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Harte Väter: Seenadeln lassen schwache Kinder hungern

Bei Seepferdchen und den mit ihnen verwandten Seenadeln sind die Männchen die Mamas und gebären den Nachwuchs. Mit ihren Kleinen gehen die schwangeren Väter allerdings wenig zimperlich um: Wer von einer kleinen Mutter abstammt, kriegt weniger zu fressen.

Grasnadeln und Seepferdchen: Väter mit Hunger auf Nachwuchs Fotos
Nick Ratterman

Nur nichts verschwenden - das ist offenbar die Maxime der Seenadeln, bei denen die Männchen den Nachwuchs gebären. Wenn sie von einer kleinen Mutter geschwängert werden, investieren männliche Tiere nämlich wenig Energie in ihren Nachwuchs. Das berichtet ein US-Forscherteam um Kimberly Paczolt und Adam Jones von der Texas A&M University in College Station im Fachmagazin "Nature".

Die Weibchen legen ihre Eier in die Bruttasche der Männchen, dort wachsen dann die Seenadel-Embryonen heran. Durch das umgebende Gewebe werden sie mit Nährstoffen versorgt. Neuere Studienergebnisse hatten die Vermutung aufkommen lassen, dass die Väter Einfluss auf die Embryonen nehmen. So fanden schwedische Wissenschaftler kürzlich heraus, dass die Männchen der verwandten Grasnadeln sogar ihren eigenen Nachwuchs verdauen können - aus unbekannten Gründen.

Futter wird den Kleinen aktiv entzogen

Nun fanden Paczolt und Jones allerdings heraus, was die Seenadel-Väter zu ihrem Tun veranlasst: Es ist eine schlichte Kosten-Nutzen-Rechnung. Nachkommen großer Weibchen sind fitter und haben eine höhere Überlebenschance. Deshalb investieren die Väter bei ihnen mehr Energie in die kräftezehrende Versorgung als bei Babys von kleinen Müttern, berichten die Wissenschaftler. Die strengen Väter lassen Nachwuchs von kleinen Partnerinnen weniger Nährstoffe zukommen - oder entziehen ihnen diese sogar aktiv.

Die Wissenschaftler überprüften diese Möglichkeit an der Seenadel-Art Syngnathus scovelli. Sie verpaarten männliche und weibliche Seenadeln und überwachten anschließend die Entwicklung der Embryonen. Bei der Paarung zeigte sich, dass die Männchen möglichst große Weibchen bevorzugten. Standen nur kleine Weibchen zur Wahl, ließen sich die Männchen deutlich länger Zeit, bis es zur Paarung kam - es hätte ja noch ein größeres Weibchen vorbeikommen können.

Außerdem war die Sterblichkeit der aus der Paarung mit kleinen Weibchen hervorgegangenen Embryonen deutlich höher. Dafür sind die Männchen verantwortlich, fanden Paczolt und Jones heraus: Bei den aus der Paarung mit kleinen Weibchen entstehenden Embryonen sparen sie mit Nährstoffen, um Ressourcen für potentielle Nachkommen von fitteren Müttern aufzusparen.

Dieser haushälterische Umgang mit Brutinvestitionen ist nötig, da Schwangerschaften viel Energie verbrauchen. Die Nährstoffe reichen beispielsweise nicht für zwei direkt aufeinander folgende Schwangerschaften. Die generell fitteren Nachkommen von großen Weibchen haben in der Natur eine höhere Überlebenschance und genießen aus diesem Grund mehr Zuwendung von Seiten der Väter.

lub/ddp

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