Grönland Frostiges Klimaarchiv

In der Unendlichkeit Grönlands hat ein spektakuläres Forschungsprojekt begonnen. Wissenschaftler bohren erstmals einen riesigen Eisstrom an.

Aus Gletscher geborgene Probe
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Aus Gletscher geborgene Probe


Ungefähr ein halbes Dutzend Eiskerne gibt es schon aus Grönland. Bei Bohrprojekten wie "Neem", "Grip" oder "Gisp" und anderen haben Forscher kilometerweise Probenmaterial gesammelt, analysiert und zum Teil auch für weitere Untersuchungen archiviert.

Anhand der im Eis eingeschlossenen Gase konnten sie die Klimageschichte der letzten rund 130.000 Jahre nachzeichnen, inclusive der sogenannten Eem-Warmzeit. In dieser Periode vor 130.000 bis 115.000 Jahren war es auf Grönland drei bis fünf Grad wärmer als heute, der Meeresspiegel lag fünf Meter höher. Es ist gewissermaßen der Ausblick auf das, was der Welt durch den menschgemachten Klimawandel wieder bevorstehen könnte.

Aber wenn man all das schon kennt, warum braucht es dann noch einen weiteren Kern? Denn noch weiter als bisher ins Klimaarchiv zurückschauen kann man bei "Eastgrip" sicher nicht. Dafür sind Bohrungen in der Antarktis viel spannender, wo Forscher auf der Suche nach Eis im Alter von mehr als einer Million Jahren sind.

"Wir haben bisher noch bei jedem Kern etwas Neues gelernt", sagt der Glaziologe Bruce Vaughn von der University of Colorado in Boulder. Auch dieses Mal wird aus den im Eis eingeschlossenen Gasen das Klima der Vergangenheit berechnet, auch von Vaughns Team, dank neuerer Massenspektrographen so genau wie nie zuvor.

Besonders interessant ist der Zeitraum von vor 3000 bis 8000 Jahren. Andere Eisbohrkerne sind in diesem Bereich, etwa 500 bis 1300 Meter unter der Oberfläche oft gesprungen. Das liegt daran, dass sich die in diesem Teil des Eises eingeschlossenen Gase beim Herausholen der Proben so ausdehnen können, dass sie den Kern einfach sprengen. Bei "Eastgrip" will man die Proben nun so vorsichtig behandeln, dass das nicht passiert.

chs

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