Abgerutscht: Nasse Geckofüße haften schlecht

Die haftenden Füße der Geckos sind legendär, mühelos flitzen die Echsen Wände hoch und herunter. Im Experiment zeigte sich nun, dass die Tiere von Scheiben rutschen, sobald ihre Füße nass werden. Da stellt sich die Frage: Wie kommen in den Tropen lebende Geckos mit dem Regen klar?

Kronengecko (Archivbild): Immer Haftung bewahren! Zur Großansicht
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Kronengecko (Archivbild): Immer Haftung bewahren!

Wenn Geckos nasse Füße bekommen, rutschen sie ab - und das, obwohl die Echsen sonst sogar glatte Glaswände problemlos hinauflaufen können. Das Wasser verhindere, dass die feinen Hafthärchen am Geckofuß der Oberfläche ausreichend nahe kommen. Dadurch gehe die schwache Anziehungskraft verloren, denen der Gecko seine legendäre Haftkraft verdanke, berichten Forscher im "Journal of Experimental Biology".

Dieser Effekt habe bedeutende Auswirkungen auf das bisher nur teilweise erforschte Verhalten und die ökologische Rolle der auch in den feuchten Tropen leben Geckos. Er könne wahrscheinlich erklären, warum diese Tiere bei Regen nur selten im Freien umherlaufen.

"Wir wissen bisher nur sehr wenig darüber, wie verschiedene Umweltbedingungen die Haftkraft der Geckos beeinflussen", schreiben Alyssa Stark von der University of Akron (US-Bundesstaat Ohio) und ihre Kollegen. Zwar sei das Haftsystem unter Laborbedingungen schon oft untersucht worden. Doch in den Tropen bewege sich der Gecko nicht auf trockenen Glasscheiben, sondern über ganz unterschiedlich raue, glatte, trockene und nasse Oberflächen.

Normalerweise wirkt das aus Millionen von feinen Haaren bestehende Haftsystem der Geckos wasserabweisend. Dadurch verhindert es, dass sich ein feiner Wasserfilm - beispielsweise von einem einzelnen Tropfen - zwischen die Hafthaare und die Oberfläche drängt und so den Halt vermindert. Ob dies auch funktioniert, wenn der Geckofuß mit mehr als nur einem Tropfen Wasser in Berührung kommt, haben die Forscher jetzt getestet.

Trockener Gecko auf nasser Scheibe, nasser Gecko auf trockener Scheibe

Die Wissenschaftler setzten sieben Geckos jeweils einzeln auf eine waagerechte Glasscheibe und maßen dann, wie viel Kraft nötig war, um die Tiere nach hinten wegzuziehen. Der Zug erfolgte über ein Geschirr mit Leine, das die Echsen um die Hüften trugen. Diese Messung führten die Wissenschaftler in sechs Varianten durch: Sie setzten Geckos mit trockenen Füßen auf eine trockene Glasplatte, auf eine Glasplatte mit aufgesprühten feinen Wassertropfen und auf eine komplett unter Wasser gesetzte Platte. Das gleiche wiederholten sie mit Geckos, deren Füße zuvor eineinhalb Stunden lang im Wasser gebadet worden waren.

Die Experimente zeigten, dass die Geckos ihre Haftkraft sowohl auf nassen Oberflächen als auch durch zuvor benässte Füße einbüßten. Machten die Tiere mit trockenen Füßen die ersten drei Schritte auf einer mit feinen Tröpfchen bedeckten Glasplatte, hafteten sie noch gut. Spätestens nach dem vierten Schritt habe man die Geckos aber leicht wegziehen können, berichten die Forscher. Dazu habe eine Kraft ausgereicht, die etwa dem Eigengewicht des Geckos entsprach. Das Haftsystem verliere offenbar schnell seine wasserabweisende Wirkung und dadurch seine Haftkraft.

"Das ist überraschend, denn immerhin leben viele tropische Geckos in Gegenden, in denen es oft regnet", schreiben die Forscher. Die Tiere, deren Füße von Anfang an durchnässt waren, glitten selbst auf den trockenen Scheiben sofort ab.

Nach Ansicht der Biologen sind die Geckos auch in ihrer natürlichen Umgebung vermutlich in ständiger Gefahr abzurutschen, wenn es regnet und alles nass ist. Daher könne es für die Echsen wichtig sein, bei Regen schnell einen trockenen Ort aufsuchen zu können. Ob das bei freilebenden Tieren der Fall sei, müsse nun untersucht werden. Die Forscher wollen in einem weiteren Experiment testen, wie lange es dauert, bis die nassen Füße der Geckos trocknen und ihre volle Haftkraft zurückerlangen.

wbr/dapd

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