Haie im Pazifik: Alte Waffen belegen Artenvielfalt

Im 19. Jahrhundert zogen zwei Haiarten mehr als heute um die Gilbertinseln im Pazifik. Dies belegen alte Waffen, die aus den Zähnen der Tiere gefertigt wurden. Vermutlich wurden die Meeresräuber durch den Menschen ausgerottet.

Teil einer alten Waffe von den Gilbertinseln: Haizähne als Beweis für einstige Vielfalt Zur Großansicht
Drew J./ Philipp C./ Westneat MW

Teil einer alten Waffe von den Gilbertinseln: Haizähne als Beweis für einstige Vielfalt

San Francisco - Die Gilbertinseln sind eine Kette von Atollen und gehören zum Inselstaat Kiribati. Und Haie spielten in der Kultur der Bewohner seit jeher eine bedeutende Rolle - sie waren Bestandteil vieler kultureller Riten und Zeremonien.

Unter anderem fertigten die Bewohner der Inseln aus den Haizähnen Waffen, etwa Schwerter, Dolche oder Speere. Dazu bohrten sie kleine Löcher in einzelne Zähne, die sie mit Kokosnuss-Fasern und zum Teil menschlichen Haaren an kleinen Holzstücken befestigten. Diese wiederum wurden an dem Schaft der Waffe angebracht.

Forscher um Joshua Drew vom Field Museum of Natural History in Chicago (US-Bundesstaat Illinois) haben nun mehr als 100 solcher Waffen sowie einige einzelne Haizähne, die sich in der Sammlung des Museums befinden. Die Objekte wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefertigt. Anhand von Größe und Form der Zähne sowie einiger anderer Merkmale konnten die Forscher die Art der Haie bestimmen, aus deren Zähnen die Waffe gebaut worden war.

Haiarten nicht in heutigen Artenlisten erwähnt

Im Fachmagazin "PloS One" berichten die Forscher, wie sie insgesamt acht verschiedene Haiarten identifiziert haben. Zwei davon sind weder in historischen Aufzeichnungen erwähnt noch finden sie sich in heutigen Artenlisten der Gilbertinseln: der Schwarzhai und der Sorrahhai.

Die Auswertung von ungewöhnlichen historischen Datenquellen wie Museumsobjekten könne dazu beitragen, die "kulturelle Amnesie" zu beseitigen, bei der Menschen vergessen, wie lebhaft und dynamisch Riffe einst waren, schreiben die Forscher.

"Als wir danach gesucht haben, fanden wir diese 'Schatten-Artenvielfalt', Geflüster und Hinweise darauf, wie diese Riffe einst waren", erläuterte Joshua Drew. "Es ist unsere Hoffnung, dass wir durch dieses Verständnis und über geeignete Schutzbemühungen den Riffen wieder zu ihrer früheren Pracht verhelfen können."

chs/dpa

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