Great Barrier Reef "Null Aussicht auf Erholung"

Das einst so bunte größte Korallenriff der Welt droht, für immer zu verblassen. Nach der Korallenbleiche im vergangenen Jahr hat es diesmal die Mitte des Riffs getroffen. Forscher warnen, das Ökosystem könnte für immer zerstört sein.

REUTERS/ Brett Monroe Garner/ Greenpeace

Das Korallensterben am australischen Great Barrier Reef geht weiter: Eine außergewöhnlich starke Korallenbleiche in diesem und im vergangen Jahr hat zwei Drittel des Korallenriffs beschädigt, wie eine Bestandsaufnahme aus der Luft zeigt. Australische Forscher hatten fast 800 Korallenriffe über eine Länge von 8000 Kilometer untersucht. Sie warnen, die betroffenen Gebiete hätten so gut wie keine Chance mehr, sich wieder zu erholen.

Im vergangenen Jahr waren in erster Linie die nördlichen Gebiete des Great Barrier Reefs betroffen, in diesem Jahr zeigte das mittlere Drittel die schwersten Schäden. Allein der südliche Teil sei noch unberührt, sagte der Meeresbiologe James Kerry von der James Cook University. Insgesamt seien 1500 Kilometer des mit 2300 Kilometern Länge größten Ökosystems der Welt betroffen.

Die Korallenbleiche führe nicht unweigerlich zum Absterben der Korallen, sagte Kerry. Doch selbst schnell wachsende Korallen benötigten mindestens ein Jahrzehnt, um sich komplett zu erholen - für die Teile des Riffs, die dem Phänomen nun schon zwei Mal binnen zwölf Monaten ausgesetzt seien, bedeute dies "null Aussicht auf Erholung".

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Korallenriff: Aus Bunt wird Grau

Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen ein - von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit auch ihre Farbe. Dauert diese Situation zu lange an, sterben die Korallen vollständig ab. Bei kühleren Wassertemperaturen können sich die lebensnotwendigen Algen aber wieder in den Korallen ansiedeln. Wie hoch der Schaden wirklich ist, wird sich deshalb erst in den kommenden Jahren zeigen.

"Es bleibt nicht viel Zeit"

Nach Angaben des Korallen-Experten Terry Hughes ist vor allem der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane für die jüngste Korallenbleiche verantwortlich. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hingen die hohen Wassertemperaturen dieses Mal nicht mit dem Wetterphänomen El Niño zusammen, fügte Hughes hinzu. Er warnte, weiter steigende Temperaturen könnten das Phänomen noch verschärfen. Auch der Wirbelsturm Debbie, der vor gut zwei Wochen an Australiens Küste wütete, habe zu den Schäden beigetragen.

"Das Riff hat offensichtlich gegen verschiedenste Umwelteinflüsse zu kämpfen. Am akutesten ist aber zweifellos der Klimawandel", erklärte Hughes. Schon der weltweite Anstieg der Temperaturen um ein Grad Celsius habe zu vier Bleichen binnen 19 Jahren geführt, jede weitere Erwärmung werde den Prozess beschleunigen. Ohne einen globalen weltweiten Abbau von Treibhausgasen sei dies aber nicht möglich, sagte Hughes. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, mahnte er.

