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Grenzen des Katastrophenschutzes: Deutsche Küstenstädte fürchten den Sieg der Flut

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Die Wucht von Sturmtief "Xynthia" zeigt: Selbst Industrieländer sind nicht vor Überflutungen sicher. In Deutschland pumpen Bund und Länder jährlich Hunderte Millionen Euro in den Küstenschutz. Doch am Ende könnte nur noch eines helfen - Deiche auf und fluten.

Küstenschutz: Neue Strategien gegen Sturmfluten Fotos
DPA

Es schien, als hätten sich die Meereskundler zur Friedensverhandlung versammelt. "Die kriegsähnliche Konfrontation zwischen Land und See", sagte Küstenforscher Karsten Reise auf einer internationalen Expertentagung am Wochenende auf Sylt, müsse in einen "Zustand der Kooperation" überführt werden. Das Timing der Konferenz wirkt beinahe schon unheimlich: Während die Fachleute über den Küstenschutz debattierten, ertranken in Frankreich Dutzende Menschen in den Fluten, die Sturmtief "Xynthia" an die Atlantikküste rollen ließ.

Die europäischen Küstenbewohner, so wirkt es, hissen die weiße Flagge. Der unerbittliche Anstieg des Meeres zwingt sie zum Einlenken, man gibt sich kompromissbereit: Die Deiche sollten örtlich geöffnet, dem Meer freier Lauf gelassen werden, fordert Karsten Reise, der an der Wattenmeerstation auf Sylt arbeitet. Auf diese Weise würde die Nordsee zum Verbündeten: Sie würde Schlick in die Marsch spülen, das Land könnte mit dem Meeresspiegelanstieg Schritt halten. In den Überflutungsgebieten müssten Häuser und Straßen auf Anhöhen stehen.

Anschwellende Meere bedrohen Küstenstädte

Ein Grund für die Aktivität ist der Pegelanstieg der Meere, der weltweit Küstenstädte bedroht - auch an der Nordsee. Dort habe sich der Anstieg in den vergangenen 40 Jahren beschleunigt, berichten Wissenschaftler um Thomas Wahl von der Universität Siegen. Seit 1900 sei die Nordsee um 20 Zentimeter angeschwollen. Die Behörden hätten nach jahrelangem Zögern nun "ihre Überheblichkeitabgelegt und sich des Themas Küstenschutz endlich angenommen", sagt Michael Schirmer, Deichhauptmann in Bremen.

Die Regierung von Niedersachsen will die Deiche nun sogar zum Dauerthema machen. Sie hat häufige Qualitätskontrollen beschlossen: Künftig soll der Stand des Küstenschutzes alle zehn Jahre überprüft werden, sagte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) zu SPIEGEL ONLINE. Bislang kamen die Deiche erst nach etwa 30 Jahren auf den Prüfstand.

Bislang begegnen die Anrainer der wachsenden Bedrohung schlicht mit Aufrüstung. Mit immer höheren Deichen versuchen sie, sich zu schützen. Doch der Küstenschutz belastet die Staatsfinanzen erheblich. In den kommenden 16 Jahren will der Bund jedes Jahr rund 140 Millionen Euro für den Küstenschutz ausgeben. 2009 legten die betroffenen Bundesländer noch einmal 51 Millionen oben drauf, so dass sich die Gesamtsumme von knapp 191 Millionen Euro für 2009 ergibt. Insgesamt kosteten die Maßnahmen für Bremen 12 Millionen, für Mecklenburg-Vorpommern 20 Millionen, für Hamburg 27,4, für Schleswig-Holstein 58,5 und für Niedersachsen 73 Millionen Euro.

Ein Viertel Schleswig-Holsteins von Fluten bedroht

Doch trotz aller Maßnahmen birgt jede Sturmflut Gefahr: Ein Viertel Schleswig-Holsteins wäre beim Versagen der Deiche von Überflutung bedroht, ergab 2003 eine Studie des Forschungszentrums Westküste in Büsum. Auch in Niedersachsen bietet eine weite Tiefebene der Nordsee im Katastrophenfall viel Platz.

Nach jahrelangem Streit haben sich Wissenschaftler und Politiker nun auf neue Küstenschutzkonzepte einigen können. Die betroffenen Länder folgen neuen Strategien im Kampf gegen die Fluten. Sie erhöhen ihre Deiche derzeit um bis zu einen halben Meter, manche Steinmauern werden gar um einen Meter erhöht. "Klimazuschlag" nennen die Verantwortlichen die Aufrüstung.

