Schnelsen Erster Wolfsriss in Hamburger Stadtgebiet

In Norddeutschland streifen derzeit ungewöhnlich viele Wölfe umher. Ein Jungtier hat nun ein Schaf im Hamburger Stadtteil Schnelsen gerissen.

Wölfe in einem Tierpark (Archivbild)
DPA

Wölfe in einem Tierpark (Archivbild)


Erstmals seit der Wiederansiedlung der Wölfe in Deutschland hat in Hamburg ein Jungwolf nachweislich ein Schaf gerissen. Genetische Untersuchungen an dem Anfang Juli im Stadtteil Schnelsen getöteten Schaf hätten nun bestätigt, dass es sich um einem Wolfsriss handelt, teilte die Umweltbehörde mit.

Das Tier stammt aus einem dänischen Rudel, aus dem mehrere Jungtiere auch schon in Schleswig-Holstein nachgewiesen wurden. Auf das Konto des Wolfs geht demnach nicht nur der Riss in Schnelsen. Laut Behörde hat er Mitte Juli bei Lutzhorn im Landkreis Pinneberg ein weiteres Schaf gerissen.

Dass Wölfe, die als besonders scheu gelten, einer Großstadt so nahe kommen, ist ungewöhnlich. Jungwölfe verlassen ihr Rudel, um Geschlechtspartner und geeignete Lebensräume zur Gründung eigener Rudel zu finden. Dabei legen sie oft große Strecken zurück.

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Raubtier: Die Wölfe sind zurück

Die Experten des LLUR konnten im Juni in den Kreisen Pinneberg, Nordfriesland, Dithmarschen und Segeberg zudem einige weitere Wild- und Nutztierrisse über genetische Analysen Wölfen zuordnen. Zudem konnten die Tiere auch durch Fotofallen nachgewiesen werden. Wie viele Wölfe derzeit in Schleswig-Holstein unterwegs sind, ist laut dem LLUR aber unklar. Es seien aber mehr Wolfsnachweise als im Vorjahr.

Streng geschützt

Wölfe leben seit fast 20 Jahren wieder in Deutschland. Sicher nachgewiesen sind in Deutschland laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) 60 Rudel, 16 Wolfspaare und zwei Einzeltiere.

Inklusive der in einem Rudel lebenden Jungtiere ergeben sich daraus etwa 370 Wölfe für das Jahr 2017. Der deutsche Jagdverband rechnet dagegen damit, dass es in diesem Jahr schon mehr als tausend Wölfe sein könnten. Wie sich die Tiere in Zukunft weiter verbreiten könnten, lesen Sie hier.

Wölfe sind nach EU-Recht und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Ihre unerlaubte Tötung ist eine Straftat. In Deutschland stehen Wölfe auf der roten Liste und gelten als vom Aussterben bedroht. In Ausnahmefällen können die Umweltministerien der Bundesländer ein Tier allerdings zum Abschuss freigeben.

Video: Die Rückkehr der Wölfe

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insgesamt 124 Beiträge
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womo88 08.08.2018
1. Ein Wolf hat also ein Schaf gerissen ...
Bei uns im Schlachthof werden täglich 100 - 120 Schweine geschlachtet. Deutschlandweit werden jährllich 1.085.000 Schafe geschlachtet, 3.244.000 Rinder und 58.350.000 Schweine, 37.700.000 Puten, 627.941.000 Hühner. Das ist ok, weil es Menschen machen!
wrkffm 08.08.2018
2. Ja und... ?
Ein Wolf ist halt ein fleischfressendes Raubtier. Im Gegensatz zu Pitbullrisse in vielen Deutschen Städten, sind diese Wolfrisse gemäß der Natur.
herwescher 08.08.2018
3. Muss eine Zeitungsente sein ...
Wie schon etliche Studien von Umweltschutzorganisationen nachgewiesen haben, töten Wölfe nur alte und kranke Tiere und halten damit den Gleichgewichtszustand der Natur aufrecht ... Oder der Schäfer züchtet halt aus Profitgier alte und kranke Tiere ...
KingTut 08.08.2018
4. Und dennoch schützenswert
Erst einmal begrüße ich es sehr, dass die Wöfe in der EU streng geschützt sind. Das ist die richtige Entscheidung, denn wir waren es, die ihnen den Lebensraum geraubt haben. Dass Wölfe ihre traditionellen Beutetiere reißen ist ja keine Überraschung und kein Grund zur Aufregung. Ich bin sicher, dass ein Vielfaches and Nutz- und Wildtieren anderweitig ums Leben kommen, z.B. durch den Straßenverkehr - Wölfe übrigens auch. Und dann gibt es für die Besitzer der Nutztiere ein Entschädigungsprogramm oder irre ich mich da? Insofern sind diese Vorgänge zwar berichtens- aber in keiner Weise verurteilenswert. Wölfe müssen auch künftig geschützt werden, wenn wir ihr Aussterben verhindern und ihre genetische Vielfalt bewahren wollen.
quark2@mailinator.com 08.08.2018
5.
Tja, die Kommentare scheinen mir von Nichtbetroffenen zu kommen. Rein abstrakt finde ich Wölfe auch toll. Ich finde auch Löwen toll. Sollten die hier also rumlaufen, falls es sie vor einiger Zeit hier gab ? Na, mir würden Löwen oder Giftschlangen das Wandern und Pilzsammeln versauen, insbesondere, weil man ja nicht mal n längeres Messer zur Verteidigung führen darf. Aber was machen die Wölfe denn jetzt schon ? Sie fressen Rehe und Hirsche weg, d.h. der Ertrag für die Jäger wird geringer. OK, das ist zunächst mal bloß Geld. Das Geld anderer Leute, die sich dann entscheiden werden, nicht weiter Jagdpacht zu bezahlen, was dann den Besitzer des Waldes trifft. Kann man vermutlich mit leben. Auch das wir dann weniger gesundes Wild essen können und statt dessen arme Viecher ausm Rinderstall essen müssen, geht wohl. Ach ja, wie werden sich wohl die Tiere im Wald führen, die nun plötzlich Freßfeinde haben ? Wie werden sich die Schafe, Pferde und Rinder fühlen, die nicht mehr auf die Weide kommen, sondern im Stall bleiben ? Egal, was ? OK, was ist mit den Verlusten der Bauern ? Sollen halt keine Tiere halten, is eh grausam und Fleisch essen ist sowas von 19. Jhd. ? OK. Was ist mit den Deichen, wo keine Schafherden mehr den Boden verfestigen ? Machen wir irgendwie industriell ? Vielleicht. Am Ende des Tages kommt eine Änderung erst, wenn das erste blonde Mädchen nicht mehr heim kommt. Mal sehen, was dann für Relativierungen kommen werden, egal ob nun ein Wolf oder ein Herdenschutzhund schuld ist. Ich finde das Herangehen mal wieder unausgewogen einseitig und kurzsichtig, so wie oft in letzter Zeit.
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