Grünes Wasser in Olympiabecken Wasserstoffperoxid ließ die Algen wachsen

Algen lassen den Pool der Turmspringer bei den olympischen Spielen in sattem Grün erstrahlen. Warum konnten sie sich dermaßen schnell vermehren? Jetzt gibt es endlich die Antwort.

Synchronspringen der Frauen am grünen Pool
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Synchronspringen der Frauen am grünen Pool


Die Zuschauer wunderten sich, den Athleten brannten die Augen und mancher beschwerte sich, die ganze Anlage rieche, als habe jemand gepupst. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Wasser in zwei Olympia-Pools in Brasilien grün verfärbt: Zuerst turnten die Brettspringer ins grüne Nass, später betraf es auch die Wasserballer.

Dass Algen das Wasser grün gefärbt hatten, war schnell klar. Warum die sich so schnell ausbreiten konnten, gab allerdings Rätsel auf.

Fest steht: In Wasserbecken, die sich unter freiem Himmel befinden, herrschen für Algen optimale Bedingungen. Denn Exemplare, die im Wasser Photosynthese betreiben, brauchen zum Wachsen vor allem eines: Sonnenlicht. Zudem ernähren sie sich allerdings von Stickstoff- und Phosphorverbindungen - und die werden normalerweise von Filtern aus Schwimmbecken entfernt. Auch das Chlor sollte die Algen eigentlich am Sprießen hindern. Warum also wuchsen sie dennoch?

Literweise Wasserstoffperoxid

Mario Andrada, Sprecher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, erklärte nun übereinstimmenden Medienberichten zufolge, dass jemand am 5. August, dem Tag der Eröffnungsfeier, literweise Wasserstoffperoxid in den Pool gegeben habe. Manche Quellen berichten von 80 Litern, andere von 160.

Wasserstoffperoxid soll das Wasser in Schwimmbecken ähnlich wie Chlor von Bakterien und anderen Mikroorganismen frei halten. Jedoch führte die Reaktion von Chlor und Wasserstoffperoxid dazu, dass das Chlor seine desinfizierende Wirkung verlor. Das wiederum brachte offenbar die elektronischen Kontrollsysteme im Becken durcheinander. Die registrierten weiterhin ausreichend Chlor, bemerkten aber nicht, dass es wirkungslos geworden war.

Spott für Olympiasprecher

Auf Twitter erntet Sprecher Andrada derweil Spott für eine weitere Aussage, die er offenbar im Zusammenhang mit dem Wasserproblem gemacht hat: "We first learned that chemistry is not an exact science." Übersetzt: "Wir haben gelernt, dass Chemie keine exakte Wissenschaft ist." Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall, nur beherrschen die Steuerungsanlagen in Rio diese Wissenschaft offenbar nicht zur Genüge.

Inzwischen wurde das Wasser in einem der grünen Becken komplett getauscht - 3,7 Millionen Liter. Das war für den Wettkampf im Synchronschwimmen nötig, um die Leistungen der Athleten überhaupt bewerten zu können. Nutznießer sind die Wasserballer, die im gleichen Becken antreten. Im Pool der Turmspringer wird noch versucht, die Algen mit Filtern nach und nach aus dem Wasser zu entfernen.

jme



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