Größenevolution: Säugetiere traten in riesige Dino-Fußstapfen

Das Aussterben der Dinosaurier gab den Startschuss für eine rasante Größenzunahme bei den Säugetieren: Binnen kurzer Zeit eroberten tonnenschwere Arten den Planeten. Das belegen neue Daten. Doch irgendwann war mit dem Größenwahn Schluss.

Größte Landsäugetiere aller Zeiten (Illustration): Indricotherium transouralicum auf Platz 1 Zur Großansicht
dapd / Yale University / Alison Boyer

Größte Landsäugetiere aller Zeiten (Illustration): Indricotherium transouralicum auf Platz 1

Nachdem die Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren verschwanden, wurden die Säugetiere zu wahren Giganten. Das Indricotherium transouralicum, ein hornloser Verwandter der heutigen Nashörner etwa, brachte es auf fast 17 Tonnen. Seine Schulter ragte mehr als fünf Meter in die Luft, acht Meter lang war der Koloss. Die ökologische Nische, die die Dinosaurier bis dahin belegt hatten, wurde nun von Säugetieren besetzt.

Dass die Evolution sich so abgespielt haben muss, hat ein internationales Forscherteam aus Biologen, Paläontologen und Ökologen durch die Auswertung verschiedener Daten jetzt belegen können. Das Ergebnis, welches sie im Wissenschaftsjournal "Science" vorstellen: Säugetiere haben zu der Zeit einen rasanten Wachstumsschub hinter sich gebracht - aus Winzlingen wurden Riesen: Im Lauf der 25 Millionen Jahre nach dem Verschwinden der Dinosaurier stieg die Masse der Säugetiere etwa um das Tausendfache an.

Die Forscher inspizierten Tausende von Fossilien längst ausgestorbener Säugetierarten aus der ganzen Welt, die das Spektrum der Entwicklungsgeschichte der Säugetiere abdeckten. Biologen trugen zudem sämtliche verfügbare Informationen weltweit zu deren Evolution zusammen.

Zwar besiedelte diese Klasse der Wirbeltiere die Erde auch schon im Mesozoikum - also während des Erdmittelalters, das vor 65 Millionen Jahren endete. Aber während der ersten 140 Millionen Jahre ihrer Evolution waren die Säuger noch vergleichsweise winzig und erreichten meist nur die Größe heutiger Nagetiere. Ihr Gewicht reichte damals von drei Gramm bis maximal 15 Kilogramm.

Das änderte sich nach dem Aussterben der Dinosaurier. "Während des Mesozoikums waren die Säugetiere klein", sagt einer der Co-Autoren, John Gittleman von der Universität von Georgia. "Aber als die Dinosaurier ausgestorben waren, wurden die Säugetiere viel größer, denn sie füllten die ökologischen Nischen, die frei wurden."

"Plötzlich fraß keiner mehr die Pflanzen"

"Plötzlich fraß keiner mehr die Pflanzen. Das übernahmen dann schnell die Säugetiere, und für diese Lebensweise ist es eben praktisch, groß zu sein", erklärt die Co-Autorin Jessica Theodor von der University of Calgary. Im Lauf von etwa 25 bis 30 Millionen Jahren nahmen die Säuger stetig an Masse zu, und zwar auf allen Kontinenten.

Dann endete der Größenwahn: Vor 37 Millionen Jahren erreichte er mit Indricotherium transouralicum seinen Höhepunkt. Das Ur-Nashorn ist das größte bekannte Landsäugetier. In den folgenden Jahrmillionen schwand die Größe der Landsäuger wieder etwas.

"Die Dinosaurier verschwinden vor 65 Millionen Jahren, und binnen 25 Millionen Jahren ist das System wieder hergestellt, und die Tiere erreichen ein neues Maximum an Körpergröße", sagt Theodor. Aus geologischer Sicht sei das ein ziemlich kurzer Zeitrahmen und eine rasante Evolution. "Es ist bemerkenswert, wie schnell die Säugetiere die Rolle der Dinosaurier weitestgehend übernehmen konnten."

Die Ursache der Größenzunahme sei im Lebensraum und der Umgebung der Tiere zu finden, erläutern die Wissenschaftler - etwa im Nahrungs- und Platzangebot oder den Klimabedingungen. In der Regel entwickelten die Tierarten dabei umso mehr Körpergröße, je kälter es in ihrer Umwelt war, denn ein großer Körper speichert die Wärme besser als ein kleiner.

Zudem haben die größeren Pflanzenfresser klare Vorteile gegenüber den kleinen, denn die großen Tiere verdauen insgesamt langsamer - und haben so mehr von ihrer Nahrung. Außerdem haben große Tiere weniger Fressfeinde. Deshalb ist Größe auch für Fleischfresser ein Vorteil.

Was aber bremste das Wachstum der Säugetiere? Die Forscher haben eine Vermutung: Wahrscheinlich schränkten das relativ warme Klima und begrenzte Landflächen ein weiteres Wachstum ein.

cib/dapd

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