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Bedrohliche Tiere: Durch Mücken sterben mehr Menschen als durch Haie

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Gefürchtete Raubfische: Weißer Hai, Bullenhai, Tigerhai Fotos
DPA

Der Surf-Profi Mick Fanning hat an der Küste Südafrikas vor laufender Kamera einen Hai-Angriff abgewehrt. Das Szenario weckt tief sitzende Ängste. Doch rein statistisch sind die unbegründet.

Für einen Moment hielten alle den Atem an: Vor laufender Kamera wurde der dreifache Surf-Weltmeister Mick Fanning am Wochenende bei einem Wettbewerb in Südafrika von einem Hai angegriffen. Der Australier konnte den Raubfisch abwehren, doch die Begegnung war ein Schock.

Die Aufnahmen wecken tief sitzende Ängste. Tatsächlich können Haie Menschen gefährlich werden. Respekt ist angebracht - übertriebene Angst aber unbegründet, wie die Statistik zeigt. Stattdessen ist etwa der Weiße Hai selbst gefährdet, auch, weil er immer wieder als Beifang in Fischernetzen landet.

Sechs Tote weltweit pro Jahr

Das Risiko, als Mensch von einem Hai angefallen zu werden, ist sehr gering, obwohl davon auszugehen ist, dass nie so viele Menschen zum Planschen oder Sport treiben ins Wasser gegangen sind wie in jüngster Zeit. Laut Statistik des Museum of Natural History in Florida, das Hai-Attacken weltweit erfasst, lag die Zahl der Angriffe zwischen 2005 und 2014 pro Jahr stets deutlich unter hundert Fällen. Im Durchschnitt haben Haie weltweit jährlich 70 Menschen attackiert, sechs von ihnen starben.

Auch über einen längeren Zeitraum bestätigen sich die Zahlen: Seit 1580, also seit gut 400 Jahren, wurden weltweit 2777 Angriffe registriert. Das entspricht einem Durchschnitt von knapp sieben Menschen pro Jahr.

Die meisten Angriffe gibt es im Pazifik. Bezogen auf einzelne Gebiete sind Haie mit 1104 Fällen vor den Küsten Nordamerikas besonders aktiv. Vergleichsweise häufig sind Angriffe auch vor Australien (572 Attacken) und Afrika (146). In Europa greifen Haie mit 51 dokumentierten Fällen besonders selten Menschen an.

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An einem Blitzeinschlag zu sterben ist wahrscheinlicher

Auch wenn jeder einzelne Fall tragisch ist, ist die Gefahr, bei vernünftigem Verhalten von einem Hai angefallen zu werden, demnach vernachlässigbar.

Zur Einordnung: Weltweit sterben nach Mückenstichen jährlich 635.000 Menschen allein an Malaria. Schlangenangriffe töten pro Jahr weltweit 94.000 und Skorpione 3250 Menschen. Auch das vergleichsweise sichere Fliegen kostet mehr Menschen das Leben: Bei Flugzeugabstürzen sterben jedes Jahr im Schnitt 745 Passagiere. Selbst durch Blitze werden mehr Menschen getötet als von Haien - allein in den USA jährlich 49.

Lautlos und unberechenbar

Statt auf einer echten großen Gefahr, beruht die Hai-Panik demnach im Wesentlichen auf angsteinflößenden Darstellungen und Einzelfallberichten. Ähnlich ist es übrigens beim Wolf, durch den in Wahrheit weltweit jährlich im Schnitt nur 0,5 Menschen sterben.

Vor allem der Weiße Hai gilt seit einer Serie von Angriffen im Jahr 1916 an der Küste des US-Bundesstaates New Jersey als blutrünstige Bestie. Innerhalb von 16 Tagen wurden damals fünf Menschen von Haien attackiert, vier starben. Die Vorfälle dienten als Vorlage für den später verfilmten Roman "Der weiße Hai".

Zusätzlich weckt das Aussehen der Tiere Ängste. Das große, stellenweise rot gefärbte Maul und die spitzen Zähne des Weißen Haies lassen ihn besonders gefährlich erscheinen. Hinzu kommt, dass sich Haie lautlos im Wasser bewegen und deutlich schneller als Menschen - auf Menschen wirken sie unberechenbar. Neben dem Weißen Hai greifen auch Bullenhaie und Tigerhaie Menschen an.

