Australien: Zerstörung des Great Barrier Reef begann mit europäischen Siedlern

Der Schwund ist dramatisch: Das Great Barrier Reef hat in den vergangenen Jahrzehnten große Teile seiner Korallen eingebüßt. Die Zerstörung stehe zwar erst seit wenigen Jahren im Blickfeld der Öffentlichkeit, berichten Forscher. Tatsächlich habe sie aber schon Jahrzehnte früher begonnen.

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Luftaufnahme: Die Zerstörung des Great Barrier Reef begann früher als bekannt

Die küstennahen Anteile des Great Barrier Reef begannen mit der Ankunft der europäischen Siedlern im 19. Jahrhundert Schaden zu nehmen. Das berichten Forscher um George Roff von der australischen Universität von Queensland. Infolge der Landwirtschaft gelangten über die Zuflüsse mehr Sedimente und Nährstoffe ins Meer, schreiben sie in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Dies schädigte die Korallen und machte sie anfälliger für Stürme und andere schädliche Umwelteinflüsse, heißt es weiter. Die Siedler hatten sich um 1870 an der Küste des australischen Queensland niedergelassen.

Roff und seine Kollegen begutachteten an einigen Stellen die küstennahen Riffe um Pelorus Island und entnahmen dort Proben. Die Insel befindet sich im Zentrum des Great Barriere Reef und in der Nähe des australischen Festlands. Die Forscher bestimmten die Artenzusammensetzung sowie das Alter der abgestorbenen und der noch lebenden Korallen. Das "Korallenarchiv" reichte bis ins 3. Jahrhundert zurück.

Acropora-Korallen starben schon 1920

Die Auswertung zeigte, das die Riffe bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem von Steinkorallen der Gattung Acropora aufgebaut wurden. An den abgestorbenen Korallen zeigte sich, dass sie früher dick und stark verzweigt waren. Die jüngeren und noch lebenden Exemplare waren dünner und weniger verzweigt, so wie es für die frühen Entwicklungsstadien nach einer Störung am Riff typisch ist. Insgesamt waren die Arcopora-Korallen jedoch seltener geworden und andere Arten wuchsen am Riff, schreiben die Forscher.

Die Analyse zeigte weiter, dass ein Großteil der Acropora-Korallen zwischen 1920 und 1955 abgestorben war. Im gleichen Zeitraum habe es eine Reihe von Temperaturanomalien und einige starke Tropenstürme gegeben. Die Forscher glauben, dass der vermehrte Eintrag von Nährstoffen, Sedimenten und auch von Düngemitteln aus Landwirtschaft und Viehhaltung wie ein chronischer Stressfaktor gewirkt und die Korallen geschwächt habe. Eine Erholung von Fluten oder Sturmschäden sei dann nicht wie sonst möglich gewesen.

Schon vor der schweren Korallenbleiche 1998 und 2002 und vor Beginn des kontinuierlichen Monitorings der Riffe seit den 1980er Jahren hatten sich diese erheblich verändert, folgern die Forscher. Dies müsse berücksichtigt werden, wenn heute Veränderungen der Riffe oder die Entwicklung der Korallen untersucht werden.

Erst im Oktober war bekannt geworden, dass das Korallensterben am Great Barrier Reef dramatischer ausfällt als bislang angenommen. In den vergangenen 27 Jahren ist die Korallendecke um über 50 Prozent geschrumpft, berichteten australische Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Den Daten zufolge ist die Korallendichte im Great Barrier Reef seit 1985 von 28,0 auf 13,8 Prozent zurückgegangen.

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Welt. Es erstreckt sich über 345.000 Quadratkilometer und umfasst mehr als 3000 einzelne Riffe. Seit 1981 zählt es zum Weltnaturerbe der Unesco.

nik/dpa

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