Nazca-Linien in Peru Greenpeace entschuldigt sich für Kulturverschmutzung

Aktivisten haben neben die rund 2000 Jahre alten Nazca-Linien Umweltslogans geschrieben - zum Unmut der peruanischen Regierung. Nun eilt der Greenpeace-Chef persönlich zur Entschuldigung nach Lima.

REUTERS

Lima/Hamburg - Auf seiner Homepage zeigt Greenpeace auch am Donnerstagmorgen noch demonstrativ Stolz über den Scoop: Im Vorfeld der Uno-Weltklimakonferenz in Lima haben Aktivisten aus sieben Ländern die mehr als tausend Jahre alten Nazca-Linien in der peruanischen Wüste mit einem Slogan versehen: "Time for Change! The Future is Renewable" - zu Deutsch: "Zeit für Veränderungen! Die Zukunft ist erneuerbar" - lautet die Botschaft aus riesigen, gelben Stoff-Buchstaben.

Die Aktion richte sich an die Teilnehmer des Klimagipfels, so die Begründung von Greenpeace. In den rätselhaften Bodenbildern sieht die Organisation auch einen inhaltlichen Zusammenhang - denn die Kultur der Nazca-Indianer, die die riesigen Symbole in den Wüstenboden scharrte, sei durch einen regionalen Klimawandel untergegangen.

Doch inzwischen hält Greenpeace die spektakuläre Aktion offenbar nicht mehr für solch eine gute Idee. Nach scharfen Protesten der peruanischen Regierung kündigte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch an, ihr Chef Kumi Naidoo werde persönlich nach Lima reisen, um sich zu entschuldigen. Überdies werde man die Konsequenzen akzeptieren.

Vor 90 Jahren wurden die Nazca-Linien in der Wüste Perus entdeckt. Es handelt sich um teils mehrere Hundert Meter große, in den Wüstenlack gescharrte Bilder von Menschen und Tieren, vor allem Vögeln. Sichtbar werden die Symbole zumeist nur aus großer Höhe. Entstanden sind sie im Zeitraum von 500 vor Christus bis 500 nach Christus und zählen zum Unesco-Weltkulturerbe. Die etwa 20 Greenpeace-Aktivisten hatten den Slogan in der Nähe eines Kolibri-Bildes platziert.

Nun müssen sie sich auf harte Strafen vorbereiten. Perus stellvertretender Kulturminister Luis Jaime Castillo forderte die Staatsanwaltschaft auf, Anklage wegen des "Angriffs auf archäologische Denkmäler" zu erheben - ein Straftatbestand, der mit bis zu sechs Jahren Haftstrafe geahndet werden kann.

Der Zugang zu der Gegend um die Nazca-Linien ist streng verboten. Castillo zufolge dürften sich selbst Präsidenten und Minister nur nach einer Ausnahmegenehmigung und mit Spezialschuhen bekleidet den Linien nähern. Was die Aktivisten getan hätten, sei eine Beleidigung für "alles, was Peruaner als heilig erachten".

In einer ersten Reaktion auf Kritik an der Aktion hatten die Greenpeace-Aktivisten noch beteuert, sie seien "absolut achtsam" vorgegangen. Wenig später jedoch bat die Organisation unmissverständlich um Entschuldigung. "Wir verstehen voll und ganz, dass das schlecht aussieht", teilte Greenpeace am Mittwoch mit. Man mache einen groben und rücksichtslosen Eindruck.

Man werde mit den Ermittlern kooperieren und sei "gewillt, faire und vernünftige Konsequenzen" zu tragen. Auch der Chef der Greenpeace-Delegation bei der Weltklimakonferenz, Martin Kaiser, sagte, er gehe davon aus, dass Aktivisten immer die Verantwortung für ihr Handeln übernähmen. Man habe klar unterschätzt, wie sensibel die Angelegenheit sei.

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fdi/AP

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insgesamt 61 Beiträge
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reever_de 11.12.2014
1. Was ich mich immer frage ...
Wer räumt eigentlich den Dreck hinterher weg oder wer bezahlt die Aufräumungsarbeiten wenn die Damen und Herren Aktivisten irgendwelchen Dreck medienwirksam vor öfffentliche Gebäude auskippen? Aber, naja, ich ahne es schon ...
disi123 11.12.2014
2. Landebahnen
Waren das nicht Landebahnen fuer die Ausserirdischen?
Robert_Rostock 11.12.2014
3. Ha'm wir hier schlechtes Klima, fahr'n wir sofort nach Lima!
Tja, so ist das, wenn man sich selbst für die unfehlbaren Guten hält, der für die Rettung der Welt kämpft und daher alles darf... Ich will doch hoffen, dass der Greenpeace-Chef für die Anreise nach Lima ein umweltfreundliches Verkehrsmittel nutzt, also Eisenbahn oder Segelboot und Fahrrad.
Ishibashi 11.12.2014
4. Archäologische Kulturgüter
sind eben nicht "renewable". Völlig abwegige Aktion von Greenpeace.
Meskiagkasher 11.12.2014
5. Es sind ja nur Stoff-Buchstaben.
Ich hatte schon gefürchtet, es sei Farbe verwendet worden. Mit Stoff-Buchstaben ist die Aktion wenigstens eine Schlagzeile wert.
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