Knochensplitter

Kiefer-Fossil Haie sind moderner als ihr Ruf

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Haie gelten als eine der erfolgreichsten Erfindungen der Natur - so perfekt, dass sie seit Hunderten Millionen Jahren kaum verändert die Meere unsicher machen. Jetzt aber haben Paläontologen nachgewiesen, dass das nicht ganz stimmt.

Der Hai gilt als Erfolgsmodell der Evolution, das seit Millionen von Jahren durch die Weltmeere jagt und sich kaum weiterentwickeln musste. Ein lebendes Fossil. Doch dieser Eindruck ist nicht ganz richtig, wie Paläontologen aus den USA und Frankreich nun im Fachmagazin "Nature" schreiben. Demnach unterscheidet sich zumindest das Kieferskelett der heute lebenden Haie deutlich von dem ihrer Vorfahren.

Zum Vergleich durchleuchteten die Wissenschaftler die versteinerten Überreste eines etwa 325 Millionen Jahre alten Urhais der Art Ozarcus mapesae aus dem Karbon. Es sei das älteste bekannte Fossil eines Knorpelfisches, dessen Kiemenknochen in natürlicher Position versteinert und erhalten seien. Die dreidimensionale Abbildung dieses Fossils zeigt im Detail, wie die einzelnen Knochenbögen verlaufen und wo sie miteinander verbunden sind.

Haie sind nicht von vorgestern

Grundsätzlich sei das Skelett des Ozarcus-Kopfes ähnlich aufgebaut wie das der meisten anderen Kiefermäuler unter den Fischen: Die Knochenbögen sind paarweise angeordnet und miteinander verbunden, etwa am Unterkiefer, am Zungenbein und an den Kiemen. Zu den Kiefermäulern gehören sowohl Knochenfische (Osteichthyes) mit verknöchertem Skelett als auch die selteneren Knorpelfische (Chondrichthyes), zu denen auch Haie und Rochen gezählt werden.

Genau diese klare Grenze scheint beim nun untersuchten Urhai zu verschwimmen. Sein Kiefer ähnelte in erstaunlich vielen Details einem Knochenfisch, etwa in der Anordnung und Dicke bestimmter Knochenbögen. "Unsere Ergebnisse stellen die klassische Hypothese auf den Kopf, nach der Haie den Zustand ihrer Ahnen beibehalten haben", schreiben die Forscher. Zugleich zeige der Vergleich, dass Knochenfische in der Evolution der Kiefermäuler wohl eine wichtigere Rolle gespielt hätten als angenommen.

Wenn auch nicht über Jahrmillionen, so sind Haie immerhin zu Lebzeiten erstaunlich robust. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Weiße Haie mehr als 70 Jahre alt werden können. Damit gehören sie zu den langlebigsten Knorpelfischen überhaupt. Auch die Strecken, die schwangere Weiße Haie bei ihren Wanderungen durch die Meere zurücklegen, sind erstaunlich weit.

che

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7 Leserkommentare
analyse 17.04.2014
schmusel 17.04.2014
Tevje 17.04.2014
lavama 17.04.2014
lavama 17.04.2014
brucewillisdoesit 17.04.2014
lavama 18.04.2014

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