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Wetterphänomen über Florida: Sommersonne zaubert Gemälde an den Himmel

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Lichtspektakel in den USA: Eine besondere Konstellation von Sonne und Wolken ließ einen ungewöhnlichen Farbkranz am Firmament erstrahlen. Ganz selten kann man diese Erscheinung auch über Mitteleuropa sehen.

Hamburg - Auf dem Heimweg vom Tennis sei er gewesen, als der Himmel plötzlich grell-bunt leuchtete, erzählt Ken Rotberg aus Delray Beach im Süden Floridas in den USA. Dicke Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben, woraufhin hoch oben am Firmament der farbige Kranz erschien.

"Ich wollte rufen: Hey, Leute, schaut euch das an!", erzählt der Juwelenhändler. Aber niemand anders sei dabei gewesen am 31. Juli. "Immerhin werden mir die Leute glauben, was ich gesehen habe - schließlich habe ich Fotos gemacht".

Seine Aufnahmen, die er nun veröffentlicht, zeigen ein seltenes Wetterphänomen, einen sogenannten Zirkumhorizontalbogen, der manchmal im Hochsommer am Himmel auftaucht, in Mitteleuropa aber nur sehr selten zu sehen ist. Der spröde Fachbegriff scheint allerdings ungeeignet, die Schönheit des Geschehens zu beschreiben.

Anders als ein Regenbogen

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein verformter Regenbogen, ist in Wirklichkeit ein Halo, also eine Lichterscheinung, die von Eiskristallen und nicht wie beim Regenbogen von Wassertropfen erzeugt wird. Während die Sonne dem Regenbogen gegenüber steht, entstehen Halos, wenn Sonnenlicht von hinten durch Eiswolken scheint.

Ein Zirkumhorizontalbogen - umgangssprachlich auch "Feuer-Regenbogen" genannt - ist ein besonderer Halo. Andere, häufigere Halos erscheinen als Ringe um Sonne oder Mond, der Zirkumhorizontalbogen hingegen verläuft nahezu horizontal, in seinem Zentrum steht die Sonne. Er leuchtet auf, wenn die Strahlen der hoch stehenden Mittagssonne von Eisplättchen gebrochen werden.

Die notwendige atmosphärische Rezeptur entsteht, wenn Haufenwolken rasch in den Himmel wachsen. Dabei drücken sie feuchte Luft in frostige Höhe. Wasser gefriert, es formen sich Abermillionen winzige Eisteilchen. Längliche Partikel wirken wie ein Prisma, sie spalten die Strahlen der Sonne in ihre Farben - also von Rot über Gelb, bis Grün zu Blau.

Hochsaison im Süden

Damit die Farben erscheinen, muss das Licht jedoch nahezu senkrecht auf die Eisplättchen fallen, die Sonne höher als 58 Grad am Himmel stehen. Über Mitteleuropa erreicht der Sonnenstand seinen Zenit am 21. Juni, doch selbst dann steht die Sonne zur Mittagszeit nur gut 60 Grad hoch am Horizont; im Süden etwas höher als im Norden. Nördlich von Kopenhagen gibt es keine Zirkumhorizontalbögen.

"Feuer-Regenbogen"-Zeit ist also hierzulande in etwa von Ende Mai bis Anfang August. Über südlichen Gefilden wie Florida hingegen herrscht fast ein halbes Jahr "Feuer-Regenbogen"-Saison. Doch auch dort kann es nur zur Mittagszeit leuchten. Und auch nur, wenn gerade schnell wachsende Haufenwolken genügend Eiskristalle in ähnlicher Größe entstehen lassen.

Deshalb sind Aufnahmen des Lichtphänomens auch im Süden der USA ungewöhnlich. Ken Rotberg ist noch immer angetan von seiner Beobachtung: "Ich nahm meine Kamera, und es dauerte nicht lang, bis der erste Wolkentropfen in voller Farbe stand", erzählt er. "Dann erschienen die bunten Kuppeln - und ich wurde noch aufgeregter."

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