Satellitendaten Grönlands Eis schmilzt schneller als befürchtet

Nach der Antarktis ist das Eis von Grönland der zweitgrößte Eisschild der Erde. Laut einer Studie verschwindet es weit schneller als angenommen. Daran ist nicht nur die Erderwärmung schuld.

Region im Osten von Grönland
Getty Images/National Geographic

Region im Osten von Grönland


Die Eismassen von Grönland sind genauso mächtig wie beeindruckend. Teilweise mehr als 3000 Meter dick, bedecken sie einen erheblichen Teil der größten Insel der Erde. Doch Grönlands Eis schmilzt mehr und mehr, schon lange nimmt der Grönländische Eisschild ab. Vor allem, weil die Gletscher Eis ins Meer transportieren. Dort schmelzen sie ab und tragen maßgeblich zum Anstieg der Meeresspiegel bei. Das Süßwasser im salzigen Atlantik hat außerdem einen Einfluss auf das Klima in Europa, haben Forscher herausgefunden. Umso wichtiger ist der Erhalt der Eismassen.

Doch momentan sieht es nicht so aus, als könnte das gelingen. Stattdessen schmelzen Grönlands Eismassen noch schneller als bisher befürchtet. Der Eisverlust hat sich seit 2003 teilweise erheblich erhöht, schreiben Forscher um Michael Bevis von der Ohio State University in einer Studie. Sie ist nun im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen.

Schon lange ist bekannt, dass sich die großen Gletscher im Westen und Norden der Insel immer schneller bewegen und immer größere Eisbrocken in den Atlantik spülen, wo sie dann schmelzen. Doch der größte Eisverlust im Jahre 2003 hat sich laut der Studie überraschend in einer anderen Region ereignet - im Südwesten der Insel. Hier befinden sich jedoch kaum Gletscher. Wie ist das zu erklären?

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Für die Studie hatten die Forscher im Zeitraum von 2003 bis 2016 Satellitendaten der Grace-Mission (Gravity Recovery And Climate Experiment) ausgewertet und auch Daten von Messungen vor Ort mit einbezogen. Die Analyse zeigte, dass Grönland 2003 etwa hundert Gigatonnen pro Jahr an Eismasse verlor. Aber nur etwa 10,5 Jahre später hatte sich der Wert auf fast 400 Gigatonnen vervierfacht, schreiben die Forscher. Das ist allerdings der Spitzenwert, die jährlichen Durchschnittswerte liegen niedriger.

Auch eine Begründung für den teilweise starken Eisverlust im Südwesten liefern die Forscher. Auf der zentralen Eismasse von Grönland im Landesinneren entstehen im Sommer durch höhere Temperaturen zunächst oberflächliche Schmelzwasserseentümpel auf dem Eis.

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Mit der Zeit werden sie größer und bilden irgendwann regelrechte Flüsse. Sie fließen unabhängig von den Gletschern ins Meer. Zudem stehen sie im Verdacht, die Gletscher zu destabilisieren. Das Ausmaß des Problems sei bisher nicht bekannt gewesen, zitiert der "Guardian" Studienautor Michael Bevis.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Meeresspiegel wegen dieses Schmelzwassereffekts weiter steigen werden. Und zudem könne dieser Effekt zumindest teilweise selbst bei einem Stopp der Erderwärmung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Der Mensch könne sich nur noch anpassen, glaubt Bevis. Sollte der gesamte grönländische Eisschild abschmelzen, droht ein Anstieg der Meere um etwa sieben Meter, hatten Forscher ausgerechnet.

Allerdings nehmen die Eismassen nicht gleichmäßig ab. Auf Grönland wurde auch schon ein Aussetzten der Eisschmelze beobachtet. Zwischen den Jahren 2013 und 2015 hielt sich der Rückgang durchaus in Grenzen. Dafür sind vermutlich natürliche Klimaschwankungen verantwortlich. Bekannt ist etwa die sogenannte Nordatlantische Oszillation, ein Wetterphänomen, das warme Luft nach Grönland bringt.

joe



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