Heimwerker Wilde Gorillas greifen zum Werkzeug

Zum ersten Mal haben Forscher beobachtet, dass Gorillas in freier Wildbahn einfache Werkzeuge benutzen. Ein Tier prüfte zum Beispiel die Tiefe eines Teiches mit einem Ast. Bislang war derartiges Verhalten nur von Gorillas in Gefangenschaft bekannt.


"Das war eine verblüffende Entdeckung", erklärte Thomas Breuer vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. "Der Gebrauch von Werkzeugen bei wilden Affen verschafft uns einen wertvollen Einblick in die Evolution unserer eigenen Spezies und die Fähigkeiten anderer Arten." Breuer leitet die Gorilla-Studie im Nationalpark Nouabale-Ndoki im Kongo, die jetzt im frei zugänglichen Fachblatt "PLoS Biology" veröffentlicht wurde.

Gorilla-Dame "Leah": Prüft mit Stock die Wassertiefe
AP

Gorilla-Dame "Leah": Prüft mit Stock die Wassertiefe

Von den kleineren Schimpansen und Orang-Utans wissen Biologen schon lange, dass sie für ihr Überleben Werkzeuge einsetzen. Gorillas hingegen hatten bisher nur in Gefangenschaft zu Hilfsmitteln gegriffen.

In dem kongolesischen Nationalpark beobachteten die Forscher zunächst ein Gorilla-Weibchen, dem sie den Namen "Leah" gegeben hatten. Sie versuchte, durch einen Teich zu waten, den Elefanten in dem sumpfigen Marschland hinterlassen hatten, sank jedoch nach nur wenigen Schritten tief ein. Sie kletterte aus dem Wasser, holte sich einen langen Ast und prüfte damit die Wassertiefe an einer anderen Stelle.

Eine andere Gorilla-Dame namens "Efi" stützte sich mit einer Hand auf einen dicken Ast, während sie mit der anderen nach Kräutern suchte. Sie benutzte den Stamm auch als Brücke, um eine matschige Stelle zu überqueren.

Weibchen "Efi": Geht mit Stock
AP

Weibchen "Efi": Geht mit Stock

Bisher galten Gorillas als weniger geschickt als andere Menschenaffenarten. Dies geht jedoch auch darauf zurück, dass sie weniger intensiv beobachtet wurden. Von den Schimpansen ist bekannt, dass sie in freier Wildbahn Stöcke benutzten, um Termiten aus ihrem Bau zu holen.

"Gorillas sind sehr intelligent, aber sie müssen nicht so feinfühlig sein wie Schimpansen", sagte der Primatenforscher Richard Carroll. "Sie können den Termitenbau einfach aufschlagen." Neue Studien zeigten jedoch, dass die Gorillas in ihren Fähigkeiten den Schimpansen sehr ähnlich seien.



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