Die Maßnahmen reichten aus, heißt es in einem aktuellen Gutachten des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht: Bis 2030 wäre die deutsche Küste auch bei steigendem Meeresspiegel vor den meisten Sturmfluten gefeit. Ausgenommen sind aber Fluten extremen Ausmaßes, die statistisch nur alle paar Jahrhunderte vorkommen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Endlich haben die Klimawandelleute wieder etwas.
newright 01.03.2010
Der Artikel ist wirklich interessant, wird doch propagiert das es Sturmfluten nicht schon immer gab. Auf einmal wird der Meeresanstieg nur noch teilweise mit dem CO2 erklärt, sondern es spielen noch andere Daten mit herein. Ich hoffe doch das diese Daten auch in die Computermodelle einfließen. In Skandinavien wird dann wohl, wenn es einen Meeresanstieg durch CO2 geben sollte alles beim Alten bleiben. Aber richtig gut finde ich, das es auf einmal nicht mehr um Klima geht. Wir haben doch alle gelernt das der Winter nichts mit dem Klima zu tun hatten sondern das Wetter und das Klima nur langfristig angeschaut werden. Jetzt haben wir einmal wieder einen Orkan und schon ist das Klima ziemlich zeitlich begrenzt wirksam. Ich kann mich an Jahre erinnern vor der Jahrtausendwende da hatten wir mehrere solcher Orkane im Jahr. Und es sei zum Schluß noch an das Hochwasser in Hamburg erinnert oder das Jahrhundert Hochwasser an der Elbe. Hochwasser ist normal. Aber da CO2isten ja Gott spielen wollen können sie sich mit Normalitäten die sie nicht ändern können nicht anfreunden, dann gibt es weniger Geld. Wir haben zwischen 4 und 10 Millionen Arbeitslose wie wäre es wenn wir das Geld das durch den Klimawandel verbrannt wird in Infrastruktur stecken? Infrastruktur ist
2. Endlich haben die Klimawandelleute wieder etwas.
newright 01.03.2010
Der Artikel ist wirklich interessant, wird doch propagiert das es Sturmfluten nicht schon immer gab. Auf einmal wird der Meeresanstieg nur noch teilweise mit dem CO2 erklärt, sondern es spielen noch andere Daten mit herein. Ich hoffe doch das diese Daten auch in die Computermodelle einfließen. In Skandinavien wird dann wohl, wenn es einen Meeresanstieg durch CO2 geben sollte alles beim Alten bleiben. Aber richtig gut finde ich, das es auf einmal nicht mehr um Klima geht. Wir haben doch alle gelernt das der Winter nichts mit dem Klima zu tun hatten sondern das Wetter und das Klima nur langfristig angeschaut werden. Jetzt haben wir einmal wieder einen Orkan und schon ist das Klima ziemlich zeitlich begrenzt wirksam. Ich kann mich an Jahre erinnern vor der Jahrtausendwende da hatten wir mehrere solcher Orkane im Jahr. Und es sei zum Schluß noch an das Hochwasser in Hamburg erinnert oder das Jahrhundert Hochwasser an der Elbe. Hochwasser ist normal. Aber da CO2isten ja Gott spielen wollen können sie sich mit Normalitäten die sie nicht ändern können nicht anfreunden, dann gibt es weniger Geld. Wir haben zwischen 4 und 10 Millionen Arbeitslose wie wäre es wenn wir das Geld das durch den Klimawandel verbrannt wird in Infrastruktur stecken? Infrastruktur ist auch Küstenschutz.
3. Was soll denn diese Panikmache?
stanis laus 01.03.2010
Nichts zu tun? "Doch am Ende könnte nur noch eines helfen - Deiche auf und fluten."
4. Orte schützen - nicht die Flächen.
festuca 01.03.2010
Die für den Küsten- und Hochwasserschutz zustandigen Behörden sind ein riesiger Wasserkopf, der ab und zu seine Existenzberechtigung nachweisen muss. Solche Planspiele sind im Fall einer Verwirklichung eine gigantische Geldverbrennung und langfristig nutzlos. Wie sagte Helmut Kohl nach dem Oderhochwasser? Gebt den Flüssen mehr Raum - passiert ist Nix. Einfach mal Hirn einschalten anstatt noch mehr zu verbauen. Oder muss erst wirklich wieder eine "große Manndränke", wie schon im Mittelalter, kommen.
5. Alarmismus
Steppenwoolf, 01.03.2010
Ehrlich gesagt, bestätigt dieser Artikel wieder die zunehmende Tendenz von spon, der Bildzeitung aktiv Konkurrenz zu machen. Mit reißerischer Berichterstattung und Zitaten zahlreicher "Experten" (natürlich immer der "Richtigen")wird Alarmismus erzeugt. Natürlich immer mit der Haltung, "wir" haben den Finger auf die Wunde gelegt. Küstenschutz war und ist für die Küstenländer immer existentiell. In Nordfriesland ist die Hälfte der Bewohner (zugegeben etwas stark übertrieben) mit Küstenschutz beschäftigt. Und das die Nordseeküste ständig stärker besiedelt wird, geht wirklich an der Realität vorbei. Gruß aus Kiel (noch immer ohne nasse Füsse) -Steppenwoolf-
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