Nur kurz probiert

In der Regel lassen die Tiere nach einem Bissen wieder von ihrer menschlichen Beute ab. Noch nie wurde im Magen eines Haies ein kompletter Menschenkörper gefunden, berichtet DER SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Warum Haie Menschen angreifen, gibt auch deshalb Rätsel auf. Es gibt drei Theorien:

  • Sie verwechseln Menschen, vor allem Surfer auf Brettern, mit Robben. Dagegen spricht allerdings, dass Haie ausgeprägte Sinne besitzen, mit denen sie gezielt die richtige Beute aufspüren können.
  • Haie verteidigen ihr Revier. Zwar ist noch nicht klar, ob die Raubfische überhaupt Reviere bilden. Dennoch ist denkbar, dass sie ihr Territorium durch einen Menschen bedroht sehen. So wurde etwa beobachtet, dass Graue Riffhaie Eindringlingen drohen, indem sie ihren Kopf und Schwanz schütteln, die Brustflossen aufstellen und einen Buckel machen.
  • Möglicherweise provozieren Schwimmer oder Surfer Haie auch durch ihre Bewegungen unbewusst. Da der Hai sich unter Wasser befindet und der Mensch sein Warnverhalten nicht deuten kann, kommt es zum Angriff.

Nimm das, Hai

Im aktuellen Fall von Mick Fanning näherte sich der Hai von hinten. Ob er tatsächlich zubeißen wollte, ist unklar. Allerdings war er bereits so nah, als Fanning ihn bemerkte, dass zur Verteidigung nur noch ein Gegenangriff infrage kam. Fanning trat um sich, offenbar mit Erfolg.

Tatsächlich empfehlen Experten, sich im Fall der Fälle mit einem Schlag auf die Schnauze des Haies zu wehren. Allerdings nur, falls dieser wirklich angreift. Ansonsten gilt, sich bei der Begegnung möglichst ruhig zu verhalten und zügig, aber gleichförmig Richtung Strand zu schwimmen und sich dabei immer wieder über die Position des Hais zu vergewissern.

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SPIEGEL-Grafik: Verbreitung des Weißen Haies

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Mitarbeit: Claudia Niesen und Katja Braun

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insgesamt 128 Beiträge
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1. Terrorismus
doppelpost123 20.07.2015
"Doch rein statistisch sind die unbegründet." Genau wie die Angst vor Terroristen. Und trotzdem schaffen wir Tag für Tag unsere Freiheit weiter ab.
2. So war es wirklich
tailspin 20.07.2015
Der M. Fanning hat dem Hai die Angriffs-Statistik gezeigt, und ihm geduldig erklaert, dass er fuer seine, M.'s, Gesundheit irrelevanter als eine Muecke ist. Daraufhin ist der Hai frustriert abgedreht, und ist ueber die erlittene Schmach bis heute morgen noch nicht hinweggekommen.
3. Na jaaaa...
Mimimat 20.07.2015
Solche statistikern sind ja schön und gut. Wie sieht denn das Verhältnis aus, wenn man die Anzahl des genannten Tiere vergleicht? Auf die 635.000 Mückentote kommen wie viele Mücken weltweit? Und wieviele Haie gibt es, die dem Menschen gefährlich werden könnten? Das würde dann die tatsächliche Gefährlichkeit zeigen, finde ich.
4. Mücken töten mehr Menschen als Haie
beob_achter 20.07.2015
Mücken sind auch ziemlich beweglich, aber sie haben ein Problem: Sie können nicht tauchen und bekommen somit die Haie nicht zu fassen. Die kurze Zeit, in der die Räuber auftauchen, reicht nicht aus, um ihnen den tödlichen Biß zu verpassen.
5. frau merlot
slade 20.07.2015
hat mit ihrer headline wahrscheinlich recht: absolut doof wäre, wenn man am meeresufer von einer mücke tödlichst gebissen wird, ins wasser fällt, abgetrieben wird und dann von einem hai gefressen wird
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