Kongobecken Forscher vermessen weltgrößtes Torfmoor

Es ist größer als England, und sein Boden speichert gewaltige Mengen Kohlenstoff. Forscher haben erstmals das wohl größte Torfmoor der Erde vermessen. Doch wenn für Palmölplantagen Wasser entzogen wird, droht die Zerstörung.

Simon Lewis/ University Leeds

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Wer sich über Torfmoore informieren will, stößt schnell auf das gleichnamige Naturschutzgebiet in der niedersächsischen Stadt Holzminden. Das passt ins Bild, verbindet man den Begriff doch in erster Linie mit einer sumpfigen Landschaft in eher kühlem Klima. Tatsächlich findet man die meisten Torfmoore der Erde dort, aber eben nicht alle.

Der größte bislang bekannte Torfmoorkomplex liegt im tropischen Kongobecken, berichten Forscher im Fachmagazin "Nature". 145.500 Quadratkilometer misst das Gebiet - das entspricht etwas mehr als der Fläche Englands.

Die Landschaft ist die Heimat zahlreicher Tiere, darunter auch die vom Aussterben bedrohten Östlichen Flachlandgorillas und Waldelefanten. Ihr kommt aber auch im Zusammenhang mit der Erderwärmung eine bedeutende Rolle zu.

30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff

Simon Lewis und Greta Dargie von der University of Leeds entdeckten das riesige Moor 2012 und haben nun erstmals eine detaillierte Karte erstellt. Demnach ist die Torfschicht im Schnitt 2,4 Meter dick und reicht an manchen Stellen bis zu 5,9 Meter in die Tiefe. Mithilfe von Satellitenaufnahmen errechneten die Forscher die im Sumpf gespeicherte Kohlenstoffmenge: 30 Milliarden Tonnen beherbergt der Boden demnach. Trocknet er aus, wird der Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) frei.

Torf ist in getrocknetem Zustand brennbar und wurde früher als Heizmaterial abgebaut. Es entsteht, wenn sich Pflanzenreste gar nicht oder nur zum Teil zersetzen. Das Wasser im Moor trennt die Pflanzen vom Sauerstoff der Luft und verhindert den Zerfall. Der in den Pflanzen enthaltene Kohlenstoff, bleibt im Boden gespeichert. Auf diese Weise reichert sich der Stoff im Kongobecken laut Studie seit 10.600 Jahren an.

"Das Torfmoor macht nur vier Prozent der Fläche des Kongobeckens aus, speichert aber die gleiche Menge Kohlenstoff wie die Bäume, die die restlichen 96 Prozent der Fläche bedecken", erklärt Lewis. Insgesamt machen Torfmoore nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, enthalten aber ein Drittel des Kohlenstoffs, dass im Boden zu finden ist.

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Kohlenstoff-Depot: Knietief im Sumpf

Riesentorfmoor bislang nicht geschützt

Würde das Torfmoor im Kongobecken zerstört werden, würden Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen, warnt Lewis. Noch ist das entlegene Moor in vergleichsweise gutem Zustand. Es bestehe aber die Gefahr, dass Wasser abgezapft wird, um etwa Palmölplantagen zu bewässern.

Aus anderen Regionen ist das Problem lange bekannt. Indonesien beherbergt die größte Fläche tropischen Torfmoors, der größte Teil liegt auf Borneo, Sumatra und Neuguinea. Allerdings sind auf den Inseln bereits 94.000 Quadratkilometer des Biotops beschädigt oder zerstört, unter anderem weil mit dem Wasser aus dem Moor Landwirtschaft betrieben wird.

Mit der Neuentdeckung im Kongobecken werden die Demokratische Republik Kongo und die Republik Kongo nach Indonesien zu den zweit- und drittwichtigsten Staaten mit tropischem Torfmoor. Bislang ist das Sumpfgebiet dort jedoch nicht geschützt. Nach Angaben der Forscher, denkt die Regierung der Republik Kongo aber darüber nach, eines ihrer bereits bestehenden Naturreservate um 50.000 Quadratkilometer zu vergrößern. Das würde zumindest einen Teil des Torfmoors unter Schutz stellen.

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