24-Stunden-Jagd 10.000 erlegte Kaninchen in Neuseeland enden als Düngemittel

Die Suche nach Schokohasen ist eine der bekanntesten Ostertraditionen. In Neuseeland aber werden jedes Jahr echte Langohren gejagt: Dieses Mal mussten knapp 10.000 Tiere dran glauben.

Kaninchen in Deutschland
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Kaninchen in Deutschland


Wer zum ersten Mal von der "Great Easter Bunny Hunt" hört, denkt vielleicht an ein liebevoll ausgerichtetes Fest, das Kinderherzen höher schlagen lässt. Doch statt der Suche nach süßen Häschen verbirgt sich hinter dem Namen ein ziemlich blutiges Event: eine 24-Stunden-Jagd auf Rammler. Die Bilanz in diesem Jahr: 9680 tote Kaninchen - und damit mehr als 2015, wie die Zeitung "Otago Daily Times" berichtet. Aber immer noch weniger als im Rekordjahr mit 30.000 Langohren. Die Jäger hätten zudem mehr als 300 andere Tiere wie Hasen, Wiesel, Ziegen, Schweine, Truthähne, Elstern und Opossums erlegt, hieß es.

Seit 25 Jahren wird die Osterjagd in der Nähe vom neuseeländischen Otago ausgetragen. In diesem Jahr nahmen mehr als 300 Jäger in 27 Teams teil. "Es ist ein großes Spaßevent - die Jäger sind draußen und die ganze Nacht wach", sagte der Veranstalter Eugene Ferreira. Das Team "Down South" erreichte mit 889 erlegten Tieren den ersten Platz. Auf Platz zwei landeten mit 755 getöteten Rammlern die "Hopper Stoppers". Auch bei der Namensgebung scheint es demnach ziemlich viel Fun zu geben.

Nach Angaben des Ausrichters handelt es sich jedoch nur am Rande um eine spaßige Tradition. Kaninchen sind ein "sehr, sehr großes Problem". In der Tat gelten die Tiere als große Plage in Neuseeland, die ursprünglich nicht auf der Insel vorkamen und von Europäern im 19. Jahrhundert eingeschleppt wurden. "Im Gesetz über biologische Sicherheit sind Kaninchen als ungewollte Organismen klassifiziert", erklärt das Umweltamt Neuseelands. Sie vermehrten sich, nun ja, wie Karnickel, sie machten Schafen die Nahrung streitig, bedrohten heimische Pflanzen und trügen als Beute anderer eingeschleppter Raubtiere zum Aussterben heimischer Vögel und anderer Tiere bei. Schon der US-Schriftsteller Mark Twain hatte Ende des 19. Jahrhunderts auf seiner Weltreise von der Plage berichtet.

In den vergangenen Jahren hatten Tierschützer regelmäßig gegen die 24-Stunden-Jagd protestiert. In diesem Jahr soll laut Ferreira kein Aktivist anwesend gewesen sein.

Hans Kriek von der Organisation Safe kritisiert die Jagd auf Agenturnachfrage dennoch als "unmenschlich". Bei den Jägern handle es sich um eine Gruppe von Amateuren, die einen Kick beim Töten bekommen wollten. Wenn unbedingt gejagt werden müsse, dann von Profis, so Kriek.

Anders als bei der professionellen Jagd werden die erlegten Kaninchen in Neuseeland in der Regel auch nicht verzehrt. Stattdessen werden die Tiere als Düngemittel verwendet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war von einer Jagd auf Hasen die Rede. In erster Linie geht es jedoch um die Jagd auf Kaninchen.

yes/Reuters/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Flying Rain 26.03.2016
1. Wenn
Wenn man den Tierschutz nur auf die einzelnen Tiere wie hier etwa den Hasen herunter bricht mögen die Tierschützer vielleicht Recht haben. Leider beachten die mal wieder nicht das gesammte Ökosystem welches auf Neuseeland sehe eigen und empfindlich ist da sich auch die Hasen ohne entsprechende Feinde und entsprechende klimatische Gegebenheiten nun mal rasend verbreiten. Ähnliche Probleme haben etwa die Australier auch mit den Kamelen. Tierschutz ist wichtig und gut aber man darf das Gesammtbild nicht vergessen. Und wer soll den bitte 10000 Hasen essen wenn man bedenkt das vielen Hase ganz einfach nicht schmeckt (wie mir z.B. da ich allgemein Wild eher weniger schmackhaft finde bis auf vielleicht alle Jubeljahre mal Elch) Zu den Kamelen noch etwas aus Wikipedia und mit den Hasen wird es sich denke ich mal zumindest ähnlich verhalten: " Kamele können sich von 80 % der ihnen verfügbaren Flora Australiens ernähren. Ab zwei Kamelen pro Quadratkilometer wird die Umwelt zunehmend geschädigt. "
verdreckter_ermittler 26.03.2016
2. Plage
Viel größeren Schaden als Hase, Opossum und andere "unerwünschte Arten" in Neuseeland hat tatsächlich der Mensch mit seiner Kahlrodung der Landschaft angerichtet. Ursprüngliche Wälder findet man da fast gar nicht mehr, das meiste ist nun Weideland oder, wenn schon Wald, dann Monokultur für die Holzwirtschaft. Und dann noch beschweren, wenn ein paar wildlebende Arten auch noch bissl Grünzeug abhaben wollen, tsts.
Loddarithmus 26.03.2016
3. Und mit dem Dünger werden ...
... Futterpflanzen gedüngt, die dann an Federvieh verfüttert werden, damit sie reichlich Küken produzieren können. Und die werden dann geschreddert und zu Futter verarbeitet, vielleicht auch für Hasen. Das ist der Kreislauf der Natur.
thorsten.munder 26.03.2016
4. Man muß aber auch dazu sagen
das alle diese Tiere nicht Original aus Neuseeland sind da es bis die ersten Europäer das Land erreichten es dort zum Beispiel keine Säugetiere gab und auch Vögel wie zum Beispiel Elstern unbekannt waren und diese Tiere jetzt ( und schon ) lange eine Plage für das Land und die Natur bedeuten und sogar die Grünen in Neuseeland fordern alle nicht original Arten " Auszurotten " da Sie die Heimische Flora und Fauna schwer beschädigt haben und weiter schädigen auch der Fakt das der Kiwi auf den beiden Hauptinseln ausgestorben ist geht darauf zurück das er von Katzen gejagt wurde da der Kiwi ein Vogel ist der im Laufe der Evolution verlernt hatte zu Fliegen und wie ein Huhn nur auf der Erde herumhüpft wo eine verwilderte Hauskatze leichtes Spiel hatte sich ihn als leckeren Snack zu Gemüte zu führen . Das gilt Natürlich auch für Australien .
wolfgang bruchhagen 26.03.2016
5. Schlimme Sache trotz Plage
Ich weiß grundsätzlich nicht, was ich schlimmer finden soll, Menschen, die aus Spaß Tiere töten oder dass einergiereiche und schmackhafte Nahrung als Düngemittel endet. Andererseits sind Kaninchen in Neuseeland eine wirkliche und echte Plage, die ausschließlich durch den Menschen entstanden ist und die schlimme ökologische Folgen hat.
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