Grönland Gletscherschmelze lässt Plankton sprießen

Wenn das Eis taut, gedeiht das Leben: In Grönland haben Forscher entdeckt, dass mit Gletscher-Schmelzwasser im Sommer weitaus mehr Eisenpartikel als gedacht ins Meer gespült werden. Der Stoff wirkt als Dünger für eine erstaunliche Algenblüte.

Sarah Das

London/Hamburg - Das Schmelzwasser grönländischer Gletscher versorgt den Atlantik wesentlich stärker mit dem Nährstoff Eisen als bisher bekannt. Damit spiele die Eisschmelze im Sommer eine wichtige und wohl noch wachsende Rolle bei der Versorgung von Kleinstlebewesen wie etwa Phytoplankton, berichten Geologen der Woods Hole Oceanographic Institution im US-Bundesstaat Massachusetts in der Zeitschrift "Nature Geoscience".

Die Menge an gelöstem Eisen gilt als einer der begrenzenden Faktoren für das Wachstum von Kleinlebewesen im Meer. Bisher nahmen Forscher an, Eisen erreiche das Meer vor allem über den Eintrag aus der Luft und über Flüsse. Maya Bhatia und ihre Mitarbeiter zeigten nun, dass Schmelzwasser in Grönland weit mehr Eisen ins Meer trägt als bisher vermutet.

Ihre Messungen während der Sommersaison 2008 an einem Gletscherabfluss im Südwesten der Insel zeigten Eisenwerte, die zum Teil um das Tausendfache über bisherigen Schätzungen lagen. Die Studie könnte erklären, warum die Eisschmelze und die starke Phytoplankton-Blüte vor Grönland zeitlich eng beieinanderliegen.

300.000 Tonnen Eisen

Beim Lösen des Elements aus dem Gestein spielten vermutlich Verwitterungsprozesse und der Abbau von Eisenverbindungen durch Mikroorganismen eine Rolle. Hochgerechnet auf den gesamten Grönländischen Eisschild könnte das Schmelzwasser jedes Jahr 300.000 Tonnen verwertbares Eisen in den Nordatlantik spülen, schreiben die Forscher. Das ist ähnlich viel, wie dort aus der Luft abgelagert wird.

Damit sind die Gletscher ein wichtiger und angesichts der globalen Erwärmung zunehmender Faktor für die Zulieferung des Mangelstoffs Eisen in das ozeanische Ökosystem, glauben sie. In einem Kommentar schreibt Rob Raiswell von der englischen Universität Leeds, möglicherweise könnten die Gletscher auf der anderen Seite der Erde in der Antarktis Eisen noch effizienter zum Meer transportieren. Was das für das Wachstum von Meeresorganismen bedeute, müsse nun geklärt werden.

boj/dpa



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FrankS. 11.03.2013
1. Auf (der Insel) Grönland, nicht in!
... auf Sylt, auf Rügen, auf Borneo. Hier geht es um den geologischen Begriff. In Großbritannien oder in Kuba nur, wenn der politische Begriff gemeint ist.
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