das herauszufinden.

Die Forschungen in dem Gebiet seien durch die Ölkatastrophe von Anfang April sowie durch die Erwärmung und Versauerung der Meere noch dringender geworden, sagte Marshall. "Wir wollen uns das Leben in der Tiefsee anschauen und entdecken, was es dort gibt, bevor wir es auslöschen."

Wissenschaftler warnen seit geraumer Zeit vor einer ernsten Bedrohung des 345.000 Quadratkilometer großen Great Barrier Reefs, des größten Korallenriffs der Welt, das mit seiner bunten Unterwasserwelt Taucher aus aller Welt anlockt. Am 2. April lief der chinesische Frachter "Shen Neng 1" auf dem Riff auf Grund, als er eine Abkürzung nehmen wollte. Dabei riss der Rumpf auf, und drei Tonnen Öl strömten in das als Weltnaturerbe gelistete Korallenriff.

Im März liefen in der Nähe des Riffs außerdem 200.000 Liter Schweröl aus, als ein Schiff bei einem Zyklon beschädigt wurde. Die australischen Forscher wollen ihre Spezialkameras nun auch in den Golf von Mexiko schicken - um die Folgen der Ölkatastrophe für die Unterwasserwelt zu dokumentieren. Im November dann wollen sie vor der Küste Südamerikas in Wassertiefen von zwei Kilometern nach Riesenkalmaren suchen.

chs/AFP



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