Satellitenbild der Woche Bleichgesicht

Aus dem All mag das Great Barrier Reef vor Australien noch ganz passabel aussehen - doch vor Ort sind die Zustände höchst problematisch. Und Besserung ist nicht in Sicht.

ESA


Es ist ein alarmierender Befund, die Tragweite kaum zu ermessen. Denn die meisten großen Korallenriffe rund um die Welt sind nach Einschätzung von führenden Wissenschaftlern durch Umwelteinflüsse auf Dauer beschädigt. "Die Riffe werden nie wieder in den Zustand gebracht werden können, in dem sie früher einmal waren. Das ist keine Option mehr", so Korallenforscher um den Australier Terry Hughes in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature". Als Negativbeispiel nennen sie das weltgrößte Korallenriff Great Barrier Reef vor Australien.

Dieses Bild des europäischen Satelliten "Sentinel 2-A" zeigt einen Teil des insgesamt rund 350.000 Quadratkilometer großen Great Barrier Reefs. Das Bild entstand am 1. April, wurde aber erst jetzt veröffentlicht. Und selbst wenn aus dem All auf den ersten Blick alles soweit gut aussehen mag: Dem Riff, der größten aus Lebewesen bestehenden Struktur der Erde, geht es katastrophal. Es ist großflächig bleich.

Inzwischen gibt es am Great Barrier Reef viele Kilometer weit weiße Korallenstöcke. Zur Erinnerung: Korallen sind Nesseltiere, die mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen leben. Bei hohen Wassertemperaturen werden die Algen giftig, die Korallen stoßen sie ab - und verlieren ihre Farbe.

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Great Barrier Reef: Das große Sterben

Studien zufolge dauert es mindestens fünf Jahre, bis sich ein Riff von einer Bleiche erholt. Am Great Barrier Reef ist es nun allerdings schon an zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu dem Phänomen gekommen. Allein im Jahr 2016 starben dabei 29 Prozent der Flachwasserkorallen ab. Für dieses Jahr haben Forscher kaum Hoffnung auf Besserung.

Als weitere schädliche Einflüsse für die Riffe der Welt sehen Forscher die Überfischung und Verschmutzung der Meere. Ziel müsse nun sein, weitere Zerstörungen zu vermeiden. "Die Riffe der Zukunft werden radikal anders sein als heute oder vor 30 Jahren", schreiben die Forscher um Terry Hughes, der an der australischen James Cook University lehrt. Das Fazit des Forschers: "Wir glauben, dass wir sie noch retten können. Aber wir müssen schnell handeln."

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

chs/dpa

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