Grönland: Neue Regierung will Uranabbau erlauben

Hafen von Nuuk (im März 2013): Rohstoffabbau soll erleichtert werden Zur Großansicht
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Hafen von Nuuk (im März 2013): Rohstoffabbau soll erleichtert werden

Im Boden von Grönland schlummern große Mengen an Bodenschätzen, zum Beispiel Seltene Erden. Doch wer sie abbauen will, hat es in vielen Fällen auch mit Uran zu tun. Bisher durfte das aber nicht gefördert werden. Die neue Regierung will dieses Verbot nun lockern.

Nach Jahrhunderten unter dänischer Herrschaft will Grönland möglichst bald unabhängig werden - ein Abkommen im Jahr 2009 hat den Weg dafür frei gemacht. Doch real werden die Träume von kompletter Eigenständigkeit nur, wenn das Land über genügend eigene Einkünfte verfügt. Durch den Verkauf von Rohstoffen sollte sich das eigentlich regeln lassen. Schließlich verfügt Grönland, wo der Klimawandel die Gletscher schmelzen lässt, neben Öl und Erzen auch über große Vorkommen an Seltenen Erden.

Die werden bisher fast ausschließlich in China gefördert, was zwischenzeitlich zu einer Verknappung und hohen Preisen auf den Weltmärkten führte. Ein Abbau in Grönland könnte also attraktiv sein. Doch dabei würde auch Uran anfallen - und das darf nach geltender Gesetzeslage auf der Insel nicht gefördert werden. Die neue Regierung unter Ministerpräsidentin Aleqa Hammond hat nun aber angekündigt, dieses Verbot lockern zu wollen. Das berichtet die Online-Ausgabe der Zeitung "Sermitsiaq".

Bei den Wahlen vor einer Woche hatte Hammond, 47, mit ihrer Partei Siumut gegen den linkssozialistischen Regierungschef Kuupik Kleist, 54, gewonnen. Sie will am Freitag eine Koalition mit der konservativen Atassut sowie der neuen Partei Inuit vorstellen. Im neuen Parlament verfügen die drei Parteien über 18 der 31 Sitze.

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Hammonds Sozialdemokraten waren im Wahlkampf wie auch Atassut für eine Aufhebung des bisherigen Totalverbots beim Abbau von Uran eingetreten. Dem schloss sich Inuit jetzt an. Hammond will auch die von Kleists Regierung ausgehandelten Bedingungen für den geplanten Abbau von Eisenerz durch chinesische Billigarbeiter neu verhandeln - und von ausländischen Investoren mehr Geld holen.

Im Wahlkampf hatte Hammond ihrem Gegner Kleist einen voreiligen Verkauf heimischer Ressourcen an chinesische Interessenten vorgeworfen. Kleist hatte unter anderem durchgesetzt, dass der grönländische Mindestlohn für mehrere tausend chinesische Bergarbeiter außer Kraft gesetzt werden kann. Sie sollen in einem geplanten Erzbergwerk nördlich von Nuuk arbeiten.

Grönlands Regierung entscheidet seit 2009 autonom über alle inneren Angelegenheiten - mit Ausnahme der Sicherheits- und Außenpolitik. Hier hat die Ex-Kolonialmacht Dänemark weiter ein Mitspracherecht. Kopenhagener Zuschüsse decken weiterhin etwa die Hälfte des grönländischen Staatshaushalts.

Bis zur vollständigen Unabhängigkeit ist es also noch weit - zumal einige Zeit vergehen dürfte, bis nach dem Start der Rohstoffförderung tatsächlich Einnahmen fließen. Auch bei der von Umweltschützern kritisierten Ölsuche vor der grönländischen Küste ging es bisher nur sehr schleppend voran.

chs/dpa

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