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Kannibalische Fische: Hecht frisst Hecht

Um die Zahl der Fische zu erhöhen, setzen Angler und Berufsfischer gern Jungtiere aus. Häufig ein vergebliches Bemühen, wie eine neue Studie zeigt: Die Tiere fressen sich gegenseitig.

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Corbis

Räuber und Kannibale Hecht: Jungfische frisst er schon ab einer Größe von drei Zentimetern

Hannover/Emden - Keine Chance für junge Hechte: Um die Zahl der Fische in einem Gewässer zu erhöhen, züchten Fischer häufig Jungfische heran und lassen diese frei. Doch die wenigsten überleben. Denn der Fleischhunger ihrer Artgenossen ist beachtlich: Die Minihechte fressen einander ab einer Größe von drei Zentimetern. Der Kannibalismus der Hechte erkläre, warum junge Zuchtverstärkung erfolglos bleibt, schreiben die Forscher im Fachblatt "Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences".

Die Experimente der Biologen ergaben, dass die künstlich aufgezogenen Fische die Bestandsdichte in natürlichen Gewässern nur für wenige Wochen steigern. Der rasch beginnende Kannibalismus drücke den Jungfischbestand bereits drei Monate nach dem Einsetzen der Tiere wieder auf das Ausgangsniveau.

Die Forscher um Daniel Hühn und Studienleiter Robert Arlinghaus gehen davon aus, dass der Hecht nicht der einzige Raubfisch ist, bei dem das so laufen könnte. "Ähnliche Ergebnisse sind bei vielen anderen Raubfischen wie Zander und Bachforelle zu erwarten, auch wenn bei diesen Arten der Kannibalismus später einsetzt", schreiben sie in ihrer Studie.

Kampf um Futter und Verstecke

Doch nicht nur der Kannibalismus raffe die Jungtiere dahin. Auch der Wettbewerb um Futterfische und geeignete Verstecke halte die Zahl der Fische langfristig konstant.

Gezüchtete Jungtiere in Gewässer zu setzen, ist eine gängige Methode: Berufsfischer und benutzen den Hechtbesatz, um die Population zu stützen. Der natürliche Lebensraum der Hechte ist teilweise durch Uferbegradigungen bedroht. Doch die Methode birgt auch Risiken -Krankheiten können eingeschleppt oder der Genpool des natürlichen Bestandes mit Zucht-DNA geschwächt werden, warnen die Forscher.

Es sei also wichtig, den Hechtbesatz gezielt zu betreiben, so die Forscher. Vor allem dann, wenn Lebensräume bedroht sind oder eine Population ausgestorben ist. "In allen anderen Fällen kann künftig guten Gewissens auf den natürlichen Hechtbestand vertraut werden."

tst/ dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
AlbertGeorg 07.10.2014
Was die Wissenschaftler nicht alles wissen und was die Redakteure nicht alles berichten! Sensationell!
2. das ist ja mal...
NaIche 07.10.2014
was ganz neues... das war schon ein alter Hut, als ich vor 30 Jahren meinen Fischereischein machte... Spannend geht anders...
3. diesen unglaublich grundlegenden und wahnsinnig überraschenden umstand ...
dagegengewicht 07.10.2014
... lernt jeder 16jährige wenn er seine sportfischerprüfung ablegt die in deutschland notwendig ist um die angel in den teich zu halten. laut wiki sind das ungefähr 1,4 mio bundesbürger die dieses wahnsinnig geheime und unglaublich seltene wissen besitzen, bzw im jahr 2002 (also 12 jahre vor der studie) besaßen. einfach unglaublich - oder?
4. Ich kann den Hecht verstehen...
patrick6 07.10.2014
...der einen Hecht aufisst: Ich mag Hecht auch.
5.
schlawa 07.10.2014
Anglelvereine setzen grundsätzlich Fische nach um die Entnahme durch die Mitglieder des Vereins aufzugleichen. Der Terminus "Gewässer" ist schonmal eine ziemlich Verkürze rangehensweise an die Problematik :) Die Angelvereine wissen auch selber dass Fische in Flüssen auch einfach abwandern wenn die Bedingungen nicht stimmen oder zu viele Fische das Nahrungsangebot verknappen, da gibt es keine Grenzen. Die schwimmen einfach weg. Der ganze Artikel kann sich somit nur auf Teiche oder kleinere Stehende Gewässer beziehen. Wenn sich die "überzählig" eingesetzen Raubfische auf natürliche Weise schon nach wenigen Wochen angleichen um so besser. Trotzdem ist es nötig für einen Angelverein ein stark befischtes Gewässer zusätzlich zu der Einrichtung von Schongebieten zu besetzen.
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