Vermessung großer Tiere Forscher schrumpfen Meeresgiganten

Weiße Haie, Riesenkalmare, Walhaie: Manche Meeresbewohner besitzen beeindruckende Ausmaße. Jetzt haben Forscher die Größenangaben für 25 Tiere kontrolliert. Am Ende waren einige Giganten deutlich kleiner als zuvor.

AFP

Durham - Die Größenangaben vieler Meeresgiganten sind offenbar nicht selten übertrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Gemeinschaftsstudie, die im Fachblatt "PeerJ" erschienen ist. Die Forscher nahmen insgesamt 25 Arten unter die Lupe, darunter den Blauwal, den Riesenkalmar und den Weißen Hai, und glichen die bekannten Größenangaben der Arten mit unterschiedlichsten Datenbanken und historischen Aufzeichnungen ab.

Zudem prüften sie Exemplare aus Museen, tauschten sich mit anderen Forschern aus und schauten sogar, ob Tiere über die Internetplattform Ebay verkauft wurden, um deren Größe zu erfahren. In ihre Studie flossen nur Angaben ein, die wissenschaftlich belegt waren - und auf diese Weise verloren einige der Meeresriesen deutlich an Größe.

Aus 19 Metern wurden 12

Besonders drastisch zeigt sich das für den Meeresbiologen Craig McClain vom National Evolutionary Synthesis Center in Durham (US-Staat North Carolina) am Beispiel des Riesenkalmars Architeuthis dux: "Schon vor einigen Jahren fiel mir auf, dass immer wieder gesagt wurde, der Riesenkalmar könne bis zu 19 Meter lang werden - eine unglaubliche Länge", sagt McClain, der die Studie verantwortet hat. Kritik daran haben Experten schon früher geäußert. Jetzt konnte auch McClains Team lediglich eine Länge von zwölf Metern verifizieren.

Im Fall der Riesenkalmare wird jedoch auch ein Grund für die übertriebene Größenangabe deutlich: Wenn diese verwesen, lockern und dehnen sich die Muskeln der Tiere. Das könnte dafür gesorgt haben, gerade die ersten Berichte über die Länge von Riesenkalmaren zu verfälschen. Weitere Fehlerquellen könnten unterschiedliche Messmethoden und Umrechnungsfehler bei den Längenangaben insbesondere zu Beginn der Aufzeichnungen sein.

Korrektur um bis zu vier Meter

Der beeindruckende Walhai, der größte Fisch, verlor durch die Arbeit der Wissenschaftler gut zweieinhalb Meter seiner Maximallänge: Nach Ansicht der Forscher sind lediglich 18,80 Meter verbrieft.

Beim Weißen Hai korrigierten die Wissenschaftler die Maximalgröße von über 8 auf 7,13 Meter. Im Durchschnitt werde Carcharodon carcharias gar nur 3,81 Meter lang - obwohl gerade nach Haiangriffen oft über wesentlich größere Tiere berichtet werde. Hier vermuten die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Attacke und der Wahrnehmung der Größe. "Schließlich ist eine Geschichte über einen kümmerlichen Hai, der Schaden zufügt, nicht ganz so beeindruckend", heißt es dazu in der Studie.

Für die beteiligte Biologin Meghan Balk von der University of New Mexico macht die Studie deutlich, wie stark die Größe innerhalb einer Spezies variieren kann. Schon die Entwicklung von der Geburt eines Lebewesens bis zum ausgewachsenen Zustand beinhalte eine Vielzahl an Größen. "Gerade die größten Vertreter einer Art sind oft nicht die besten", so Balk. Die Frage laute, wie nützlich es sei, groß zu sein.

So zeige nicht zuletzt das Beispiel von Robert Wadlow, dem mit 2,72 Meter größten bekannten Mensch der Welt, dass größer nicht immer hilfreich sei: Wadlow starb mit gerade einmal 22 Jahren an einer Infektion. Nicht selten würde eine anormal große Körpergröße zu gesundheitlichen Problemen führen.

Beim Blauwal bedeute Größe hingegen einen Wettbewerbsvorteil: In Zeiten von Futterknappheit erlaube ihm seine Masse, zu Plankton-reicheren Gefilden zu wandern, ohne zu verhungern. Er kann auch laut der aktuellen Studie 33 Meter lang werden, was in etwa dem bislang angegebenen Rekord entspricht. Allerdings werde er je nach Region auch oft viel kürzer, und insbesondere die Messungen vor 1920 seien wenig vertrauenswürdig.

Bei insgesamt 25 überprüften Spezies an Meeresgiganten nahm die Arbeit selbst riesige Ausmaße an. Das Forscherteam entschied sich daher auch für die Hilfe sozialer Netzwerke und Medien: So waren auch Studenten eingeladen, teilzunehmen und ihre Ergebnisse auf dem Weblog "The Story of Size" zu posten sowie zu twittern.

nik/dpa

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