koe/AFP



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Dr.W.Drews 10.04.2017
1. Ernsthafter Naturschutz?
Ernsthafter Naturschutz hat in Australien sowieso noch nie stattgefunden. Australien fördert große Mengen Kohle und auch Deutschland hat alle wissenschaftliche gebotenen Schritte abgesagt. Allein schon die Automobilindustrie und ihre Kunden treten den Klimaschutz mit Füßen. Und der Streit, ob der Wandel nun natürlich oder menschengemacht ist, hat keine Relevanz. Auch eine natürliche Klimaschwankung zerstört die Umwelt die der Mensch für seine Existenz mit 7 Mrd. Individuen braucht. Wenige Millionen Menschen könnten auch sehr gut mit halbtoten Weltmeeren leben. Aber eben keine wachsende Weltbevölkerung von 7 Mrd. Menschen.
ctwalt 10.04.2017
2. Da muss ich ja noch mal schnell hin
am Besten mit einem Kreuzfahrtschiff oder mit einem Billigflieger....... Die extreme CO2 Produktion ist keinesfalls verantwortlich für eines dieser bitteren "Phänomene"
permissiveactionlink 10.04.2017
3. Viertel nach Zwölf
Der verheerenden Erfindungen eines unglückseligen Erfinders namens Thomas Midgley jun. aus dem US Bundesstaat Ohio konnte sich die Menschheit wohl gerade noch rechtzeitig und hoffentlich endgültig entledigen : Fluorchlorkohlenwasserstoffe und Tetraethylblei. Erstaunlich schnell wurden diese Substanzen weltweit, aber bis heute leider nicht vollständig, verbannt. Die Vernichtung der Ozonschicht und die erhöhten Bleikonzentrationen in der Umwelt stellten ein nicht mehr akzeptables Risiko dar. Aber die Zeiten ändern sich gerade : Auf den Rat von Fachleuten gibt man nicht mehr viel, und für einige Foristen auch hier in den Foren existiert kein Klimawandel. Nicht einmal Fachleute können Sie eines Besseren belehren. Gab es nicht schon immer Klimawandel ? Und wenn die Korallenriffe sterben, waren die dann nicht evolutiv gesehen einfach fällig ? Die Verringerung der Kohlendioxidemissionen dürfte mit weitaus größeren Einschränkungen für den Lebensstandart verbunden sein, als der Verzicht auf unbrennbare Treibgase oder Antiklopfmittel. Dieser Verzicht ist aber sehr unpopulär, nicht nur bei den Bürgern, sondern besonders bei all jenen, die an dem Verkauf und der Verbrennung fossiler Brennstoffe mächtig Reibach machen ! Wenn wir nicht bald handeln und die Verantwortung wieder jenen Menschen übertragen, die sich mit den Themen auskennen, und die Deutungshoheit endlich denen entreißen, die mit der Verbrennung fossiler Energieträger sehr viel Geld verdienen und uns durch gezielte Desinformation verdummen, dann wird es bald keine Hotspots der Artenvielfalt mehr in den tropischen Korallenriffen geben. Mit dann freundlicher Unterstützung von Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, Petrochina, Chevron, Total, B(ritish)P(etrol), Occidental Petrolium, ENI, Gazprom, Statoil und anderen.
wilam 10.04.2017
4. inzwischen läuft das überall
Wir haben die Bodenbleiche und die Grundvergiftung. Dazwischen stolziert das frischgebadete Schmidtchen herum und lässt sich nicht mal durch EU-Klagen Beine machen. Waldsterben wird durch Abholzung bekämpft, Austrocknung durch Müll und CO2-Mangel durch Rauch verhindert. Nein, die sieben Milliarden haben damit nichts zu tun, auch nicht mit Krieg und Hunger, wir machen noch elfe draus. Man kann nur noch zugucken, wer gewinnt: Krieg und Hunger oder das Schwinden bewohnbarer Regionen.
xxbigj 10.04.2017
5. Danke!
Blöde Natur! Macht einfach nicht das was wir von Ihr wollen...Ich denke aber mal, dass es mit der Kohlekraft bald wieder aufwärts geht und dann auch die Umwelt sich wieder erholt. Die Natur ist es nicht mehr gewöhnt, dass die Umgebung "sauber" ist. Da muss wirklich was getan werden. Nochmal ein großes Dankeschön an Euch alle die Jahrezehnte lang die Energiepolitik der Union mit getragen haben. Schön die Welt zerstören auf Kosten der jungen Generationen. Und A-Müll für die nächsten 100 te Jahre hinterlassen.
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