Millionen Larven umgesiedelt Forscher transplantieren Korallen am Great Barrier Reef

Erst fingen sie den Laich ein, dann brüteten sie die Eier aus und brachten die Larven in gefährdete Gebietet: Wissenschaftlern ist es gelungen, Korallen am Great Barrier Reef zu transplantieren.

EPA/ James Cook University/ DPA

Australische Forscher haben erfolgreich Korallenlaich aus einem Teil des Great Barrier Reef in einen anderen gefährdeten Teil umgesiedelt. Das Projekt könnte helfen, beschädigte Riffe weltweit wiederaufzubauen, erklärten die Wissenschaftler der australischen Southern Cross University.

Die Forscher hatten Ende vergangenen Jahres große Mengen an Korallenlaich vor der Insel Heron Island im südlichen Teil des Great Barrier Reefs gesammelt und in Tanks ausgebrütet. Die geschlüpften Larven - es waren mehrere Millionen - brachten sie in beschädigte Gebiete, die sich möglicherweise nicht von alleine erholen würden.

Schon Tage später konnten die Wissenschaftler beobachten, dass erste Polypen überlebt hatten und begannen, sich anzusiedeln, berichtet "ABC News". Zwölf Monate später konnte das Forscherteam junge Korallen nachweisen, die den Umzug überlebt und im Schutz von Netzwänden gewachsen waren.

Das erfolgreiche Projekt ließe sich nicht nur für das Great Barrier Reef anwenden, sondern habe möglicherweise globale Bedeutung, sagte Teamleiter Peter Harrison in einer Mitteilung seiner Universität. "Es zeigt, dass wir beginnen können, beschädigte Korallenpopulationen wiederaufzubauen und zu reparieren." Dies gelte vor allem für Regionen, in denen die natürliche Vermehrung der Korallenlarven gefährdet sei.

400 Korallenarten, 1500 Fischarten, 4000 Weichtierarten

Laut Harrison handelt es sich bei der Transplantation von Korallenlarven um eine neue Methode der Korallenvermehrung. Bei ihren Versuchen war die Umsiedlung zum ersten Mal in Australien geglückt, zuvor hatte es einen erfolgreichen Versuch vor der Küste der Philippinen gegeben. Beim sonst genutzten "Anbau von Korallen" werden etwa Ableger gesunder Korallen abgetrennt und an anderen Stellen ins Riff gesteckt, in der Hoffnung, dass sie wieder wachsen.

Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen ein - von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit ihre Farbe. Dauert diese Situation zu lange an, sterben die Korallen vollständig ab.

Das Great Barrier Reef vor Australiens Nordostküste ist mit einer Länge von 2300 Kilometern das weltweit größte Korallenriff. Es besteht aus 400 unterschiedlichen Korallenarten und beherbergt 1500 Fischarten sowie 4000 Arten von Weichtieren. Zudem leben dort viele gefährdete Tiere wie der Dugong (Seeschwein) oder die Große Grüne Meeresschildkröte. Die Unesco hatte das Riff 1981 zum Weltnaturerbe erklärt.

Der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane bedrohen das Ökosystem jedoch. Auch die Wasserverschmutzung durch Schifffahrt und Landwirtschaft in der Nähe der Küste spielen eine Rolle bei der Zerstörung der Korallen. Aktuell erlebt das Great Barrier Reef die stärkste Bleiche seiner Geschichte. Allein im Jahr 2016 sind laut Wissenschaftlern 29 Prozent der Flachwasserkorallen abgestorben.

irb/AFP



insgesamt 7 Beiträge
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Kurt-C. Hose 26.11.2017
1. Lächerlich
Das Korallensterben ist eine unmittelbare Folge der Klimaerwärmung. Wer dagegen etwas tun will, muss den CO2-Ausstoss verringern. Korallen umzusiedeln ist reine Kosmetik.
joergzs 26.11.2017
2. Die geschlüpften Larven - es waren mehrere Millionen
Es werden wohl ein paar Potenzen mehr gewesen sein. Der Prof. schrieb ja auch ein bisschen was anderes: "He sees great promise in the mass larval restoration approach and says it has the potential to make a difference to reef recovery on a larger scale using natural coral spawn slicks that contain many millions of larvae from different coral species."
Celegorm 26.11.2017
3.
Zitat von Kurt-C. HoseDas Korallensterben ist eine unmittelbare Folge der Klimaerwärmung. Wer dagegen etwas tun will, muss den CO2-Ausstoss verringern. Korallen umzusiedeln ist reine Kosmetik.
Klimaveränderung bzw. Wärmeereignisse sind zwar sicherlich ein wichtiger Faktor, allerdings nur einer von verschiedenen. Wenn man alles andere ausblendet, macht man es sich darum zu leicht, insbesondere da andere Ursachen leichter und direkter zu beeinflussen wären. Dem Great Barrier Reef etwa setzt ein ganzes Bündel an Stressoren zu, zu welchen u.a. der Sedimenteintrag, Schadstoffe und physische Beschädigung durch Landwirtschaft, Kohleindustrie, Schifffahrt und Tourismus gehört. Wärmeereignisse sind zudem zwar häufiger und intensiver geworden, sind aber nach wie vor einzelne Vorkomnisse die nur alle paar Jahre ein grösseres Ausmass erreichen. In solchen Situationen das Riff zu stabilisieren indem man bei einer möglichst raschen Wiederbesiedlung mithilft, kann durchaus sinnvoll sein.
phoenix68 27.11.2017
4. Warum gleich laecherlich?
Zitat von Kurt-C. HoseDas Korallensterben ist eine unmittelbare Folge der Klimaerwärmung. Wer dagegen etwas tun will, muss den CO2-Ausstoss verringern. Korallen umzusiedeln ist reine Kosmetik.
Die Ursache des Korallensterbens ist multi-faktoriell, z.B. Umweltverschmutzung, Ueberduengung, Wirbelstuerme (es ist seit langem bekannt, dass nach jedem Wirbelsturm ein Teil des Riffs stirbt) und auch Klimaerwaermung. Sicher, es ist ungemein wichtig die Ursachen eines jeden Faktors zu bekaempfen; macht das den Versuch der Transplantation laecherlich? Ich denke, die Korallenriffe haben jede Hilfe noetig.
thequickeningishappening 27.11.2017
5. In den Philippinen war die Ursache Dynamite fishing
Die Ursache am Barrier Reef ist durch Klimawandel verursachte Meereserwaermung! Dynamite fishing kann man verbieten, Das Meer laesst sich nicht per Gesetz abkuehlen!
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