Wildtiere auf Paarungssuche Wer den Boxkampf gewinnt, darf rammeln

Auf dem Acker boxen sich Feldhasen, im Wald singen Füchse heisere Lieder, Wölfe sondern Düfte ab - in der Tierwelt geht es derzeit heiß her.

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"In der Natur wird jetzt die Generation 2018 gezeugt", sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung. Wildtiere brauchen für intime Spiele keine kuschelige Wärme.

Feldhasen bereiten sich schon seit Januar auf dem Acker auf ihre Hasen-Hochzeiten vor, sagt Goris. "Wer genau hinschaut, kann die ersten hitzigen Boxkämpfe beobachten."

Doch es sind nicht die Männchen, die im Zweikampf ihre Vorderläufe gegeneinander hämmern. "Die Häsin testet beim Boxen, wie stark und widerstandsfähig der Partner in spe ist", erklärt Goris. Besteht er die "Box-Prüfung", darf er rammeln.

Wenn nicht, sucht sie sich einen anderen Sparringspartner. Da die Häsin sich innerhalb kürzester Zeit mehrmals paart, kann ihr Nachwuchs unterschiedliche Väter haben.

Bei den Wildschweinen geht es bereits seit Dezember um die Fortpflanzung. "Bachen und Keiler sind zwar das ganze Jahr über paarungsbereit, doch jetzt werden die Frischlinge gezeugt", sagt Goris.

Schaumiger Speichel

Über einen Mangel an Interesse können sich die Bachen nicht beklagen: Sie werden gleich mehrfach vom stärksten Keiler des Reviers beglückt. Dabei imponiert der Keiler den Damen mit schaumigem Speichel, der betörende Duftstoffe enthält. "Und er markiert das Revier zusätzlich mit Urin: Wildschwein-Urin ist 'Männer-Parfüm' für die Bachen", sagt Goris.

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Auch die Europäische Wildkatze sei in diesen Tagen "schwer verliebt", berichtet Goris. Wenn die scheuen Tiere nachts ihre Hochzeit feiern, locken die Kater mit langgezogenem Miauen die Weibchen. "Der Liebesruf während der Ranzzeit ist nicht zu überhören", weiß Goris.

Die Wildkatze ist keine verwilderte Hauskatze, sondern im Gegensatz zu ihren domestizierten Verwandten selten und bedroht. Sie lebe in naturnahen Wäldern und gebe Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf, sagt Goris: "Doch eins weiß man sicher: Jetzt ist Ranzzeit, und der Duft von Baldrian ist für sie unwiderstehlich." Nach der Paarung gehen sie sofort wieder getrennte Wege.

Auch das Liebeslied der Füchse ist jetzt häufig im Wald zu hören, weiß Biologe Andreas Kinser von der Wildtier-Stiftung. "Mit seinem 'kauw, kaw, kaw' erinnert es an das heisere Bellen eines Hundes."

Ein Leben lang zusammen

Meist werben mehrere Fuchsrüden gleichzeitig um eine Fähe. "Mit seinem Fuchs-Parfüm - einem für menschliche Nasen unangenehm riechenden Ammoniak-Geruch - bringt er die Hormone in Wallung." Fuchsweibchen sind in der Ranz - der Fortpflanzungszeit - nur drei Tage paarungsbereit.

Partnersuche mit Leidenschaft, aber immer in Zeitnot, gibt es bei den Rebhühnern. "Sie haben in gewisser Weise das tierische Speed Dating perfekt drauf", sagt Goris. Um ihren Traumpartner zu finden, verlassen die Rebhühner in den frühen Morgen- und Abendstunden für nur sehr kurze Zeit ihre Deckung - dann fühlen sie sich vor Feinden wie den Greifvögeln sicher. Noch bis Ende März seien die seltenen Feldvögel "im Liebestaumel".

Die Paarungszeit der Wölfe dauert von Ende Januar bis in den März hinein. "Weibchen beginnen einen intensiven Lockduft abzusondern", sagt Kinser. "Der Rüde hält sich mehrere Tage und Nächte lang in der Nähe seiner Angebeteten auf." Für die Paarung ziehen sich die Zwei vom Rudel zurück. Das Wolf-Paar bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen.

Paarung im Wasser

Auch der männliche Biber ist kein Mann für eine Nacht, sondern sucht eine Partnerin fürs Leben. "Die Hauptpaarungszeit der Biber beginnt ebenfalls im Januar." Das Paarungsritual findet schwimmend in seichtem Wasser statt - das kalte Wasser schreckt da nicht. "So eine Biber-Ehe kann bis zu 20 Jahre halten", sagt Goris.

Auch bei Iltis und Wiesel, Fischotter und Eichhörnchen, oder dem Marderhund - einem pelzigen Allesfresser, der aus Ostasien eingewandert ist - beginnt die Paarungszeit jetzt im Winter, weiß Kinser. Hoch am Himmel herrscht jedoch noch relative Stille.

"Vögel kommen erst dann in Stimmung, wenn es wieder heller wird." Nur Steinadler und Seeadler schwingen sich schon jetzt zur Balz in die Lüfte, um eine Partnerin fürs Leben zu finden.

Von Wolfgang Runge, dpa/boj



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